Schwabing und Milbertshofen sind Geschichte

Großer tz-Report: Warum ist München keine Handball-Hochburg mehr?

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Handball-Bundesliga  am 01.11.1987: Karl Heinz Schulz (Milbertshofen, li.) gegen Ulrich Schuppler (Schwabing).

München - Der MTSV Schwabing und der TSV Milbertshofen rockten einst die Handball-Bundesliga. Doch heute gibt es in München und Umgebung kein Profi-Handball mehr. Woran liegt es, wie geht es weiter?

In Frankreich kämpfen die Bad Boys um WM-Edelmetall (hier geht es zum Spielplan der Handball-WM 2017), in München darbt der Handball seit vielen Jahren. Seit dem finanziellen Aus des MTSV Schwabing im Jahr 1989 und des TSV Milbertshofen 1993 gibt es in München und Umgebung keinen Handballprofiverein mehr, weder in der ersten, noch in der zweiten Liga. Wolfgang Sommerfeld schmerzt das besonders, der 67-Jährige war Deutscher Meister, Nationalspieler und Trainer in Schwabing und Milbertshofen. 

„Wenn es ein Projekt gäbe, würde ich mithelfen, es wäre mir eine Herzensangelegenheit“, sagt Sommerfeld, der noch bis Ende des Jahres Sportdirektor beim Deutschen Handballbund ist, der tz. Allerdings ist er auch Realist. „Der Fußball ist in Südbayern extrem dominant, vier- oder fünftklassige Vereine erhalten noch wahnsinnig hohe Sponsorengelder“, sagt Sommerfeld, der im Raum Rosenheim lebt und dieses Problem aus eigener Erfahrung kennt: „Dort werden Gehälter gezahlt, da können durchschnittliche Handballbundesligaspieler nicht mithalten.“

Neben dem finanziellen Aspekt ist die fehlende Infrastruktur problematisch, ein vom bayerischen Handballverband (BHV) gefördertes Stützpunktzentrum gibt es nicht, das nächste steht in Großwallstadt – rund 400 Kilometer entfernt. Auch Kooperationen mit Schulen sind rar. Nachdem es jahrelang nur das Isarsportgymnasium als Sportpartner gab, öffnete zum Schuljahr 2016/17 das Gymnasium München Nord als neue Eliteschule des Sports. Handball steht dort nicht auf dem Programm, stattdessen unter anderem Bogenschießen, Short-Track und Trampolinspringen. „Es gibt derzeit auch wenige Argumente, große Talente hierher nach München zu locken“, sagt Sommerfeld.

Wie sich die Situation in den großen Münchner Vereinen darstellt und was Ex-Nationalspieler Uli Roth und BHV-Präsident Gerd Tschochohei zur Problematik sagen, zeigt der große tz-Handballreport.

BHV-Präsident: „Die Sponsoren wollen lieber FCB-Fußball“

Wenn einer den bayerischen Handball kennt, dann ist es Gerd Tschochohei. 1988 wurde er Präsident des Bayerischen Handballverbandes, als Aktiver spielte er in der Bundesliga, später war er Bundesliga- und Damennationaltrainer.

Herr Tschochohei, wie sehen Sie die Situation in München und Umgebung?

Gerd Tschochohei: Wenn man sich den FC Bayern, 1860 München oder einen internationalen Konzern wie Red Bull wegdenkt, bleibt nichts mehr übrig. Ohne einen ähnlichen Hintergrund wird jedes Projekt an der wirtschaftlichen Situation scheitern. Wenn es in den 80ern und 90ern Ulrich Backeshoff und Urs Zondler nicht gegeben hätte, hätte es in München auch kein Handball gegeben.

Wo sehen Sie die Gründe für die Stagnation?

Tschochohei: In München gibt es Geld, aber es wird nicht in den Sport investiert. Und wenn doch, dann sind die Unternehmen lieber der tausendste Sponsor des FC Bayern statt einer anderen Sportart, das ist die Hauptproblematik. Es gibt hier eine totale Konzentration auf den Fußball. Außerdem ist es schwer, die Bevölkerung dauerhaft für ein Projekt zu begeistern, weil das Freizeitangebot so groß und vielfältig ist. Und es gibt noch ein weiteres Problem.

