Wer kann dem Titelverteidiger gefährlich werden?

Die Jagd auf die Warriors beginnt: der TZ-Check vor den NBA-Playoffs

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Topscorer: James Harden von den Houston Rockets.

82 Spiele Vorbereitung sind vorbei. Am Samstag starten die Playoffs in der NBA. Alles, was sie zur ersten Runde wissen müssen, im großen TZ-Check.

Jahr eins ohne LeBron James in den Playoffs: Nach acht Finalteilnahmen in Folge darf der Superstar der nordamerikanisches Profiliga NBA diesmal nur zuschauen und in aller Ruhe seinen Film „Space Jam 2“ planen, da er mit den Los Angeles Lakers die Playoffs verpasst hat. Doch auch ohne das Zugpferd hat die beste Basketball-Liga der Welt genug Stars zu bieten. Mit Stephen Curry von Titelverteidiger Golden State Warriors oder Scoring-König James Harden von den Houston Rockets spielen die Besten bei den Besten. Vor dem Start der heißen Phase beleuchtet die TZ alle acht Serien und wagt einen Ausblick, wer das Zeug hat, um Meister Golden State gefährlich zu werden.

Der Osten 

Alle Experten sind sich einig: Diese erste Runde sollte eine klare Angelegenheit werden. Die besten vier Mannschaften gelten als so viel stärker als ihre Gegner, dass es kaum eine Überraschung geben dürfte. Aber Vorsicht: Gerade zu Beginn der Postseason tritt so mancher Favorit gerne in die Stolperfallen am Wegrand Richtung NBA-Finals.

Milwaukee Bucks (1.) gegen Detroit Pistons (8.) Jedes andere Ergebnis als ein Sweep (4:0-Sieg) wäre eine große Überraschung. Die Bucks - Überraschung der Saison und bestes Team der Vorrunde - stellen offensiv wie defensiv eine Macht, deren Schaltzentrale der griechische Ausnahmeathlet Giannis Antetokounmpo ist. Mit seinen 2,13 Metern und einem fast schon unmenschlichen Körper dominiert er die Liga in dieser Saison nach Belieben und gilt als Top-Kandidat für die Trophäe des wertvollsten Spielers (MVP). Um ihn herum hat der Verein Drei-Punkte-Schützen engagiert, die ihm viel Platz in Korbnähe verschaffen. Gegner Detroit dagegen hat sich erst am letzten Spieltag in die Playoffs gerettet und muss anfangs auf seinen besten Basketballer, Blake Griffin, verzichten. Der TZ-Tipp: Detroit hat keine Antwort auf die Bucks und Giannis’ Wucht. Klares 4:0.

Zwei Faktoren quälten die Fans der Dinosaurier

Toronto Raptors (2.) gegen Orlando Magic (7.) Wie gut sind die Raptors wirklich? Diese Frage beschäftigt die NBA-Welt. In der Vorrunde schonten sie häufig ihre Stars Kawhi Leonard und Kyle Lowry, schafften aber trotzdem ligaweit die zweitbeste Bilanz. Nun in den Playoffs steht der komplette Kader samt Neuverpflichtung Marc Gasol zur Verfügung. Die erste Runde sollte für dieses Team zum Aufwärmen und Einspielen da sein. Doch zwei Faktoren quälten die Fans der Dinosaurier: Zum einen tut sich ihr Team in der ersten Runde traditionell schwer. Zum anderen ist Orlando ein äußerst unangenehmer Gegner, der seit Wochen die beste Defensive der Liga stellt. Der TZ-Tipp: Orlando wird Toronto ärgern. Allerdings nicht zu lange. Nach fünf Spielen (4:1) ist Schluss.

Philadelphia 76ers (3.) gegen Brooklyn Nets (6.) Die Rechnung ist simpel: Spiel Star-Center Joel Embiid, haben die Nets keine Chance. Für die Urgewalt unter dem Korb hat das junge New Yorker Team keinen passenden Verteidiger. Muss der angeschlagene Embiid (Knie) dagegen länger als erhofft pausieren, wird es spannend. Die Nets setzen auf Geschwindigkeit ihrer Guards, die 76ers auf Größe und Star-Power. Aktuell ist aber noch unklar, ob Embiid zum Start der Serie fit ist. Der TZ-Tipp: Mit Embiid endet die Serie früh. Verpasst er mehrere Spiele, gewinnt Philadelphia erst in sieben Partien.

Boston Celtics (4.) gegen Indiana Pacers (5.) Dieses Duell hätte so spannend werden können. Doch die schwere Verletzung von Indiana-Star Victor Oladipo zerstörte alle Hoffnungen der Pacers-Fans auf einen guten Playoff-Lauf. Ohne Oladipo fehlt Indiana der beste Werfer und Spielgestalter - Gift gegen die Verteidigung der Celtics, die zu den besten der Liga gehört. Boston hingegen hat eine Vorrunde voller Probleme hinter sich. Gestartet als Top-Favorit, fanden die breit aufgestellten Celtics nie richtig zusammen. Auch innerhalb der Kabine stimmte es nicht immer. Doch nun in den Playoffs, so der Wunsch, soll alles anders sein. Angeführt wird Boston von Kyrie Irving, der vor drei Jahren einen ikonischen Moment schuf, als er Cleveland gegen Golden State in der Schlussminute der entscheidenden Partie zum Titel warf. Doch um seine Zukunft im Sommer ranken sich viele Gerüchte,

die das Team mittelalten. Der TZ-Tipp: Boston hat riesiges Glück, auf einen angeschlagenen und limitierten Kontrahenten zu treffen. Trotzdem wird’s ein Kampf, den die Celtics 4:2 gewinnen.

