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Kampf um die Schachkrone in Dubai: „Nepo“ fordert Carlsen

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Schach-WM
Schachweltmeister Magnus Carlsen geht selbstbewusst in die Titelverteidigung. © Dmitri Lovetsky/AP/dpa

Am Freitag beginnt Magnus Carlsens fünfter WM-Kampf. Wie alle vorigen Male ist der Norweger unbestrittener Favorit. Doch viele trauen Jan Nepomnjaschtschi einiges zu.

Dubai - An Selbstvertrauen mangelt es Weltmeister Magnus Carlsen vor seinem fünften Duell um die Schach-Krone nicht. Die Frage, ob seine Matcherfahrung sein wichtigster Trumpf sei, wird vom Titelverteidiger verneint.

„Mein größter Vorteil ist, dass ich besser Schach spiele“, sagte der Norweger vor dem am Freitag in Dubai beginnenden Duell mit dem Russen Jan Nepomnjaschtschi. Ein Fabiano Caruana oder Ding Liren wäre ihm als Herausforderer unangenehmer gewesen, sagte Carlsen.

Doch auch sein Rivale strotzt vor Selbstbewusstsein, findet die weltbeste Schachspielerin, Judit Polgár, die bei der WM als Livekommentatorin im Einsatz sein wird: „Seine Körpersprache sagt, ich werde gewinnen, und es ist völlig normal, dass ich der nächste Weltmeister bin.“ Das unterscheide Nepomnjaschtschi von den vorigen Herausforderern Sergej Karjakin und Caruana, die sich einen Sieg gegen Carlsen nicht wirklich hätten vorstellen können.

Beide Jahrgang 1990

Während Carlsen schon als 18-Jähriger kurz die Live-Weltrangliste anführte und seit über zehn Jahren ununterbrochen auf Rang eins steht, hat Nepomnjaschtschi erst in den letzten zwei Jahren beständig gute Resultate. Beide sind Jahrgang 1990. Bei den U12-Europa- und Weltmeisterschaften 2002 waren sie sich einander zuerst begegnet. Am Billardtisch haben sie sich angefreundet, obwohl „Nepo“, als er am Verlieren war, zu bescheißen versuchte. Am Schachbrett gewann der um fünfeinhalb Monate ältere Russe zwei ihrer ersten Partien.

Aus dieser Zeit hat sich der mittlerweile 31-Jährige bis heute als einziger Weltklassespieler eine positive Bilanz gegen Carlsen in Partien mit klassischer Bedenkzeit bewahrt. Zuletzt trennten sie sich im September in Stavanger zweimal remis. Ihre letzte entschiedene lange Partie ging im Juli 2019 in Zagreb an Carlsen. Damals wurde Nepomnjaschtschi wie so oft zuvor ein Opfer seiner Impulsivität. Ein hastig ausgeführter Zug führte zur Niederlage. Seitdem hat er sich besser im Griff. Von 14 Partien im WM-Kandidatenturnier in Jekaterinburg verlor er nur eine, bevor die Ausscheidung am 26. März 2020 wegen des Corona-Lockdowns in Russland unterbrochen wurde.

Für Nepomnjaschtschi sei das ein glücklicher Zufall gewesen, findet Carlsen: „Er spielt selten gut, wenn er verloren hat.“ Als das Kandidatenturnier nach 13 Monaten im April 2021 fortgesetzt wurde, leistete sich der Russe im Unterschied zu den anderen Anwärtern keinen Fehltritt mehr.

Fitness spricht für Carlsen

In ihrem auf 14 Partien angesetzten Dubai-Duell kann es also vorentscheidende Bedeutung haben, wer zuerst verliert. Die Fitness spricht für Carlsen, doch Nepomnjaschtschi hat aufgeholt. Im Sommer hat er nicht nur zehn Kilo abgespeckt, sondern sich außerdem in München einer ausgiebigen sportärztlichen Untersuchung unterzogen und vom FC-Bayern-Athletikcoach Marcus Lindner beraten lassen.

Bevor Carlsen 2013 Weltmeister wurde, hat er Nepomnjaschtschi mehrmals zu Trainingslagern eingeladen. Dass aus Trainingspartnern Rivalen werden, ist im Spitzenschach nicht ungewöhnlich. 1995 gehörte Wladimir Kramnik zu Garri Kasparows Trainerteam. Fünf Jahre später nahm er ihm den Weltmeistertitel ab. Während Viswanathan Anand Weltmeister war, trainierte er gelegentlich mit Carlsen, der ihm dann den Titel abnahm. Bei ihrem zweiten Match 2014 war Nepomnjaschtschi einer seiner Sekundanten.

Wegen Covid-19 findet ihr Match mit einem Jahr Verspätung statt. Sie spielen bei der Expo 2020 in Dubai um zwei Millionen Euro - das höchste Preisgeld seit 1993. Die Pandemie hat sich auf das Schachinteresse positiv ausgewirkt. Millionen haben Onlineschach für sich entdeckt. Noch weit mehr Menschen haben auf Netflix die Serie „Das Damengambit“ gesehen. Die von Carlsen mitgegründete Play-Magnus-Firmengruppe ist an die Börse gegangen: Sein Aktienpaket ist derzeit acht Millionen Euro wert. dpa

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