Bitte.

Gerd Tschochohei, BHV-Präsident.

Tschochohei: Wenn sie eine Indoorsportart wie Handball vorantreiben wollen, fehlen die räumlichen Möglichkeiten. Die Olympiahalle ist zu groß und zu teuer, Hallen mit einer Kapazität von 1000, 2500 oder 5000 Zuschauern gibt es nicht. Der Audi Dome kann heute nur dank der Investition des FC Bayern genutzt werden, die Stadt hatte die ehemalige Rudi-Sedlmayr-Halle wegen Baumängeln verkommen lassen. Dass sich der FC Bayern für Basketball und nicht für Handball entschieden hat, kann ich aus deren Sicht nachvollziehen. Basketball spielt in Nordamerika und Asien eine größere Rolle, ist also im Hinblick auf die Internationalisierung des Vereins sinnvoller. Außerdem spielt die Vergleichbarkeit mit Vereinen wie Real Madrid eine große Rolle.

Wird es in den nächsten Jahren ein Handballprojekt in München geben?

Tschochohei: Ein Großprojekt, für das ich mindestens fünf Jahre Entwicklungszeit brauche, beschließe ich nur, wenn ich eine Chance auf Verwirklichung habe und das ist in München nicht der Fall.

Uli Roth: „Mit einem vernünftigem Fünfjahresplan ist das machbar“

Uli Roth prägte mit seinem Zwillingsbruder Michael Roth die Schwabinger Glanzzeit. Uli ist heute Manager der Band PUR, ehrenamtlich arbeitet er für die SG Leutershausen als Sport- und Marketingchef und führte den Verein aus der vierten in die zweite Liga. Er weiß also, wie man den Handball nach oben bringt…

Herr Roth, mehr als 20 Jahre, nachdem Milbertshofen und Schwabing durch ihren K.o. so etwas wie verbrannte Erde zurückgelassen haben: Ist Spitzenhandball in München noch möglich?

Uli Roth: Ex-Schwabing-Star, Manager der Band PUR.

Uli Roth: Natürlich, warum denn nicht? Der Spitzensport muss in den Großstädten präsent sein, da bildet Handball keine Ausnahme. Es gab auch ja immer wieder Versuche in dieser Richtung, das Thema spitzt sich regelmäßig zu. Ab und an ergreift jemand die Initiative, dann werden Gespräche geführt, aber es ist eben noch nie so weit gewesen, dass ein Projekt wirklich reif war für die ganz große Bühne. Und das ist schade: Der deutsche Fußballmeister kommt aus München, dazu gibt es noch die Löwen als Profiverein. Der deutsche Eishockeymeister kommt aus München, die Volleyballer haben es zumindest im Münchner Umland ebenfalls in die Bundesliga geschafft (erst Unterhaching, dann Herrsching, die Red.) – und dann sind da ja auch noch die Basketballer, da war der FC Bayern auch schon Meister. Nur wir Handballer fehlen in dieser Riege.

Gerade der FC Bayern ist ein Beispiel dafür, wie man einen Verein nach oben hieven kann…

Roth: … und sie sind ein Beispiel, das mich beim Thema München gewissermaßen kalt erwischt hat.

Warum das?

Roth: Weil ich vor einigen Jahren auch mal in Gesprächen war und einige Ideen hatte – aber vielleicht ein paar Wochen zu spät. Ich weiß noch heute, dass ich eines Tages am Flughafen mein Handy anmachte und auf einmal die Meldung aufploppte: Der FC Bayern steigt groß im Basketball ein. Da war ich kurz ein bisschen platt, denn es war im Grunde auch unser Konzept, in dem ein zentraler Punkt ist: Du brauchst einen Verein oder eine Persönlichkeit mit großer Strahlkraft. In diesem Fall ist beides gegeben: der FC Bayern mit Uli Hoeneß.

Nur mit Strahlkraft ist es nicht getan.

