Nacht der Legenden: Nadal stößt im längsten Finale Federer vom Thron

Götterdämmerung

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Auf den Sieger prasselte ein wahres Blitzlichtgewitter ein.

London - Die Nacht hatte sich über den Centre Court gesenkt, es war eiskalt geworden und die Zuschauer hüllten sich in Handtücher und Decken.

Frierend und zitternd, durchnässt vom Regen, der das Schauspiel auf dem Rasen zweimal unterbrochen hatte, dachte niemand daran, zu gehen – jeder auf dem Platz wusste, dass er Zeuge eines historischen Tennisspiels war, das die nackten Zahlen nicht annähernd wiedergeben können: In 4:48 Minuten Nettospielzeit, die sich von 15.25 Uhr bis 22.15 Uhr hinzogen, rang Rafael Nadal mit 6:4, 6:4, 6:7 (5:7), 6:7 (8:10), 9:7 den Rasengott Roger Federer nieder. Oder waren es fast fünf Stunden, in denen sich Federer wehrte, in denen er versuchte, das Unabwendbare doch noch einmal abzuwenden? War es die Götterdämmerung des Roger Federer?

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„Roger hat unglaublich gekämpft. Er ist die Nummer eins und bleibt für mich auch der Beste“, meinte der erste spanische Wimbledonsieger nach Manuel Santana 1966 mit Tränen in den Augen. Er war geschafft nach dem Spiel und so platt, dass er das Turnier in Stuttgart absagte – diese Nachricht aber persönlich und vor Ort überbrachte: „Mein Arzt sagt, ich brauche Ruhe…“

Federer war geschockt, auf welche Art und Weise ihm die Unsterblichkeit genommen wurde, als erster Profi überhaupt sechsmal in Folge in London zu siegen. Und er war geschockt von der Wucht Nadals, dem unglaublichen Willen – und der spielerischen Klasse, die der 22-Jährige auch auf Rasen zeigte. „Ich habe alles versucht“, sagte Federer, der gleichfalls Tränen in den Augen hatte und sich nur langsam vom Ende seiner unglaublichen Serie erholte. Nach 65 Rasensiegen in Serie kassierte er eine Pleite und gab zu: „Das ist die bitterste Niederlage, die ich hinnehmen muss. Und es ist schwer, zu akzeptieren, dass das wichtigste Turnier in einem Licht entschieden wird, in dem es eigentlich unmöglich ist zu spielen.“

Immerhin, Weltranglisten-Erster ist er noch – wie seit 232 Wochen. Doch als erster Profi seit Björn Borg gewann Nadal erst die French Open und dann Wimbledon. „Diese Niederlage ist ein Desaster für mich“, sagt Federer. Weil er weiß, dass es nun keinen Belag mehr gibt, auf dem ihn Nadal nicht schlagen kann.

Quelle: tz

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