Haas verpasst Überraschung: Aus gegen Federer

Lieferten sich ein heißes Duell, doch am Ende gewann der Favorit: Roger Federer (l.) gewann gegen Thommy Haas.
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Lieferten sich ein heißes Duell, doch am Ende gewann der Favorit: Roger Federer (l.) gewann gegen Thommy Haas.

Paris - Einen Tag nach dem spektakulären Fall von Sandplatz-König Rafael Nadal hat Thomas Haas bei den French Open einen weiteren Favoritensturz nur knapp verpasst.

Der 31 Jahre alte Tennisprofi aus Hamburg musste sich am Montag trotz 2:0-Satzführung und einer starken Vorstellung auf dem Center Court von Paris dem Weltranglisten-Zweiten Roger Federer noch mit 7:6 (7:4), 7:5, 4:6, 0:6, 2:6 geschlagen geben. Nach einem packenden Fünf-Satz-Thriller über 3:07 Stunden auf dem voll besetzten Court Philippe Chatrier verwandelte der 13-malige Grand-Slam-Sieger aus der Schweiz seinen zweiten Matchball.

Dabei wackelte der 27-Jährige bedenklich, denn was sich an diesem Nachmittag auf der bedeutendsten Sandplatz-Bühne der Welt abspielte, war ein ganz besonderes Drama in fünf Akten. Im ersten Durchgang gab Federer bei eigenem Aufschlag bis zur 6:5-Führung keinen Punkt ab. Erst im Tiebreak kassierte er gleich im ersten Spiel ein Mini-Break zum 0:1. Nach 47 Minuten landete ein Return des Schweizers im Netz, und Haas entschied den Durchgang für sich. Federer wirkte nervös, machte ungewohnt viele Fehler und wirkte mental angeschlagen.

Das Nadal-Aus tags zuvor schien ihn eher zu lähmen denn zu beflügeln. Als er dann auch noch den zweiten Satz verlor, schien sich die dritte große Überraschung nach dem Nadal- und Djokovic-K.o. anzubahnen. Im dritten Durchgang hatte Haas bei 4:3-Führung eine Breakchance, doch Federers Ball landete genau auf der Linie. Beim Stand von 4:4 und 40:30-Führung von Haas unterlief dem Hamburger einer von insgesamt drei Doppelfehlern. Kurz darauf gelang Federer das Break zum 5:4, sein Service brachte er zum 6:4-Satzgewinn durch.

Den vierten Durchgang schenkte Haas in nur 21 Minuten her und sammelte seine letzten Reserven für den entscheidenden fünften, in dem jedoch dem ältesten im Turnier verbliebenen Spieler die Puste ausging. Als ein langer Ball von Haas im Aus landete, sprang Federer in die Luft, stieß einen langen Schrei aus und schmiss sein Stirnband in die Menge. Das zweite "Erdbeben" blieb aus, nachdem zuvor der viermalige Champion Nadal nach 31 Spielen erstmals auf dem roten Ziegelmehl von Roland Garros verlor und im Achtelfinale gegen den Schweden Robin Söderling 2:6, 7:6 (7:2), 4:6, 6:7 (2:7) ausschied.

"Das Unmögliche ist geschehen auf dem Court Philippe Chatrier. Rafael Nadal hat verloren. Ich wiederhole: Rafael Nadal hat verloren, der Herrscher, der Unbesiegbare, der Tyrann, der seit seiner Machtergreifung 2005 ununterbrochen über Roland Garros regiert hat", schrieb die französische Sportzeitung "L'Équipe". Martialische Worte wählte das spanische Blatt "El Mundo": "Söderling guillotiniert Nadal", und "El País" schrieb: "Der König von Roland Garros kehrt auf den Boden der Tatsachen zurück."

Dreieinhalb Stunden standen sich Söderling und Nadal auf dem Center Court gegenüber, ehe ein Volley des Spaniers im Aus landete und das Ergebnis auf der Anzeigetafel zu lesen war. "Das musste eines Tages passieren. Es ist keine Tragödie, ich muss diese Niederlage akzeptieren", sagte Nadal. Knapp eine Stunde nach seiner Flucht vom Center Court stellte er sich im überfüllten Pressesaal den Fragen.

Frisch geduscht, mit roséfarbenem T-Shirt und verstimmtem Gesichtsausdruck versuchte er Gründe für das "Erdbeben", wie es die französischen Zeitungen unisono titulierten, zu finden. Nein, er sei nicht verletzt, nein, auch nicht müde und er habe auch nicht zu viele Turniere gespielt. "Es gibt keine Entschuldigung und keine Ausrede", sagte Nadal. Und angesprochen auf seine Wimbledon-Vorbereitung sagte der 22-Jährige mit einem Lachen: "Jetzt bereite ich mich erstmal auf den Swimmingpool meines Hauses vor."

Von Wolfgang Müller, dpa

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