Dritter Turniersieg

Kerber feiert Finalerfolg gegen Ivanovic

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Angelique Kerber hat gut Jubeln.

Linz - Angelique Kerber hat den dritten Turniererfolg ihrer Karriere gefeiert. Die deutsche Nummer eins siegte am Sonntag im Endspiel Tennis-Turniers von Linz gegen Ana Ivanovic.

Angelique Kerber strahlte, winkte erleichtert ins Publikum und nimmt nach dem Coup von Linz voller Selbstvertrauen die Mission Istanbul in Angriff. Die topgesetzte Kielerin feierte in Österreich durch einen 6:4, 7:6 (8:6)-Finalsieg über die frühere Nummer eins Ana Ivanovic ihren dritten Titel auf der WTA-Tour und den ersten in diesem Jahr.

Kerber wehrte im zweiten Durchgang vier Satzbälle der an Position drei gesetzten Serbin ab und musste einige brenzlige Situationen überstehen. Nach 1:37 Stunden verwandelte die Weltranglisten-Zehnte dann ihren vierten Matchball und präsentierte sich gut eine Woche vor Beginn des Masters in Istanbul (22. bis 27. Oktober) in starker Verfassung.

„Ich war sehr froh, als ich endlich den Matchball verwerten konnte. Da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen. Das Spiel heute lebte von der Dramatik und dem ständigen Hin und Her“, sagte Kerber und blickte bereits Richtung Bosporus: „Mein erster Titel in diesem Jahr ist gewonnen. Jetzt kann ich ohne Druck nach Istanbul fahren. Da habe ich nichts zu verlieren.“

Mit ihrer Halbfinalteilnahme in Linz hatte sich die Linkshänderin als letzte Spielerin und zum zweiten Mal in Folge das Ticket für das Saisonfinale der besten acht Profis gesichert. „Das ist ein großartiges Gefühl“, sagte Kerber, die 2012 nach drei Niederlagen in den Gruppenspielen den Einzug ins Halbfinale von Istanbul verpasst hatte.

In Linz knüpfte „Angie“, die zuletzt im April 2012 in Kopenhagen einen Turniersieg gefeiert hatte, in ihrem insgesamt achten Finale auf der WTA-Tour an ihre zuletzt starken Leistungen an. Einen Tag zuvor hatte Kerber im Halbfinale die Spanierin Carla Suarez Navarro mit 6:2, 6:0 bezwungen und Revanche für die bittere Achtelfinal-Niederlage bei den US Open genommen. Beim am Montag beginnenden Turnier in Moskau ist Kerber an Nummer eins gesetzt.

Gegen die gleichaltrige Ivanovic lag Kerber im ersten Durchgang mit zwei Breaks und 4:1 in Führung, ehe sie den Ausgleich hinnehmen musste. Doch in der entscheidenden Phase behielt sie kühlen Kopf, punktete immer wieder mit ihrer Vorhand und nutzte nach 40 Minuten ihren ersten Satzball.