Der Westen 

Alle gegen Golden State - das ist das Motto. Der Titelverteidiger gilt als sicherer Tipp für das Finale. Gefährlich können den Warriors nur die Houston Rockets werden, die das Team aus Kalifornien bereits im Vorjahr am Rande einer Niederlage hatten. Blöd nur, dass beide Mannschaften wohl schon in der zweiten Runde aufeinandertreffen.

Golden State Warriors (1.) gegen Los Angeles Clippers (8.) Die armen Clippers: Da legt der Außenseiter mit einem eher schwachen Kader eine Wahnsinns-Saison hin. Und zum Dank geht’s gegen die Warriors aus Oakland, den Dominator der vergangenen Jahre. Während Los Angeles ohne Top-Star auskommen muss, haben die Warriors mit Stephen Curry und Kevin Durant gleich zwei davon. In der Vorrunde schonte sich Golden State noch bei vielen Gelegenheiten. Damit dürfte nun Schluss sein. Im Playoff-Modus ist der Meister kaum zu schlagen: Zu viele Stars, zu viele Schützen stehen im Kader. Die Clippers halten mit schönem Team-Basketball und Zauberkünstler Lou Williams dagegen, der so manchen irrwitzigen Wurf versenkt. Der TZ-Tipp: Die Clippers werden kämpfen bis zum Umfallen. Mehr als einen Sieg holen sie aber nicht.

Ein Duell verspricht Unterhaltungswert

Denver Nuggets (2.) gegen San Antonio Spurs (7.) Frech, frech Denver. An den letzten Spieltagen verloren die Nuggets einige Partien mehr oder weniger mit Absicht, um das Playoff-Bild nach ihren Wünschen zu manipulieren. Hat bestens geklappt. Während die Houston Rockets nun früh auf Golden State treffen könnten, liegt vor Denver ein relativ leichter Weg ins Conference Final. Ungeklärt bleibt aber die Frage, ob die jungen Nuggets bereit für Playoffs sind. Ein guter Test wird das Duell mit den routinierten Spurs sein - das erfolgreichste NBA-Team der vergangenen 20 Jahre, das gespickt mit Veteranen ist. Trainer-Fuchs Gregg Popovich hat aus seiner Truppe wieder das Optimum herausgeholt und locker die Playoffs erreicht. Der TZ-Tipp: Zweiter gegen Siebter - das liest sich nach einer klaren Sache, ist es aber nicht. Die Spurs sind abgezockt und fordern Denver bis zu Spiel sieben.

Portland Trail Blazers (3.) gegen Oklahoma City Thunder (6.) Dieses Duell verspricht hohen Unterhaltungswert - gerade weil mit Damian Lillard (Portland) und Russel Westbrook zwei der besten Aufbauspieler gegeneinander antreten. Trotz verkorkster zweiter Saisonhälfte gehen die Thunder als leichte Favoriten ins Duell. Sie bieten mehr Star-Power auf, stellen eine starke Verteidigung und müssen kein Trauma überwinden: Die Blazers kamen vorige Saison ebenfalls als Dritter nach der Vorrunde mit 0:4 in den Playoffs unter die Räder. Danach hagelte es Kritik von allen Seiten, doch das Management machte unbeirrt weiter und setze seinen Weg fort. Noch eine Niederlage können Lillard und Co. aber nicht verkraften. Weiterer Nachteil für die Blazers: Ihr bosnischer Center Jusuf Nurkic fällt mit einer Horrorverletzung für ein Jahr aus. Der TZ-Tipp: Eng, emotional, erstklassig - diese Serie wird der Knaller der ersten Runde. In den Playoffs gewinnen Verteidigung und Stars oft Spiele, deshalb setzt sich Oklahoma 4:3 durch.

Houston Rockets (4.) gegen Utah Jazz (5.) Dieser Gegner ist ein Albtraum für Utah. Gegen keinen anderen Kontrahenten tun sich die Jazz so schwer, was in erster Linie daran liegt, dass sie kaum einen Verteidiger für Supermann James Harden haben. Der Regisseur der Rockets hat gerade die beste Offensiv-Saison seit Michael Jordan hinter sich und hat praktisch keine Schwächen im Angriff. Utah setzt den Franzosen Rudy Gobert dagegen - der aussichtsreichste Kandidat für die Trophäe des Verteidiger des Jahres. Der Center hat allerdings wenig Einfluss, um Hardens Kreise an der Dreierlinie einzuschränken. 

Der TZ-Tipp: Die Rockets treffen auf ihren Lieblingsgegner. Zudem wollen sie unbedingt das Kräftemessen mit dem Meister in Runde zwei. Houston gewinnt locker 4:1.

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