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„Jetzt stehe ich im Rampenlicht“: Speerwerfer Julian Weber will seinen Fluch beenden

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Von: Nico-Marius Schmitz

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Er kann es besser als im WM-Finale von Eugene: Speerwerfer Julian Weber, der im Frühjahr an der 90-Meter-Marke kratzte.
Er kann es besser als im WM-Finale von Eugene: Speerwerfer Julian Weber, der im Frühjahr an der 90-Meter-Marke kratzte. © Imago

Schluss mit dem Platz-4-Fluch? Speerwerfer Weber will endlich eine Medaille. Bei den European Championships hat er die nächste Chance.

München – In Abwesenheit von Rekordwerfer Johannes Vetter ist er Deutschlands Speer-Hoffnung bei der EM in München: Julian Weber, 27, kratzte im Frühjahr an der 90-Meter-Marke, zeigte bei der WM in Eugene allerdings Nerven – und will im Finale am Sonntag endlich eine internationale Medaille holen. Unser Interview mit dem Sportsoldaten aus Mainz.

Julian Weber, wie zufrieden waren Sie mit Ihrer Generalprobe beim Diamond League Meeting?

Ich habe vor der WM und auch danach ziemlich hart trainiert. Deshalb war beim Diamond League vielleicht nicht ganz die Power da. Aktuell gehen wir im Training mit der Belastung wieder runter, es sind eher schnelle und explosive Einheiten. Ich werde optimal auf den Wettkampf vorbereitet sein.

Warum ging bei der WM nicht mehr?

Beim WM-Finale habe ich schnell gemerkt: Das ist heute nicht mein Tag. Ich war auch nervös und habe mir Druck gemacht. Was ich so in der Form gar nicht von mir kannte. Ich habe vorher nicht so gut geschlafen, hatte Magenprobleme, der Kreislauf war nicht so auf der Höhe. Ich bin nicht mehr in meinen Modus gekommen, in dem ich mich gut fühle. Bei der WM habe ich mich in der Qualifikation selbstbewusst wie noch nie gefühlt und gedacht: Heute kannst du auch 95 Meter werfen. Vielleicht habe ich da die Körner schon ein bisschen verschossen. Bei der EM mache ich es einfach andersrum, mit einem nicht so guten Tag ins Finale kommen und dann abliefern. Ich werde es von der Herangehensweise umdrehen.

Haben Sie mit der Zahl vier einen neuen Erzfeind?

Ich hoffe, es liegt kein Fluch auf der Zahl vier (lacht). Aber ich will gar nicht so viel über Medaillen reden, lieber über das schöne Werfen, dann wird das auch wieder besser funktionieren. Die Konkurrenz ist natürlich auch sehr stark, deshalb ist ein vierter Platz nichts Schlechtes.

Wie sehr freuen Sie sich auf München?

Das Olympiastadion ist ein wunderschönes Stadion mit einer riesigen Geschichte. Das nimmst du natürlich wahr. Die ganze Anlage ist der Hammer. Ich habe mir immer schon gedacht, es wäre doch mal schön, in diesem Stadion zu starten.

Sie sind Deutschlands neue Nummer eins im Speerwerfen. Liegt Ihnen diese Rolle?

Die letzten Jahre war ich schon eher der Underdog. Das war aber auch zu verstehen. Es gab einfach andere, die noch weiter geworfen und die Titel geholt haben. Ich hatte damit nie ein Problem, da gab es keine negativen Gefühle. Jetzt bin ich weiter vorne, im Rampenlicht, und genieße es. Es ist aber eine neue Situation, mit der man erst umgehen muss. Das habe ich ja auch bei der WM gespürt, das Druckgefühl ist noch mal auf einem anderen Level. Die Erfahrung habe ich jetzt gemacht und wieder einiges dazugelernt. Das werde ich alles mitnehmen, positiv umwandeln, um dann bei der EM zu glänzen. Ich fühle mich gut, die Vorfreude wächst mit jedem Tag. Ich komme wieder in den Modus.

Interview: Nico-Marius Schmitz

Modellathlet: Speerwerfer Julian Weber.
Modellathlet: Speerwerfer Julian Weber. © Imago

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