Keine Betrugs-Anklage gegen Rad-Schumi

Stefan Schumacher (l.) mit seinem Anwalt Michael Lehner
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Stefan Schumacher (l.) mit seinem Anwalt Michael Lehner

Stuttgart - Der sportrechtlich wegen Dopings verurteilte Radprofi Stefan Schumacher kommt strafrechtlich um ein Betrugs-Verfahren herum. Es hätte ein Präzedenzfall werden können.

Nach einem Bericht der “Stuttgarter Nachrichten“ (Mittwoch) wies das Landgericht Stuttgart eine entsprechende Klage der Staatsanwaltschaft zurück. “Ein Betrug im strafrechtlichen Sinn liegt nicht vor“, erklärte der Sprecher des Gerichts, Lars Kemmner, der Zeitung. Schumachers ehemaliger Teamchef Hans Holczer sieht in dieser Entscheidung eine vertane Chance im Anti-Doping-Kampf, der Sportler selbst reagierte erleichtert.

Die lange Liste: Sportstars unter Dopingverdacht

Die lange Liste: Sportstars unter Dopingverdacht

Bei Eisschnelläuferin Claudia Pechstein wurden 2009 auffällige Blutwerte festgestellt. Der Retikulozytenanteil lag bei Proben über dem von der Internationalen Eislaufunion (ISU) festgelegten Höchstwert. Sie bekam eine Sperre aufgebrummt. Pechstein klagt dagegen. © dpa
Jan Ullrich soll in die Doping-Affäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes verstrickt gewesen sein. Von seinem Team wurde er suspendiert. Er bestreitet die Vorwürfe. © dpa
Bei der erfolgreichen Sprinterin Katrin Krabbe-Zimmermann wurde im Juli 1992 das Mittel Clenbuterol nachgewiesen. © dpa
Im Oktober 1999 wurde Dieter Baumann positiv auf Nandrolon getestet. Der Wirkstoff stammte angeblich aus einer Zahnpasta. © dpa
Bei der WM 1994 wurde Fußballstar Diego Maradona des Dopings überführt. © dpa
Nach seiner Goldmedaille bei Olympia 1988 in Seoul wurde der Sprinter Ben Johnson positiv getestet. © dpa
2007 gestand Erik Zabel im Rahmen einer Pressekonferenz, bei der Tour de France 1996 eine Woche lang Doping mit EPO betrieben zu haben. © dpa
1992 wurde die Läuferin Grit Breuer überführt. © dpa
John McEnroe hat zugegeben, während seiner aktiven Zeit gedopt worden zu sein. © dpa
Radfahrer Marco Pantani wurde beim Giro d’Italia 1999 wegen überhöhter Hämatokritwerte disqualifiziert. © dpa
1988 hatte Sprinter Carl Lewis bei den US-Ausscheidungskämpfen drei verbotene Doping-Substanzen (Ephedrin, Pseudoephedrin und Phenylpropanolamin) im Blut. © dpa
Negative Schlagzeilen lieferte Ludger Beerbaum 2004, als der deutschen Mannschaft bei Olympia in Athen aufgrund eines positiven Dopingtests von Beerbaums Pferd Goldfever die Mannschafts-Goldmedaille nachträglich aberkannt wurde. © dpa
Bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City gewann der für Spanien startende Langläufer Johann Mühlegg mehrere Medaillen. Kurz darauf musste er alle wegen nachgewiesenen Dopingmissbrauchs wieder abgeben. © dpa
Im Jahre 2004 geriet der Fußballer Marco Rehmer in die Schlagzeilen, als er ohne Absprache mit seinem Verein Hertha BSC ein Medikament nahm, das auf der Dopingliste stand. © dpa
Der Radrennfahrer Tom Simpson kam bei der Tour de France 1967 völlig überraschend ums Leben. Kurz vor dem Gipfel des Mont Ventoux bäumt er sich ein letztes Mal auf. Dann sackt er zusammen. Er flüstert: «Setzt mich wieder auf mein Rad». Dann stirbt er. Höchstwahrscheinlich war Doping im Spiel. © dpa
Nemanja Vučićević wurde 2005 positiv auf die verbotene Substanz Finasterid getestet. Er gab an, ein Haarwuchmittel genommen zu haben. © dpa
1999 wurde Linford Christie positiv auf das verbotene Dopingmittel Nandrolon getestet. © dpa
Dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ gestand Jörg Jaksche 2007, jahrelang gedopt zu haben. © dpa
Der Sprinter Konstantinos Kenteris und die Sprinterin Ekaterini Thanou entzogen sich 2004 bei Olympia in Athen einem Doping-Test. Die verweigerte Probe wurde als positiv gewertet. © dpa
Dem Fußballspieler Adrian Mutu konnte Kokainkonsum nachgewiesen werden. Das gilt als Doping, und er wurde für sieben Monate gesperrt. © dpa
Am 29. Juli 2006 gab Justin Gatlin selbst eine positive A-Probe auf Testosteron bekannt. © dpa
Im November 2008 wurde der österreichische Radstar Bernhard Kohl für 2 Jahre wegen Dopings gesperrt. Seine Ergebnisse der Tour de France 2008 wurden annulliert. Er hatte Gesamtplatz 3 belegt. © dpa
Sprinterin Marion Jones gestand im Oktober 2007 die Verwendung des Dopingmittels Tetrahydrogestrinon (THG). © dpa
Floyd Landis gewann 2006 die Tour de France. Im Nachhinein wurde ihm der Titel jedoch wieder aberkannt. © dpa
Ex-Eishockey-Spieler Uwe Krupp (M.) war 1990 bei einer WM positiv getestet worden – der erkältete Krupp, damals NHL-Profi in Buffalo, hatte ein Hustenmittel genommen, das Ephedrin enthielt. © dpa
Bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt 2005 wurde der Radfahrer Stefan Schumacher positiv auf Doping getestet. Im Oktober 2008 berichtete die französische Zeitung L’Équipe, dass Schumacher bei der Tour de France 2008 positiv auf das Blutdopingmittel CERA (EPO) getestet wurde. © dpa
Der Deutsche Leichtathletikverband eröffnete im November gegen Nils Schumann ein sportrechtliches Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen Anti-Doping-Bestimmungen. © dpa
Der Radprofi Frank Vandenbroucke ist im Alter von 34 Jahren gestorben. Immer wieder hatte er unter Dopingverdacht gestanden © dpa
Am 18. Juli 2007 gab der Bund Deutscher Radfahrer bekannt, dass bei Patrick Sinkewitz in der A-Probe einer unangemeldeten Trainingskontrolle in den Pyrenäen am 8. Juni 2007 ein deutlich erhöhter Testosteron-Epitestosteron-Quotient festgestellt worden sei. © dpa
Das Pferd von Isabell Werth wurde im Jahr 2009 positiv auf die verbotene Substanz Fluphenazin getestet. © dpa
Am 24. Juli 2007 wurde bekannt, dass Alexander Winokurow beim Sieg im Einzelzeitfahren der 13. Etappe sowie drei Tage später auf der 15. Etappe der Tour de France positiv auf Blutdoping getestet wurde. © dpa
Nach mehr als zehn Jahren voller Vorwürfe hat Lance Armstrong gestanden, bei all seinen sieben Tour-de-France-Siegen gedopt zu haben. Bei US-TV-Talkerin Oprah Winfrey legte er eine Beichte ab: Ja, er habe illegale leistungssteigernde Substanzen wie Epo, Testosteron, Kortison und Bluttransfusionen eingenommen. © dpa

