tz-Interview mit TVK-Trainer Kunz

"Andi Wolff ist fast krankhaft ehrgeizig!"

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Hält was er verspricht: DHB-Keeper Andreas Wolff wächst bei der Handball-EM in Polen über sich hinaus.

München - Andi Wolff avancierte bei der Handball-EM zum Helden und führte die DHB-Auswahl zum Titel. Sein ehemaliger Trainer Gottfried Kunz spricht über den neuen Star.

Was haben Andi Wolff (24) und Carsten Lichtlein (35) gemeinsam? Beide trainierten beim TV Kirchzell unter Gottfried Kunz. Das tz-Interview mit dem TVK-Trainer.

Herr Kunz, wie war's in Krakau?

Kunz: Ich bin Samstagnacht mit dem Auto losgefahren, meine Frau und meine Tochter haben mich gedrängt, ich solle es machen, wer weiß, ob sich diese Konstellation noch ein Mal ergibt. Jetzt werde ich auch einen Flug nach Rio buchen.

Wie war die Party?

Kunz: Feuchtfröhlich und ganz locker, bei den Handballern ist alles ganz ungezwungen, alle sitzen und feiern buntgemischt zusammen.

Ein Wort zu Andreas Wolff, bitte.

Kunz: Dafür gibt es keine Attribute, Andi war heiß wie Frittenfett und hat überragend gehalten. Ich saß neben seinem Bruder, immer wenn ein Spanier frei auf ihn zugesprungen ist, hat der gerufen: 'Den hat er, den hat er.' Meistens hatte er ihn wirklich gehalten. So etwas kenne ich sonst höchstens vom Franzosen Omeyer, wenn er den Kasten zunagelt. Momentan ist Andi der Beste der Welt.

In der Jugend sah es nicht so aus.

Kunz: Nein, ich habe Andi nach Kirchzell geholt, weil sich seine Familie das Internat in Großwallstadt nicht leisten konnte. Als Jugendlicher war er schwierig, auch beim Verband hatte er Streit mit den Trainern. Deshalb muss sich der DHB auch nicht auf die Schulter klopfen, sie haben ihn damals rauskomplementiert.

Sind Sie auch aneinandergeraten?

Kunz: Sicher. Die Worte 'Andi, Kabine!' sind oft gefallen. Aber eigentlich ist er ein lieber Junge.

Lieb und sehr ehrgeizig, oder?

Kunz: Fast krankhaft ehrgeizig. Andi hat seine Ziele immer deutlich formuliert, er hat auch zu Beginn des Turniers bereits vom Titel gesprochen. Das wirkt großspurig, ist es aber nicht, er hat einfach klare Ziele. Abseits des Feldes ist er eher ein zurückhaltender Mensch, keiner der über die Stränge schlägt, auch nicht in Partynächten.

Interview: Mathias Müller

So sieht es in Bayer aus 4934 Münchner am Ball

Die ehemaligen Erstligisten, der MTSV Schwabing und der TSV Milbertshofen, spielen in den oberen Handballkreisen lange keine Rolle mehr, die erfolgreichste Mannschaft aus München und dem Umland ist aktuell der TUS Fürstenfeldbruck als Dritter der Dritten Liga. Eine bayerische Mannschaft gibt es in der Bundesliga nicht, der HC Erlangen ist als Tabellenführer der Zweiten Liga aber auf dem besten Weg zurück. Auch der HSC Coburg hat als Drittplatzierter gute Chancen.

Das Handballinteresse in Bayern ist nach wie vor groß. In München waren laut BLSV zum Jahresende 2015 immerhin 27 Vereine (4934 Spieler) gemeldet, in Oberbayern 123 (25.345) und in Bayern 480 (89.151). Zum Vergleich: Basketball kommt in München auf 37 (4706), in Oberbayern auf 150 (16 049) und in Bayern auf 440 Vereine (39.611). In der Summe, vor allem im gesamten Raum Bayern, liegt Handball weit vor Basketball.

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