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TV-Kritik: Eurosport ist mit dem „Zauberwürfel“ ARD und ZDF weit voraus

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Von: Jörg Heinrich

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Eurosport-Moderatorin Birgit Nössing
Eurosport-Moderatorin Birgit Nössing spart sich jede Selbstdarstellung und jedes Kasperltheater. © Eurosport

Eurosport überträgt Olympia 2018. Autor Jörg Heinrich hat sich die Moderatorin Birgit Nössing und Co. genau angeguckt. Die TV-Kritik.

Pyeongchang - Tag 13 bei Olympia, und wir müssen uns den Realitäten stellen. Es gibt da draußen, irgendwo im Universum – genauer gesagt in Unterföhring – eine Welt jenseits von Rudi Cerne und Katrin Müller-Hohenstein. Weil ARD und ZDF nicht mehr ewig die großen Sportevents übertragen werden, müssen wir uns an frische Gesichter gewöhnen. Und deshalb verraten wir Ihnen alles über die geheimnisvollen neuen Menschen von Eurosport.

Der Eurosport-Cerne hat einen interessanten Namen

Der Moderator vom neuen Olympiasender trägt den interessanten Namen Oliver Sequenz. Und wir können Ihnen nur raten: Wechseln’s mal die Frequenz, und schauen’s den Sequenz! Witzigerweise hört sich der 36-Jährige beinahe an wie ein Stimmdouble von Cerne, wenn er uns nachts um eins aus Munterföhring begrüßt: „Wir schicken einen Guten Morgen nach Pyeongchang.“ Sehr sympathisch und seriös macht er das, fast schon ZDF-mäßig. Und überhaupt fällt auf: Mit langen Livestrecken vom Snowboard oder vom Frauen-Eishockey liefert ausgerechnet der Privatsender das entspanntere Olympia-TV als die Medaillen-Hektiker der Öffis, wo Delling ständig „einen Wischer“ von einem Event zum anderen macht. Sogar einen eigenen Hajo Seppelt haben sie bei Eurosport: Dopingexperte Benjamin Best informiert exzellent über den neuesten Russen-Schmu.

Die Sitz-Olympiasiegerin

Während Jessy Wellmer im Ersten sieben Semester auf der Gerhard-Delling-Schenkelklopfer-Universität zugebracht hat und sich anstrengend durch den Tag ulkt, spart sich Birgit Nössing (35) beim Eurosport jede Selbstdarstellung und jedes Kasperltheater. Und das ist unglaublich angenehm. Sie wirkt öffentlich-rechtlicher als jeder Öffi-Sportmoderator. Bei Delling steht Delling im Mittelpunkt, bei der Südtirolerin aus Bozen ist es der Sport. Und außerdem ist sie Olympiasiegerin im Fesch-auf-der-Couch-Sitzen. Was KMH ihr Norweger-Pulli Håkon ist, ist Birgit ihr Jeansrock Jean-Pierre, mit dem wir auch unbedingt mal ein Interview führen sollten. Wegen Jean-Pierre muss sie zwar immer sehr vorsichtig dasitzen, die Beine züchtig übereinandergeschlagen, damit man nichts Falsches sieht. Und die Frau Heinrich ätzt schon: „Dann soll die Birgit halt eine Hose anziehen!“ Aber sie moderiert prima, und wir haben mittlerweile festgestellt: Ein bisserl Südtirolerisch klingt sie doch noch. Da freut sich auch das Ohr.

Der Zauberwürfel

Der Cube, das virtuelle Studio von Eurosport, das in den Übertragungen immer wieder auftaucht, ist ARD/ZDF zwanzig Jahre voraus. Gerade sind Martin Schmitt und Sven Hannawald im Würfel gestanden und haben erklärt, warum Michael Hayböck aus Österreich eine Medaille vergeigt hat. Der Schmitt, ganz lässig: „Schauen wir’s uns im 3D-Modell an!“ Dann ploppt eine Animation auf, die Hayböcks Körperteile und seine Skier mit allen Problemen des Sprungs zeigt, und man schlackert nur noch mit den Augen. So wurde Skispringen – oder jeder andere Sport – noch nie im Fernsehen erklärt. Alea iacta est: Der Würfel ist die beste TV-Idee von Pyeongchang.

Martin Schmitt und Sven Hannawald erklären Skispringen im Eurosport Cube.
Martin Schmitt und Sven Hannawald erklären Skispringen im Eurosport Cube. © Eurosport

Plus & Minus

Plus: Schön urig klingt das Eurosport-Doppel bei den Speed-Rennen der Frauen. Beide sind Ex-Rennfahrer – Martina Lechner aus Tirol, Jeffrey Frisch aus Südtirol. O-Ton: „Der Schnee isch ganz trockchn.“ Macht Spaß.

Minus: Wenn ARD-Zuschauer auf Interviews warten müssen, hat das seinen Grund. Laut Vertrag gehen die Sportler erst zum Südkorea-TV, dann zum US-Sender NBC und zu Eurosport. Das Erste ist erst als 15. dran.

Der Mittwoch im Olympia-Liveticker

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