Roth: Natürlich sind auch gewisse finanzielle Möglichkeiten wichtig, wobei das in München nicht das Problem sein sollte. Es geht ja nicht um hunderte Millionen, so wie es im Fußball der Fall ist. Und sportlich ist es nicht sooo schwer, nach oben kommst du. Mit vernünftigem Scouting, einem guten Trainer, einem vernünftigem – sagen wir mal – Fünfjahresplan ist das machbar. Die Mannschaft müsste auf jeden Fall eine gute Mischung aus vielen jungen, deutschen Spielern und einigen Routiniers sein, denn nur so kannst du auch das Publikum begeistern. Das stelle ich mir sehr interessant vor.

Herr Roth, das klingt ja fast wie eine Bewerbung!

Roth (lacht): Wenn es in München losgeht, dann vergessen Sie mich bitte nicht! Im Ernst, in beratender Funktion ist das doch vorstellbar. Wie gesagt, es gibt ja immer mal wieder Kontakt und wenn es um München geht, ist das für mich als Ex-Schwabinger eine Herzenssache.

Momentan sind Sie mit Leutershausen erfolgreich. Auf dem Weg nach oben haben Sie aus finanziellen Gründen sogar einmal auf den Aufstieg verzichtet. Meinen Sie, dass das Publikum in München so viel Geduld hätte?

Uli Roth holte 1984 in Los Angeles Olympia­silber.

Roth: Ja – wenn es sich mit einer Mannschaft identifiziert. Wenn es mit der Mannschaft wächst und sie begleitet. Und wenn der Verein finanziell gesund ist, stellt sich Erfolg langfristig und hoffentlich dauerhaft ein, das ist eine Frage des Konzepts. Wenn man so ein Großprojekt auf die Beine stellen will, dann braucht man – neben der sportlichen Arbeit – fünf Dinge als Basis: Struktur, Marketing, Sponsoren, Netzwerk und eine Galionsfigur. Dann klappt’s.

Warum hat es dann mit Schwabing und Milbertshofen nicht dauerhaft geklappt?

Roth: Zwei Teams war eines zu viel. Das geht höchstens im Fußball. Schwabing hat mit Mäzen Urs Zondler versucht, Milbertshofen und Ulrich Backeshoff zu verdrängen. Aber Backeshoff hat mit allen Mitteln dagegengehalten. Das Ergebnis kennen wir. Aber man muss trotzdem sagen: Vieles von dem, was damals an Show und Spektakel veranstaltet wurde rund um die Spiele, war ein Vorbild für heutige Events.

Show, Spektakel, Marketing – da fällt einem unweigerlich Red Bull ein. Wäre das eine denkbare Verbindung?

Roth: Sicher, aber da müssen Sie Red Bull fragen. Die haben mit dem EHC bewiesen, dass sie es können, in Leipzig zeigen sie es beim Fußball. Die Kritik speziell an Leipzig verstummt ja auch immer mehr, man gewöhnt sich einfach daran und schaut nun genauer hin – was man sieht, ist gute Arbeit.

Neben den vielen Möglichkeiten – sehen Sie keine Gefahren bei so einem Projekt?

Roth: Doch, es gibt einige Schwierigkeiten, natürlich. Grundsätzlich ist bei Mäzenatentum immer die Gefahr gegeben, dass der Geldgeber die Lust verliert. Dann ist da die Hallenfrage, aber auch da zeigt der FC Bayern mit der guten, alten Sedlmayer-Halle, was möglich ist. Und dann müssten sich die Handballer in München natürlich auch einig sein, so etwas auf die Beine zu stellen. Das ist viel Arbeit, aber eigentlich muss der Spitzenhandball zurück nach München.

