Formel-1-Kolumne von Ralf Bach

F1-Kolumne: Krallt sich Wolff das Pleiteteam Force India?

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Sergio Perez im Force India.

Das Formel 1-Traumschiff steuert auf gefährliche Klippen zu. Die Schere von Einnahmen und Ausgaben ist für kleinere Teams zu groß. Besonders die Zukunft von Force India ist ungewiss.

München - Das Team des in England im Asyl lebenden indischen Milliardärs Vijay Mallya befindet sich mit dem Rücken zur Wand. Mallya, der nicht aus England ausreisen darf, weil gegen ihn ein Haftbefehl in seiner Heimat vorliegt, ist lahmgelegt. Seine Gelder sind eingefroren.

Nur mit einem Kredit von Formel 1-Besitzer Liberty konnten die Briten die Gehälter ihrer 120 Angestellten bezahlen. Die Außenstände sind enorm. Dem bayerischen Zulieferer Franz Hilmer schuldet Force India mittlerweile 3,2 Millionen Euro. Mercedes sogar 18 Millionen, heißt es – das ist der Betrag für die Mercedes-Motoren pro Saison. Auch die Fahrer bekommen kein Geld. Ich erfuhr, dass in Montreal Sergio Perez deshalb ein Gespräch mit Mercedes-Teamchef Toto Wolff gesucht hat. Wieso Wolff? Der Wiener könnte bei der Zukunft von Force India eine große Rolle spielen. Grund: Es gibt Spekulationen, dass Wolff selbst das Team billig kaufen will, um es später teurer weiterverkaufen zu können.

Wolffs Traum weit entfernt

Dann, wenn neue Hersteller wie Porsche in die Formel 1 drängen und sich wie BMW 2006 Sauber ein Team kaufen wollen, um eine schon vorhandene Infrastruktur nutzen wollen. So oder so: Wolffs Rolle bei Mercedes wird im Fahrerlager gerade diskutiert. Fest steht: Sein Traum, einmal Ferrari-Teamchef werden zu können, ist im Moment in weite Ferne gerückt. Sein ehemaliger Vertrauter Sergio Marchionne beantwortet seine Anrufe nicht mehr. Kann gut sein, dass der Ferrari- und Fiat-Patriarch Wolff die Batterieaffäre persönlich nimmt. Hintergrund: Mercedes hat Ferrari bei der FIA angeschwärzt. Angeblich wäre die Batterieschaltung von Ferrari in den ersten Rennen illegal gewesen. Die FIA wies die Vorwürfe zurück, nachdem sie das System geprüft hat. Wolff, so heißt es jetzt, setzt sich extrem unter Druck, weil sein Team die Dominanz der vergangenen Jahre verloren habe. Weil Red Bull und Ferrari in dieser Saison auf Augenhöhe fahren. Wolff muss beweisen, dass er mit Druck umgehen kann.

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Renault setzt ein Ulitmatum

Da hat Red Bull Noch-Motorlieferant Renault vor deren heiß ersehnten Heimrennen in Le Castellet noch mal so richtig in die Bouillabaisse gespuckt. Wie ist sonst die Bekanntgabe Red Bulls vor dem französischen Rennen zu verstehen, den Franzosen den Laufpass zu geben und 2019 und 2020 auf Honda-Motoren zu setzen? „Eigentlich wollten wir die Entscheidung erst nach dem Rennen in Frankreich bekannt geben“, erklärt Red-Bull-Chefberater Helmut Marko (74). „Aber Renault hat uns ein Ultimatum gesetzt, das am Sonntag auslief. Uns blieb also keine Wahl.“ Marko weiter: „Wir sind sehr zufrieden mit Honda und dem Weg, den sie in diesem Jahr mit unserem Juniorteam Toro Rosso schon gegangen sind. Der Deal mit Honda ist in jeder Beziehung für uns extrem positiv. Sportlich, technisch und auch finanziell.“

Genaue Details will der neue Ehrenbürger von Graz nicht preisgeben. Fest steht aber, dass weder Red Bull noch Toro Rosso die 18 Millionen Euro bezahlen muss, die Renault pro Jahr für die Motoren verlangt hat. Fest steht auch: Renault sollte jeden Sieg, den sie mit Red Bull in dieser Saison noch einfahren, gebührend feiern. Schon zweimal bescherte Red Bull den Franzosen einen Erfolg 2018. Daniel Ricciardo gewann in China und Monaco. Auf dem Kurs in Frankreich mit seinen ultraschnellen Kurven gilt Red Bull als Mitfavorit dank seines extrem guten Chassis. Das Renault-Werksteam ist von Siegen dagegen noch weit entfernt ...

Ralf Bach

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