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Leichtathletik-Star Alica Schmidt über Social-Media-Hype: „Ich bin 100 Prozent Sportlerin“

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Von: Nico-Marius Schmitz

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„Man kann den Sport nicht irgendwie nebenbei machen“ sagt 400-Meter-Läuferin Alica Schmidt.
„Man kann den Sport nicht irgendwie nebenbei machen“, sagt 400-Meter-Läuferin Alica Schmidt. © dpa

Über drei Millionen Menschen folgen Alica Schmidt auf Instagram – ihr Fokus liegt aber auf den 400 Metern, wie sie erklärt.

Kann man sich so schnell auf das nächste Highlight, die EM in München, fokussieren?

Das ist für mich eine ganz neue Situation. Viele Athleten haben den Fokus im Training aber ohnehin eher auf die Heim-Europameisterschaft gelegt. Das sollte also gut machbar sein. Ich bin jedenfalls heiß auf die Wettbewerbe, die Vorfreude ist riesig. Ich bin voll motiviert und fit.

Was war die WM für eine Erfahrung?

Wir haben direkt neben dem Stadion gewohnt. Das war cool, da wir so jederzeit das deutsche Team anfeuern konnten. Das finde ich aber auch super wichtig. Wir sind alles Einzelsportler, können uns aber gegenseitig unterstützen und Halt geben. Ich stand bei der 4 x 400-m-Staffel neben Allyson Felix. Das ist ein Traum, der für mich in Erfüllung gegangen ist, weil ich schon lange zu ihr hochschaue. Mit der Staffel hatten wir uns natürlich mehr vorgenommen. Wir wollten ins Finale laufen und waren enttäuscht. Aber wir sind alle noch relativ jung und wissbegierig. Von der WM können wir auf jeden Fall viel lernen und wollen die Verbesserungen in München umsetzen.

Bleibt da überhaupt Zeit, um die WM-Teilnahme zu genießen?

Das muss man sich wirklich immer wieder in den Kopf rufen. Es war mein großes Ziel, in diesem Jahr an der WM und EM teilzunehmen. Darauf bin ich wahnsinnig stolz. Im ersten Moment sieht man oft immer nur das Negative, das, was nicht so gut geklappt hat. Aber im Nachhinein realisiert man dann, was das für eine unglaublich schöne Zeit war.

Die „Sportschau“ schrieb „Alica Schmidt ist Läuferin, Model und Insta-Queen. Wie verteilen sich die Bereiche bei Ihnen?

Ich bin 100 Prozent Sportlerin. Anders geht das auch gar nicht. Man kann den Sport nicht irgendwie nebenbei machen und dann erwarten, dass man an einer Weltmeisterschaft teilnimmt. Man muss konsequent an sich arbeiten und auf viele andere Sachen verzichten. Deswegen lag bei mir der Fokus besonders in den letzten Jahren zu 100 Prozent auf dem Sport. Alles andere wurde hintenangestellt. Sei es feiern gehen mit den Freunden oder auch Familienfeste. Ich richte alles auf den Sport aus. Was ich darum herum aufbauen kann, mache ich natürlich auch sehr gerne. Bei Social Media nehme ich die Leute gerne mit und zeige ihnen meinen Alltag als Sportlerin, aber auch nur dann, wenn ich mich danach fühle.

Wünschen Sie sich manchmal, dass es den Titel „world´s sexiest athlete“ nicht gegeben hätte?

Mich wundert es, dass ich immer noch so mit diesem Titel in Verbindung gebracht werde. Es ist schon fünf Jahre her. Es ist aber auch ganz klar, dass mir das damals viele Türen geöffnet hat. Darüber bin ich dankbar, ich konnte mir ein zweites Standbein aufbauen, das mir unglaublich viel Spaß macht. Deshalb beschwere ich mich da über nichts. Aber, wenn es um den Sport geht, sollte da auch nichts Optisches mitschwingen. Wenn ich auf der Laufbahn bin, geht es einzig und allein um die Leistung, wie fit man ist und wie hart man trainiert hat. Die Follower oder wie man aussieht, spielen auf der Bahn keine Rolle.

Hilft die Selbstvermarktung auch, da die meisten Sportarten in Deutschland deutlich im Schatten von König Fußball stehen?

Alleine von Wettkämpfen und Prämien kann man schwierig leben. Gerade als junger Athlet, der sich erst an die Spitze kämpfen muss. Das ist ein schwieriger Weg. Wenn man erst mal oben ist, ist es eine andere Ausgangslage. Aber wie man dahin kommt, zeigt einem erst mal keiner. Daher ist es natürlich hilfreich, wenn man auf Social Media aktiv ist, da es für super viele Firmen interessant ist. Man kann sich finanziell etwas dazu verdienen und muss beispielsweise nicht noch nebenbei arbeiten gehen. Ich habe bei der WM mit vielen Mädels von den Staffeln gesprochen und gefragt, ob sie dieses Jahr noch in den Urlaub fahren. Da kam oft die Antwort: „Nein, die Trainingslager waren schon zu teuer. Ich muss jetzt sparen.“ Viele gehen in Vorkasse und kommen nicht mit einem Plus sondern mit Minus bei Leistungssport raus.

Das ist in Deutschland - außer beim Fußball - oft nicht so anerkannt, dass Sport auch ein Job ist

Alica Schmidt

Wird unterschätzt, wie anstrengend der Job als Leichtathlet wirklich ist?

Das ist in Deutschland – außer beim Fußball – oft nicht so anerkannt, dass Sport auch ein Job ist. Wir trainieren nicht vier Stunden am Tag und dann war es das. Man muss alles vor- und nachbereiten, sehr auf die Ernährung achten, zur Physiotherapie gehen. Es ist ein gewisser Lebensstil, den man über Jahre verfolgen muss. Nach unserem Staffellauf bei der WM haben wir uns am nächsten Tag nicht ausgeruht, es ging sofort mit dem Training weiter.

Sie sind auf Social Media sehr aktiv. Erleben sie auch die negativen Seiten, wie Hasskommentare?

Den größten Druck macht man sich eh selbst als Sportler. Wir haben alle hohe Ansprüche an uns selbst. Man will sich selbst nicht enttäuschen. Ich ziehe selbst die größte Motivation aus einer Niederlage und will es mir beim nächsten Mal noch mehr beweisen. Wenn man immer nur gewinnt, wäre es doch auch langweilig. Aber wenn dann nach einem Wettkampf, der mal nicht so gut lief, von außen noch böse Kommentare kommen, ist das nicht so einfach. Ich muss aber sagen, dass ich das wenig erlebe, beziehungsweise lese. Ich bekomme dann eher Nachrichten, die mich wieder aufmuntern. Das ist sehr hilfreich für mich und gibt mir Kraft.

Was erwarten Sie von der EM in München?

Ich freue mich riesig, in München in diesem superschönen Stadion zu laufen. Meine Familie und Freunde werden alle da sein, um mich zu unterstützen. Vielleicht schaffe ich es auch mal, bei anderen Sportarten vorbeizuschauen. Das würde mich wahnsinnig freuen. Das Konzept ist jedenfalls mega für alle Zuschauer.

Interview: Nico-Marius Schmitz

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