Brands Ausraster bei der WM: Müssen wir uns Sorgen machen?

Handball-Wahnsinn: So gefährlich ist er fürs Herz

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9,85 Millionen Zuschauer sahen bei RTL diese dramatischen Szenen– Heiner Brand mit einem Tag Abstand: „In meinem Alter ist die Kraft der rechten Geraden nicht mehr so stark, dass sie Wirkung erzielen würde.“ Eine Strafe hat er übrigens nicht zu befürchten

Schauen Sie in diese Augen! Weit aufgerissen, voller Zorn.

Dazu die geballte Faust und die hervortretenden Adern: Heiner Brand steht unter Voll-Stress. Und schuld ist der Handball. Die Schiedsrichter bei der WM bringen unseren Bundestrainer zur Weißglut. So angespannt wie zuletzt im Norwegen-Krimi (24:25) haben wir ihn überhaupt noch nie erlebt. „Man sah ihm in diesem Moment an, wieviel Substanz die letzten Wochen gekostet haben. Die Hüft-OP im November, die intensive Vorbereitung. Die Grippe mit der Antibiotika-Behandlung. Und die große Erwartungshaltung. Das war alles Stress pur. Das alles steckte in seiner Faust“, erklärt Heiners älterer Bruder Klaus, Ex-Nationalspieler und Trainer.

Und die Fans fragen sich da ganz ernsthaft: Kann das noch gesund sein? Stichwort Stress, Stichwort Herzinfarkt…

Die tz hat beim renommierten Münchner Sportmediziner und Internisten Dr. Karlheinz Zeilberger nachgefragt. Er hat das Spiel gesehen und dabei beobachtet: „Heiner Brand stand gewaltig unter Dampf. Er hatte sicherlich hohen Blutdruck, eine hohe Herzfrequenz und hat viele Stresshormone ausgeschüttet.“ Ganz grundsätzlich gelte: „Trainer sind eine Risikogruppe, weil sie eine höhere nervliche Belastung als Sportler haben und nicht unmittelbar Sport treiben können.“

So viel zum Trainerjob im Allgemeinen. Und was ist mit Brand im Besonderen? Zeilberger sieht da zwei Seiten. Zum einen sei Brand nicht sonderlich gefährdet, weil er fit sei. Und: „Fitness ist der beste Schutz.“ Das ist allerdings noch keine Entwarnung: „Für ruhigere Typen wie Brand ist die Infarktgefahr höher als für emotionale Typen, die heftige Gefühlsausbrüche gewöhnt sind.“ Und dieser Ausbruch am Sonntag war mega-heftig…

Zeilbergers Fazit: „Man kann aus der Ferne nicht beurteilen, ob Brand kurz vor dem Herzinfarkt stand.“ Was man aber sehr wohl beurteilen kann: Es gibt in der Tat einen Zusammenhang zwischen Sportstress und Herzproblemen. Wissenschaftlich bewiesen – und zwar ausgerechnet bei der Fußball-WM 2006! Eine Untersuchung der Münchner Uniklinik zeigt, dass es während Fußballspielen der deutschen Mannschaft deutlich mehr Herzinfarkte und Herzrhythmusstörungen gab als in der fußballfreien Zeit. Unter Fans, wohl gemerkt. Und der Stress, unter dem ein Trainer steht, ist nochmal deutlich höher…

Im Alltagsleben sei die Belastung für das Trainerherz vergleichbar mit „Meetings, in denen man aktiv teilnimmt und etwas präsentiert. Auch mit Lampenfieber bei Laienschauspielern.“

Die kleine Bühne fürs Bauerntheater, die große Bühne für Brand: Die Wirkung ist also die gleiche. Immerhin: Gut, dass der Bundestrainer den Stress jetzt mal richtig rausgelassen hat. Diesen Ausraster vergleicht Zeilberger mit „dem Auslaufen von Sportlern nach dem Spiel. Das hilft, runterzukommen“. Wie bei Werner Lorant eine Zigarrette, „aber gesünder. Dass Brand nach Ende der Partie seine aufgestaute Wut rausließ, ist sicherlich sinnvoll. Besser rauslassen als reinfressen!“

Martin Wimösterer

Quelle: tz

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