Boxer im Interview

Nach Abraham kommt Bebraham: "Ich bin die Zukunft"

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Howik Barsegjan.

München - Am Freitag boxt Howik Bebraham bei Petkos Fight Night um die internationale Deutsche Meisterschaft im Junior-Weltergewicht. Die tz traf den Löwen vor dem Kampf zum Interview.

Er tänzelt, plötzlich schwingt seine linke Führhand nach vorne, gefolgt von einem Schlag mit der Rechten hinter dem Rücken hervor. Danach duckt sich Howik Bebraham geschmeidig unter seinem Gegner hinweg. In diesem Video, das er vor vier Wochen veröffentlichte, duellierte sich der 25-Jährige nur mit einem Boxsack, heute boxt er bei Petkos Fight Night (18.30 Uhr, Livestream auf ranfighting.de) in den Pasinger Eisbach Studios gegen den fünffachen EBU-Europameister Domenico Urbano (Italien) um die internationale Deutsche Meisterschaft im Junior-Weltergewicht. Vorher hat sich der „Löwe“ im tz-Interview gestellt.

Howik, der Nachname in Ihrem Pass lautet Barsegjan, richtig?

Bebraham: Das stimmt.

Das müssen Sie erklären.

Bebraham: Die Idee mit dem Namen hatten mein Berater Tobias Drews und meine Manager Alexander Petkovic und Nadine Rasche. Bebraham ist in Anlehnung an Arthur Abraham gedacht, wir sehen uns ähnlich, er geht bald in Rente, ich bin die Zukunft. Anfangs war es ungewohnt, mittlerweile sprechen mich einige Leute sogar mit dem neuen Namen auf der Straße an.

Kennen Sie Abraham?

Bebraham: Ja, ich habe ihn erstmals vor zehn Jahren in Berlin getroffen. Menschlich ist er eins a, ein toller Charakter und sportlich sprechen seine Erfolge für sich. Mit seinem Kampf in den USA wird er Geschichte ­schreiben. Neben Roy Jones jr. ist Arthur mein Vorbild.

Sie beide verbinden die armenischen Wurzeln.

Bebraham: Meine Familie ist 1999 aus Armenien geflohen, wir kommen aus der Region Bergkarabach, im Zuge des Aserbaidschan-Kriegs gab es erneute Spannungen, unsere Familie hatte Probleme, weil meine Mutter in Aserbaidschan geboren ist. In München hatten wir im Asylheim in der Hansastraße zu fünft ein 18 Quadrameter großes Zimmer, diese Zeit war nicht einfach, wir konnten fast kein Deutsch, der Weg war steinig, aber wir haben fest zusammengehalten.

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Posted by Howik "der Löwe" Bebraham on Samstag, 6. Februar 2016

Wie kamen Sie zum Boxen?

Bebraham: Mein älterer Bruder hat beim TSV 1860 geboxt, ich war zehn, bin mitgegangen, saß auf der Bank und habe die Bewegungen nachgemacht. Der Trainer hat das gesehen und meinte, ich solle das nächste Mal meine Sportsachen mitnehmen. Sergey Hakobayan hat mich danach sehr gefördert. Mit elf war ich bayerischer Meister, mit 17 der jüngste Bundesliga­boxer aller Zeiten. Alle haben gesagt, der Howik, der wird mal einer.

Ihr Flüchtlingsstatus machte zu Beginn Probleme, oder?

Bebraham: Es gab Zeiten, da wurde unsere Aufenthaltsgenehmigung nur um eine Woche verlängert, im Optimalfall waren es drei Monate, wir hatten ständig Angst, abgeschoben zu werden. Deutsche oder internationale Meisterschaften konnte ich nicht boxen, da ich Bayern nicht verlassen durfte. Letztlich haben die Verbände viel für mich getan, weil sie mich in der Nationalmannschaft und bei den Olympischen Spielen in London dabeihaben wollten, 2009 wurde die Genehmigung nach zehn Jahren in Deutschland unbefristet ausgestellt. Zu der Zeit haben meine Eltern schon gearbeitet und meine Schwester hatte eine Ausbildung begonnen, wir haben im Asylheim Miete bezahlt und waren nicht von der Stadt abhängig. London hat allerdings nicht geklappt, die deutsche Staatsbürgerschaft habe ich erst seit ziemlich genau zwei Jahren.

Sie haben über 170 Amateurkämpfe bestritten, warum der Wechsel im Sommer 2015 ins Profilager?

Bebraham: Ich hatte den deutschen Meister besiegt und sollte für Deutschland im Juni bei den European Games in Baku antreten. Dann ging das doch nicht, weil ich nicht in der Sportfördergruppe war. Statt mir boxte der, den ich vorher besiegte hatte und flog in der ersten Runde aus. Ich hatte das ewige Warten satt.

Wie blicken Sie auf Ihre ersten neun Monate als Profi zurück?

Bebraham: Ich bin super zufrieden mit Petko, seinem Team und meiner Entwicklung. Normal ist es üblich, dass ein Profi zu Beginn ein paar Aufbaukämpfe macht, aber ich bin so erfahren, es macht keinen Sinn, dass ich gegen einen Busfahrer kämpfe, der in der ersten Runde K.o. geht. Ich bin bereit für mehr.

Wie stark ist Domenico Urbano?

Bebraham: Ich habe ihn studiert, es wird ein großer Prüfstein, EBU-Europameister wird man nicht einfach so. Aber ich weiß, was auf mich zukommt und er muss mich erst mal schlagen.

Mathias Müller

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