Bloß nichts Wabbeliges! Angelique Kerber von A bis Z

Von A wie Autofahren bis Z wie Zahnarzt: Angelique Kerber erzählt in einer ganz persönlichen Auflistung von Bäckerei-Besuchen vor dem Fliegen, einer Wett-Leidenschaft und einer schwarzen Perücke. © Getty
A wie Autofahren: „Ich fahre gerne schnell, das liegt in der Familie. Aber ich habe keine Punkte in Flensburg.“  © Getty
B wie Braten: „Ich mag die polnische Küche unglaublich gern. Ich lasse mich am liebsten von meiner Oma bekochen." © Getty
C wie Chor: „Ich war in der Grundschule ein, zwei Jahre im Chor, aber ich kann überhaupt nicht singen. Das überlasse ich lieber meiner Schwester Jessica. Sie hat schon mal ein Casting mitgemacht, glaube ich.“ © Getty
D wie Druck: „Der ist da, den spüre ich auch. Und er ist anders geworden. Als ich erste Erfolge hatte, war bei den Leuten noch Skepsis da. Mittlerweile erwarten sie die guten Ergebnisse.“ © Getty
E wie Energiequelle: „Am besten kann ich zuhause auftanken. Ich treffe mich mit Freunden, rede mal nicht über Tennis oder mache einfach gar nichts.“ © Getty
F wie Flugzeug: „Fliegen muss in meinem Job ja sein. Aber Essen im Flugzeug geht gar nicht. Ich nehme mir meistens am Flughafen beim Bäcker was mit. Ich kann aber direkt schlafen. Sonst wäre es kleine Tragödie.“ © Getty
G wie Goldmedaille: „Natürlich hatte ich in London diesen Traum. Es hat leider nicht geklappt, aber Olympia war trotzdem ein unglaubliches Erlebnis.“ © Getty
H wie Haare: „In Miami habe ich mir zum Spaß mal eine schwarze Perücke aufgesetzt und ein Foto gemacht. Alle, denen ich es gezeigt habe, haben sich an den Kopf gefasst und gesagt: Lass es lieber. Ich bleibe bei Blond.“ © Getty
I wie Igitt: „Muscheln und Austern. Das ist wabbelig, das würde ich nie runterkriegen. Ich mag auch keine Meeresfrüchte oder Sushi.“ © Getty
J wie Ja-Sager: „Ich war immer eine, die ihre Meinung gesagt hat. Früher war ich aber zerrissen und wusste dann nie, ob es richtig war. Jetzt sage ich meine Meinung und stehe dazu. Ich weiß, was ich will.“ © Getty
K wie Kiel: „Das ist mein Rückzugsgebiet. Es ist am Wasser, es ist ruhig, meine Freunde sind da. Ich kenne jede Ecke. Ob ich da später leben werde, weiß ich aber noch nicht.“ © Getty
L wie Links: „Ich spiele nur mit links Tennis, mache sonst alles mit rechts. Als Kind standen die Trainer ja gegenüber von mir. Da habe ich es so gemacht wie sie. Bei mir war es dann eben links, was bei ihnen rechts war.“ © Getty
M wie Malerei: „Das mochte ich schon immer. Egal, ob mit Wasserfarben oder Buntstiften. Vielleicht mache ich später mal einen Malkurs.“ © Getty
N wie Nummer 1: „Das ist noch ein weiter Weg. Aber ein Grand Slam-Titel wäre mir wichtiger als die Nummer 1 im Ranking.“ © Getty
O wie Oma: „Meine Großeltern bedeuten mir sehr viel. Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Sie haben immer an mich geglaubt. Beim Fed Cup im April haben sie mich seit langem wieder live spielen gesehen.“ © Getty
P wie Polen: „Polen ist ein Bezugspunkt. Ich fahre dort immer noch gerne hin zum Relaxen. Ich habe einen kleinen Akzent im Polnischen, weil ich mehr Deutsch spreche.“ © Getty
Q wie Querkopf: „Ich habe mich geändert, bin offener geworden. Ich habe keine Angst mehr. Früher wusste ich nicht, wie ich mich verhalten sollte. Das hat mich gequält. Ich fühle mich jetzt viel besser. Das hilft mir auch auf dem Platz.“ © Getty
R wie Rente: „Ich will dann eine Familie und einen festen Platz haben, wo ich wohne. Reisen ja, aber nicht mehr so viel.“ © Getty
S wie Sünde: „Ich wette gerne mit meinem Trainer. Wenn ich ein Grand-Slam-Turnier gewinne, machen wir zusammen Fallschirmspringen oder Paragliding. Allerdings habe ich Höhenangst.“ © Getty
T wie Träume: „Gesund bleiben, das Leben genießen. Ich darf das machen, was ich liebe: Tennis spielen. Natürlich ist es auch ein Traum, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen.“ © Getty
U wie USA: „New York ist eine meiner Lieblingsstädte. Natürlich kommen da die Erinnerungen an mein Halbfinale bei den US Open hoch. Ich weiß aber nicht, ob ich dort leben könnte.“ © Getty
V wie Vorbild: „Ich war vor kurzem mit einer Freundin in den polnischen Bergen. Da kamen Kinder und haben mir zum Wimbledon-Halbfinale gratuliert. Ich merke, dass ich ein Vorbild für andere bin. Es ist ein gutes, aber komisches Gefühl.“ © Getty
W wie Wimbledon: „Ich habe da eigentlich immer schlecht gespielt, immer ist irgendwas passiert. Deswegen freut es mich umso mehr, dass ich ausgerechnet dort ins Halbfinale gekommen bin.“ © Getty
X wie X-Ray: „Es ist kein schönes Gefühl, bei einer Computertomografie in der Röhre zu liegen. Man weiß nicht, ob man was hat. Und dann sieht man alles. Da will ich nicht mehr rein.“ © Getty
Y wie Yacht: „Das ist nichts für mich. Ich gönne mir lieber einen Ausflug in die polnischen Berge.“ © Getty
Z wie Zahnarzt: „Ich lasse mir immer eine Betäubungsspritze geben. Schon wenn ich einen Bohrer höre, kralle ich mich am Stuhl fest.“ © Getty

Den Schwung konnte Kerber aber nicht mitnehmen und lag in der Folge schnell 1:3 in Rückstand. Danach zeigte sie aber ihre gewohnten Kämpferqualitäten, vergab aber beim Stand von 5:4 drei Matchbälle nacheinander. Nervenstark wehrte Kerber aber kurz darauf zwei Satzbälle der Weltranglisten-16. Ivanovic ab und rettete sich in den Tiebreak, in dem sie weitere zwei Satzchancen der Serbin zunichte machte.

Insgesamt nutzte die Deutsche, deren Oma als Glücksbringerin am Sonntagmorgen angereist war, sechs ihrer insgesamt 13 Breakchancen. 2012 hatte sie die Hallenturniere in Paris und Kopenhagen gewonnen. In dieser Saison hatte Kerber zwei Finals erreicht (Tokio und Monterrey/Mexiko), diese aber verloren.

Kerber setzte durch den Erfolg von Linz ihren Aufwärtstrend fort und scheint auf der Zielgeraden aus einer sehr durchwachsenen doch noch eine gute Saison zu machen. „Nach dem tollen Jahr 2012 habe ich mir zuviel Druck gemacht. Das war im Rückblick ein Fehler“, sagte sie im SID-Gespräch.

Erst nach der enttäuschenden Zweitrunden-Pleite in Wimbledon ging sie in sich - und dachte um. „Ich wollte wieder Spaß haben am Tennis“, sagte die US-Open-Halbfinalistin von 2011, die nach dem frühen Ausscheiden an der Church Road via Facebok sogar Drohungen erhalten hatte. „Ich habe schon ein paar Tage gebraucht, um das zu verarbeiten. Natürlich nimmt einen so etwas mit. Aber dadurch wird man auch stärker.“

Zudem stellte Kerber ihr Training um und agierte wieder aggressiver von der Grundlinie. Auch mit Blick auf die nächste Saison ist sie schon jetzt optimistisch: „Ich glaube, 2014 wird ein leichteres Jahr als dieses und letztes“, sagte Kerber: „Ich kenne dann beide Seiten: Das Hochkommen und das Halten. Alles ist eben ein Lernprozess.“

SID/dpa

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