Glück für Contador

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Alberto Contador.

Madrid - Im Fall Contador hat der spanische Radsportverband eine salomonische Entscheidung getroffen. Er sprach sich dafür aus, den dreimaligen Tour-Sieger wegen Dopings für ein Jahr zu sperren.

Dem spanischen Radprofi Alberto Contador droht wegen Dopings nicht nur eine Aberkennung des Tour-de-France-Siegs im vorigen Jahr, sondern auch eine Sperre für die kommende Frankreich-Rundfahrt. Der spanischen Radsportverband (RFEC) sprach sich in einer vorläufigen Entscheidung dafür aus, dem dreimaligen Tour-Gewinner ein einjähriges Startverbot zu erteilen. Contador hat nun eine Frist von zehn Tagen, um gegen den Beschluss Einspruch einzulegen. Danach fällt der Verband sein definitives Urteil. Dieses wird für Mitte Februar erwartet.

Der 28-jährige Madrilene war am zweiten Ruhetag der letztjährigen Tour de France in Pau positiv auf das Kälbermastmittel Clenbuterol getestet worden. Das Anti-Doping-Labor in Köln hatte den Beweis erbracht. Contador, der zum Jahresende im Falle einer Verurteilung seinen Rücktritt ankündigte, führte den Befund auf den Genuss eines verunreinigten Steaks zurück und bestreitet jedes Doping.

Die Madrider Zeitung “El Mundo“ bescheinigte dem Verband eine “salomonische Entscheidung“. “Contador ist ein bisschen schuldig und ein bisschen unschuldig“, schrieb das Blatt am Donnerstag. Wie aus Verbandskreisen verlautete, ging der RFEC davon aus, dass man Contador aufgrund der minimalen Menge von Clenbuterol kein absichtliches Doping nachweisen könne. Deshalb plädierte der Verband dafür, die sonst übliche Sperre von zwei Jahren bei Dopingfällen auf die Hälfte zu verkürzen.

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Alberto Contador erklärte seine positive Doping-Probe mit verunreinigtem Essen. Er wurde daraufhin freigesprochen. Es ist nicht die erste merkwürdige Erklärung in der Geschichte des Dopings. © AP
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Die Lebensmittelvergiftung der anderen Art: Ex-Sprinter Linford Christie beteuert: „Ich habe nicht gedopt, ich habe nur Avocados gegessen!“ © Getty
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Die wohl abgefahrenste Ausrede für Blutdoping hatte Radsportler Tyler Hamilton: “Ich bin ein Mischwesen. Die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert." © Getty
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Claudia Pechstein: “Ich weiß nun, dass ich eine Blutmacke habe, aber nicht krank bin“, sagte die Eisschnellläuferin. Die Sportlerin war 2009 wegen auffälliger Blutwerte gesperrt worden. Später erklärten Ärzte, ein von ihrem Vater vererbter Gen-Defekt sei für die hohen Retikulozyten-Werte verantwortlich. © dpa
Ivonne Kraft: Den positiven Test auf das Asthma-Mittel Fenoterol erklärte die Mountainbikerin 2007 mit einer explodierten Sprühflasche. Ihre Mutter habe Asthma-Spray benutzen wollen, dann sei die Flasche explodiert und sie habe die Substanz offenbar eingeatmet. © Getty

Der Weltradsportverband UCI lehnte eine Stellungnahme ab. “Es ist festzuhalten, dass es lediglich eine 'vorläufige Entscheidung' des spanischen Verbandes zum Fall Contador gibt“, sagte der UCI-Sprecher Enrico Carpani auf dpa-Anfrage. “Ein endgültiges Urteil des Verbandes wird uns noch zugehen und darauf warten wir, bevor wir uns äußern. Nach Eingang des offiziellen Urteils haben wir einen Monat Zeit zu prüfen, ob wir vor den (internationalen Sportgerichtshof) CAS gehen.“ Der spanische Präsident Carlos Castano bestätigte die vorläufige Entscheidung gegen Contador und erklärte, dass dem Radprofi dessen Toursieg von 2010 aberkannt werden wird, wenn sich die Einjahressperre im abschließenden Urteil bestätigt.

Bisher hatte es bei großen Rundfahrten an der Spitze des Gesamtklassements nach Doping-Überführungen drei Fahrer erwischt: 2005 musste Roberto Heras seinen Vuelta-Sieg am Grünen Tisch an Denis Mentschow (Russland) weitergeben; 2006 wurde Floyd Landis bei der Tour disqualifiziert (Sieger: Oscar Pereiro/Spanien); und Danilo di Luco verlor 2009 seinen zweiten Platz beim Giro. Wenn Contador infolge einer Sperre sein Gelbes Trikot von 2010 verlöre, würde der bisher Zweitplatzierte Andy Schleck (Luxemburg) zum Tour-Sieger erklärt.

Der Spanier trainiert derzeit mit seinem neuen Team Saxo Bank auf der Ferieninsel Mallorca und bereitet sich dort auf die neue Saison vor. Es gilt als sicher, dass das Verfahren auch nach der endgültigen Entscheidung des RFEC sich noch längere Zeit hinziehen wird. Man geht davon aus, dass die Angelegenheit aller Wahrscheinlichkeit nach vor dem CAS enden wird. Contador hatte bereits angekündigt, eine Sperre auf jeden Fall dort anfechten zu lassen. Auf der anderen Seite wollen UCI und die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA vor das Sportgericht ziehen, wenn die Strafe nach ihrer Ansicht zu milde ausfällt.

Großer Verlierer des Spruches des spanischen Verbandes ist neben Contador vor allem dessen neuer Teamchef Bjarne Riis. Der dänische Toursieger von 1996, der elf Jahre nach seinem Sieg in Paris Doping gestand, hatte zusammen mit seinem neuen Sponsor Sun Guard alles auf den prominenten Neueinkauf Contador ausgerichtet. Ohne sein Zugpferd für 2011 steht Riis jetzt mit nahezu leeren Händen da. Er dürfte fieberhaft auf der Suche nach einem halbwegs respektablen Ersatz sein. Erklärungsversuche von Contador und Riis soll es am Freitag auf Mallorca geben.

Auf die Argumentation “verseuchtes Fleisch“ hatten nach positiven Clenbuterol-Tests vorher schon andere Sportler - mit Erfolg - zurückgegriffen. Der Tischtennis-Profi Dimitrij Ovtcharov wurde vom Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) freigesprochen. Der italienische Radprofi Alessandro Colo erreichte, dass seine Sperre vom Nationalen Olympischen Komitee seines Heimatlandes auf ein Jahr verkürzt wurde.

dpa

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