Diese Jungs sollen für Deutschland den WM-Titel holen

Die Handball-Nationalmannschaft. Klicken Sie sich durch den Kader!
Die Handball-Nationalmannschaft kämpft in Frankreich um den WM-Titel - klicken Sie sich durch den Kader!  © dpa
Silvio Heinevetter, Torwart, spielt bei den Füchsen Berlin. Heinevetter ist am 21.10.1984 geboren, 1,94 Meter groß und wiegt 97 kg.
Silvio Heinevetter, Torwart, spielt bei den Füchsen Berlin. Heinevetter ist am 21.10.1984 geboren, 1,94 Meter groß und wiegt 97 kg. © dpa
Andreas Wolff, Torwart, spielt beim THW Kiel. Wolff ist am 3.3.1991 geboren, 1,98 Meter groß und wiegt 105 kg.
Andreas Wolff, Torwart, spielt beim THW Kiel. Wolff ist am 3.3.1991 geboren, 1,98 Meter groß und wiegt 105 kg. © dpa
Rune Dahmke, Linksaußen, spielt beim THW Kiel. Dahmke ist am 10.4.1993 geboren, 1,90 Meter groß und wiegt 81 kg.
Rune Dahmke, Linksaußen, spielt beim THW Kiel. Dahmke ist am 10.4.1993 geboren, 1,90 Meter groß und wiegt 81 kg. © dpa
Uwe Gensheimer, Linksaußen, spielt bei Paris St. Germain (FRA). Gensheimer ist am 26.10.1986 geboren, 1,88 Meter groß und wiegt 89 kg.
Uwe Gensheimer, Linksaußen, spielt bei Paris St. Germain (FRA). Der DHB-Kapitän ist am 26.10.1986 geboren, 1,88 Meter groß und wiegt 89 kg. © dpa
Julius Kühn, Rückraum links, spielt beim VfL Gummersbach. Kühn ist am 1.4.1993 geboren, 1,98 Meter groß und wiegt 110 kg.
Julius Kühn, Rückraum links, spielt beim VfL Gummersbach. Kühn ist am 1.4.1993 geboren, 1,98 Meter groß und wiegt 110 kg. © dpa
Finn Lemke, Rückraum links, spielt beim SC Magdeburg. Lemke ist am 30.4.1992 geboren, 2,10 Meter groß und wiegt 115 kg.
Finn Lemke, Rückraum links, spielt beim SC Magdeburg. Lemke ist am 30.4.1992 geboren, 2,10 Meter groß und wiegt 115 kg. © dpa
Steffen Fäth, Rückraum links, spielt bei den Füchsen Berlin. Fäth ist am 4.4.1990 geboren, 1,95 Meter groß und wiegt 95 kg.
Steffen Fäth, Rückraum links, spielt bei den Füchsen Berlin. Fäth ist am 4.4.1990 geboren, 1,95 Meter groß und wiegt 95 kg. © dpa
Paul Drux, Rückraum links, spielt bei den Füchsen Berlin. Drux ist am 7.2.1995 geboren, 1,92 Meter groß und wiegt 95 kg.
Paul Drux, Rückraum links, spielt bei den Füchsen Berlin. Drux ist am 7.2.1995 geboren, 1,92 Meter groß und wiegt 95 kg. © dpa
Simon Ernst, Rückraum mitte, spielt beim VfL Gummersbach. Ernst ist am 2.4.1994 geboren, 1,95 Meter groß und wiegt 84 kg.
Simon Ernst, Rückraum mitte, spielt beim VfL Gummersbach. Ernst ist am 2.4.1994 geboren, 1,95 Meter groß und wiegt 84 kg. © dpa
Niclas Pieczkowski, Rückraum mitte, spielt beim SC DHfK Leipzig. Pieczkowski ist am 28.12.1989 geboren, 1,93 Meter groß und wiegt 97 kg.
Niclas Pieczkowski, Rückraum mitte, spielt beim SC DHfK Leipzig. Pieczkowski ist am 28.12.1989 geboren, 1,93 Meter groß und wiegt 97 kg. © dpa
Kai Häfner, Rückraum rechts, spielt beim TSV Hannover-Burgdorf. Häfner ist am 10.7.1989 geboren, 1,92 Meter groß und wiegt 96 kg.
Kai Häfner, Rückraum rechts, spielt beim TSV Hannover-Burgdorf. Häfner ist am 10.7.1989 geboren, 1,92 Meter groß und wiegt 96 kg. © dpa
Patrick Groetzki, Rechtsaußen, spielt bei den Rhein-Neckar Löwen. Groetzki ist am 4.7.1989 geboren, 1,89 Meter groß und wiegt 84 kg.
Patrick Groetzki, Rechtsaußen, spielt bei den Rhein-Neckar Löwen. Groetzki ist am 4.7.1989 geboren, 1,89 Meter groß und wiegt 84 kg. © dpa
Tobias Reichmann, Rechtsaußen, spielt bei KS Vive Tauron Kielce (POL). Reichmann ist am 27.5.1988 geboren, 1,88 Meter groß und wiegt 85 kg.
Tobias Reichmann, Rechtsaußen, spielt bei KS Vive Tauron Kielce in Polen. Reichmann ist am 27.5.1988 geboren, 1,88 Meter groß und wiegt 85 kg. © dpa
Jannik Kohlbacher, Kreisläufer, spielt bei der HSG Wetzlar. Kohlbacher ist am 19.7.1995 geboren, 1,93 Meter groß und wiegt 113 kg.
Jannik Kohlbacher, Kreisläufer, spielt bei der HSG Wetzlar. Kohlbacher ist am 19.7.1995 geboren, 1,93 Meter groß und wiegt 113 kg. © dpa
Patrick Wiencek, Kreisläufer, spielt beim THW Kiel. Wiencek ist am 22.3.1989 geboren, 2,00 Meter groß und wiegt 109 kg.
Patrick Wiencek, Kreisläufer, spielt beim THW Kiel. Wiencek ist am 22.3.1989 geboren, 2,00 Meter groß und wiegt 109 kg. © dpa
Dagur Sigurdsson ist der Bundestrainer. Das Turnier in Frankreich wird sein letztes mit der DHB-Nationalmannschaft sein. Sigurdsson wechselt nach Japan.
Dagur Sigurdsson ist der Bundestrainer. Das Turnier in Frankreich wird sein letztes mit der DHB-Nationalmannschaft sein. Der Isländer wechselt nach Japan. © dpa
Alexander Haase ist einer der zwei Co-Trainer. 
Alexander Haase ist einer der zwei Co-Trainer.  © picture alliance / dpa
Axel Kromer, hier links neben Bundestrainer Sigurdsson, ist der zweite Co-Trainer der Nationalmannschaft.
Axel Kromer, hier links neben Bundestrainer Sigurdsson, ist der zweite Co-Trainer der Nationalmannschaft. © dpa