Der im vergangenen September in den Profizirkus zurückgekehrte Schumacher hätte ein Präzedenzfall werden können. Die Staatsanwaltschaft klagte ihn im Oktober wegen Betrugs zum Nachteil seines früheren Rennstalls Gerolsteiner an, obwohl sein Doping-Fall zu diesem Zeitpunkt sportrechtlich längst geklärt war. Das hatte es vorher in Deutschland noch nicht gegeben.

In der Klage ging es um eine Summe von 150 000 Euro, die Schumachers Gehältern für die Monate Juli, August und September 2008 entsprach. Der heute 29-Jährige hatte vor der damaligen Tour de France erklärt, nicht zu dopen. In nachträglichen Analysen von Proben sowohl der Tour als auch der Olympischen Spiele 2008 waren bei Schumacher jedoch Spuren des Blutdoping-Präparats CERA gefunden worden. Sein damaliger Teamchef Holczer kündigte ihm daraufhin im Oktober 2008. Die Staatsanwaltschaft warf Schumacher vor, Holczer durch die Einnahme der Doping-Mittel hintergangen zu haben.

Nach Auffassung des Landgerichts Stuttgart ist jedoch “bei Gerolsteiner kein Schaden entstanden“, wie Kemmner erklärte. Denn ein Betrug “setzt einen Vermögensschaden voraus“.

Holczer sagte den “Stuttgarter Nachrichten“: “Die Sache ist erledigt. Allerdings hätte es für den Kampf gegen Doping eine entscheidende Geschichte werden können, wenn ein Doper wegen Betrugs angeklagt worden wäre. Das hätte dem Thema einen Kick versetzt.“

Schumacher selbst erklärte, “natürlich froh“ zu sein. “Auch wenn ich die ganze Sache ein bisschen weggeschoben und mich voll auf den Sport konzentriert habe.“ Seine zweijährige Dopingsperre war im vergangenen Jahr um vier Monate verkürzt worden. Seit September fährt der Nürtinger wieder Rennen für das italienische Team “Miche“.

dpa 

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