Zurück nach 19 Jahren

Jacques Villeneuve: Comeback bei Indy 500

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Ville­neuve auf dem Ziegelstein-streifen in Indy – die Autos haben ­etwa 700 PS.

München - „Ich fühle mich schon wieder zu Hause hier“, erzählt Jacques Villeneuve (42) beim Frühstück. Der Franco-Kanadier ist wieder zurück in Indianapolis, am Wochenende fährt er wieder die legendären Indy 500.

Das erste Mal seit 19 Jahren! „Ich erkenne alles wieder. Sogar einige der Ordner, die einem auf dem riesigen Gelände den Weg zum Parkplatz zeigen, kamen mir bekannt vor.“ Auch die riesigen Boxenanlagen, der ein Meter breite Streifen aus Ziegelsteinen auf der Zielgeraden, nachdem die Strecke „Brickyard“ benannt ist. Als wäre es erst gestern gewesen.

Gestern, das war 1995. Da ist Villeneuve das letzte Mal hier gewesen. Er gewann und wechselte danach in die Formel 1, wurde 1997 in der Königsklasse im Williams Weltmeister. Aber Erfolge und Erinnerungen nutzen ihm jetzt gar nichts mehr. Um am Sonntag wieder an den 500 Meilen teilnehmen zu dürfen, musste er erst beweisen, dass er es noch kann. Villeneuve: „Wie die Rookies muss auch ich eine Art Fahrschule machen. Weil man wohl sehen will, ob ich nach so langer ­Abstinenz nicht im Auto einen Herzkasper bekomme.“

Der Fahrtest hat natürlich einen ernsten Hintergrund, denn regelmäßig gibt es Horrorcrashs auf dem legendären Oval. Villeneuve fühlte sich dennoch auf Anhieb wohl, fuhr schon am ersten Trainingstag 70 Runden auf dem 2,5 Meilen langen Ovalkurs und knackte schon die 220 Meilen/h Geschwindigkeitsmauer (über 352 km/h). Villeneuve über seine ersten Eindrücke: „Die Power ist ähnlich, das Lenkrad immer noch speziell auf das Oval eingestellt. Das heißt, im Ruhezustand steht es nicht ganz gerade.“ Das Problem für Neulinge sei ohnehin das Fahren im Pulk, so Villeneuve. „Da verlieren die Autos etwas Abtrieb, du musst dich dran gewöhnen. Plötzlich hast du Untersteuern und musst drauf reagieren. Das kostet dich am Anfang Überwindung, da schlägt dein Herz höher, da kommt dann der Adrenalinschub. Wenn du über 330 Stundenkilometer im Pulk fährst, kannst du gar nichts mehr machen, wenn vor dir irgendetwas passiert.“

So wie vor 20 Jahren. Da hatte sich ein japanischer Panasonic-Erbe mit dem eingekauften Auto einfach auf der Strecke gedreht und stand mit abgestorbenem Motor mitten auf der Piste. Villeneuve konnte nicht mehr ausweichen und fuhr ihm geradewegs durch das Auto, mit über 300 Sachen. „Es war einer der schlimmsten Crashs, den ich jemals hatte“, erinnert sich Villeneuve. „Ich konnte gar nichts machen. Es war reines Glück, dass wir beide den Unfall überlebten.“ Das Glück war, dass Villeneuve genau die Stelle beim Japaner traf, an welcher der Motor am Chassis aufgehängt war. Die gab gleich nach und so entstand keine große Aufprallenergie.

Eine Frage, die vor allem F1-gewöhnte Fans besonders interessiert: Was entscheidet auf einem Ovalkurs über den Sieg? Villeneuve: „Das Indy 500 ein extrem kompliziert. Da entscheiden Strategien und die Boxenstopps zur richtigen Zeit genauso wie der reine Speed.“ Und: Der Sieger sollte keinen Unfall haben… Angst hat Villeneuve übrigens nicht, eher ­Respekt. „Die Autos sind in den 20 Jahren wesentlich sicherer geworden. Klar, es kann immer was passieren, aber meine Konzentration geht voll aufs Rennen am Sonntag. Ich will da so gut wie möglich abschneiden. Hauptsache ankommen.“– „Heil ankommen“, verbessert der tz-Reporter. Schließlich sind wir in zwei Wochen beim GP von Kanada zum Kaffee verabredet.

Ralf Bach

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