TuS Fürstenfeldbruck, 3. Liga

Der TuS Fürstenfeldbruck schloss letzte Saison die dritte Liga auf Platz zwei ab, nur der TV Hüttenberg, aktuell als Aufsteiger Tabellenführer in der zweiten Liga, war stärker. Auch in diesem Jahr spielen die Brucker eine hervorragende Rolle: Einen schwelenden Rechtsstreit um einen 13-Punkte-Abzug wegen des Einsatzes eines nicht spielberechtigten Spielers nicht eingerechnet, liegt das Team von Trainer Martin Wild mit einem Punkt Rückstand auf Platz vier.

Ein Zweitliga-Aufstieg ist derzeit kein Thema, auch wegen diverser Auflagen des DHB. Zudem fehlt es noch an Geld. „Sponsoren zu finden, ist nach wie vor sehr schwierig“, gesteht Wild der tz. Die beiden größten Geldgeber, PlanR und Fruitique, wurden über private Kontakte an Land gezogen, namhafte Firmen fehlen im Sponsorenpool. Dabei hat der TuS einiges zu bieten: sportlichen Erfolg, im Durchschnitt 800 Zuschauer und ein Konzept, basierend auf vielen Spielern aus dem Großraum München. Legionäre gibt es nicht. Wild: „Das ist fast einzigartig. Es hat sich viel entwickelt, aber wir stoßen an unsere Grenzen.“ Die Organisation läuft ehrenamtlich.

Nach Wilds Ansicht könnte auch die Unterstützung der Stadt größer sein, obwohl Ex-TuS-Manager Erich Raff Bürgermeister in Fürstenfeldbruck ist. In Konstanz beispielsweise, Drittliga-Meister 2016, bekäme die HSG deutlich mehr Zuschüsse. Und ein Umzug nach München? Wild würde es nicht generell ausschließen, auch wenn es derzeit im Verein kein Thema ist.

TSV Unterhaching, Bayernliga

500 Meter sind es von der Stadt bis nach Unterhaching, daher zählen sich die Hachinger zum Münchner Handball. Abteilungsleiter Christoph Ernesti, einst selbst in Schwabing in der Bundesliga, freut sich also darüber, dass die Herren als Bayernligist momentan der beste Verein sind, wenn man das weitere Umfeld mit FFB ausnimmt. „Das ist mit unseren finanziellen Mitteln darstellbar, aber nur, weil wir die Spieler nicht zahlen. Für den Profibereich müssten wir das ändern, und das würde Fragen aufwerfen“, gibt er zu bedenken. „Sicher verschließt sich kein Verein von vornherein solchen Ambitionen, aber jeder muss wissen, dass das mit all den Nebengeräuschen ein immenser Aufwand wäre“, so Ernesti. „Und man darf nicht vergessen, dass die Vereine im Jugendbereich eine gesellschaftliche Arbeit wahrnehmen. Das darf man nicht aufs Spiel setzen.“ Sein Fazit: „Grundsätzlich ist Profihandball, und der beginnt, wenn man ehrlich ist in der 3.Liga, nach wie vor denkbar. Vielleicht sind dafür Vereinsfusionen nötig oder Spielgemeinschaften sinnvoll, aber da bedürfte es großer Ressourcen im Managementbereich. Derzeit sind aber fast alle, die im Münchner Handball arbeiten, ehrenamtlich tätig.“

TSV Milbertshofen, Bezirksoberliga

Glorreiche Vergangenheit, bescheidene Gegenwart – dieses Schicksal teil der TSV Milbertshofen mit dem einstigen Rivalen Schwabing. „Aber wir sind zufrieden mit dem, was wir machen“, sagt Franziska Lehner, die Abteilungsleiterin.

„Männer und Damen in der Bezirksoberliga, das ist Breitensport und hat mit der Vergangenheit wenig zu tun“, gibt sie zu. Aber es ist Breitensport im besten Sinne. „Wir legen den Fokus auf die Jugend, da haben wir viel Zulauf, vor allem im Jungsbereich ab der D-Jugend. Das hat schon auch mit dem EM-Sieg der Nationalmannschaft zu tun“, so Lehner.

Von daher hofft sie auf neue Erfolge, findet aber das Tagesgeschäft wichtiger: „Wir haben ja auch eine integrative Aufgabe in der Jugendarbeit. Und wenn wir dabei ein paar richtig gute Talente finden – umso besser. Unsere Seniorenteams freuen sich darüber, denn sportliche Ziele haben die schon auch!“

MTSV Schwabing, Bezirksliga

„Klar, Schwabing ist immer noch ein großer Name“, sagt Georg Thanscheidt. Und fügt an: „Aber die sportliche Situation ist natürlich nicht dementsprechend, das muss man schon zugeben. Unsere Herren spielen in der Bezirksliga, die Damen in der Bezirksklasse.“

Thanscheidt ist Abteilungsleiter, hat aber erstens Freude an seinem Ehrenamt und verzeichnet zweitens Erfolge: „Was uns sehr freut, ist die Entwicklung im Jugendbereich – in den letzten Jahren haben wir dadurch einen Mitgliederzuwachs von 50 Prozent!“

Ob es in München wieder aufwärts gehen könnte? Schwierig, sagt er: „Es schwirrt in der Szene immer wieder mal das Gerücht herum, der FC Bayern würde sich engagieren wollen. Aber ich denke, dass das in dem Moment ad acta gelegt wurde, als das Projekt FC Bayern Basketball aus der Schublade herausgeholt wurde. Und eines ist klar: In München brauchst du entweder einen großen Namen, der vorangeht, oder viel Geld. Am besten beides.“

Schwabing konzentriert sich daher auf den Nachwuchs. „Im Jugendbereich haben wir eine Spielgemeinschaft mit 1880 München. Das ist aus meiner Sicht ein fast alternativloser Weg, denn in der Stadt hast du einfach immer Probleme mit den Hallenkapazitäten. Und vielleicht könnte es in München immerhin ein erster Schritt sein, über gute Jugendarbeit und Kooperationen Jugendspieler so gut auszubilden, dass sie später im Profibereich eine Chance haben.“

Klaus Heydenreich, Mathias Müller

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