Laureus: Ein Boxring voller Sieger

Berlin - Jeder hat seine Ge­schich­te. Ali, Mo­ham­med und Ne­bo­j­scha, Kin­der von Mi­gran­ten, die auf­wuch­sen in Ber­lin-Neu­kölln, könn­ten ihre jetzt er­zäh­len.

Sie könn­ten er­zäh­len, wie das Leben auf der Stra­ße funk­tio­niert, wie sie rein­ge­zo­gen wur­den in die Pro­ble­me und Tu­mul­te des Roll­berg-Vier­tels; wie sie um Auf­merk­sam­keit und Re­spekt buhl­ten, Mit­läu­fer wur­den in ihrem Kiez, in dem die Kids un­ter­teilt wer­den in „Che­cker“ und „Loser“ und wenig da­zwi­schen. Täter und Opfer. Sie könn­ten er­zäh­len, wie es zu den Schlä­ge­rei­en kam, den An­zei­gen wegen Dieb­stahl und ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung, von von der Bru­ta­li­tät, mit der sich die Kids be­geg­nen. Psy­cho­ter­ror, Er­nied­ri­gung, Faust in die Fres­se.

Das sind die Botschafter der Laureus Stiftung

Botschafter Laureus 2011
Franziska van Almsick - Zehn Medaillen bei Olympia, sechs bei Weltmeisterschaften: Franziska van Almsick ist Deutschlands Goldfisch. Doch die 18-fache Europameisterin engagiert sich auch nach ihrem Ausstieg aus dem Schwimmen und unterstützt seit 2005 als Botschafterin die Laureus Sport for Good Stiftung. © Getty Images/ Laureus
Botschafter Laureus 2011
Stefan Blöcher – Zwei Silbermedaillen bei Olympischen Spielen, Vize-Weltmeister, fünffacher Europameister: Stefan Blöcher ist Deutschlands Hockey-Legende. Inzwischen hat er den Hockey- gegen einen Golfschläger getauscht und golft als Laureus Botschafter nicht selten für einen guten Zweck. © Getty Images/ Laureus
Botschafter Laureus 2011
Martin Braxenthaler - Insgesamt zehn Goldmedaillen heimste Monoskifahrer Martin Braxenthaler bei den Paralympics ein. 2007 bekam er für seine beeindruckenden Leistungen den Laureus World Sports Award verliehen - und engagiert sich seitdem für die Sport for Good Stiftung als Botschafter und Schirmherr des Projekts KidSwing. © dpa
Botschafter Laureus 2011
Sabine Christiansen - Die deutsche Fernsehmoderatorin, Journalistin und Produzentin kümmert sich unter anderem als Laureus Botschafterin um diverse soziale Projekte. Für ihr soziales Engagement wurde sie 2002 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. © Getty Images/ Laureus
Botschafter Laureus 2011
Vitali Klitschko – Im Ring ist er nahezu unschlagbar: Schwergewichts-Weltmeister Vitali Klitschko. Vier Jahre nach seinem Rücktritt kehrte Dr. Eisenfaust 2008 als Weltmeister zurück und dominiert seitdem mit seinem Bruder Wladimir die Schwergewichtsszene. Seit 2005 fungiert Klitschko als Laureus Botschafter. © Getty Images/ Laureus
Botschafter Laureus 2011
Wladimir Klitschko – Er hält im Schwergewicht gleich drei WM-Gürtel: Wladimir Klitschko. Als Laureus Botschafter und Schirmherr des Berliner Projekts KICK im Boxring gibt Dr. Steelhammer seine Erfahrung bereits zu seiner aktiven Zeit an bedürftige Kinder weiter. © Getty Images/ Laureus
Botschafter Laureus 2011
Christoph Langen - Im Eiskanal war er ein echter Könner: Bobpilot Christoph Langen holte bei Weltmeisterschaften zwölf Medaillen und ist mittlerweile Bundestrainer des deutschen Bobkaders. Seit 2005 engagiert er sich als Botschafter für die Laureus Sport for Good Stiftung und unterstützt als Schirmherr das Laureus Projekt move&do. © dpa
Botschafter Laureus 2011
Hermann Maier – Zwei Goldmedaillen bei Olympischen Spielen, drei WM-Titel, 54 Weltcupsiege, vierfacher Weltcup-Gesamtsieger: Die Liste seiner Erfolge ist lang. Doch Hermann Maier ist nicht nur ein rasanter Skifahrer – er hat auch sein Herz am rechten Fleck und engagiert sich seit 2009 als Laureus Botschafter für den guten Zweck. © Getty Images/ Laureus
Botschafter Laureus 2011
Thomas Muster - Erst vor kurzem kehrte Thomas Muster wieder auf die ATP-Tour zurück - mit 42 Jahren. Seit 2009 kümmert sich der Österreicher neben seiner Karriere auf dem Tenniscourt als Laureus Botschafter um bedürftige Kinder und Jugendliche in Österreich. © Getty Images/ Laureus
Botschafter Laureus 2011
Birgit Prinz - Sie ist zweifache Weltmeisterin, fünffache Europameisterin und neunfache Deutsche Meisterin: Birgit Prinz. In ihrer langen Karriere hat sie beinahe alles erreicht und sämtliche Rekorde gebrochen. Außerdem engagiert sie sich als Schirmherrin des Projekts Laureus Kicking Girls für eine leichtere Integration von Mädchen mit Migrationshintergrund. © dpa
Botschafter Laureus 2011
Jochen Schümann – Er ist Deutschlands erfolgreichster Segler: Jochen Schümann. Neben mehrfachen Welt- und Europameistertitel gewann er als Sportdirektor zweimal den America's Cup. Als Laureus Botschafter engagiert er sich seit 2005 für den guten Zweck. © dpa
Botschafter Laureus 2011
Ralf Schumacher – In der Formel 1 stand Ralf Schumacher 27-mal auf dem Podest und fuhr 329 Punkte ein. Seit seinem Wechsel in die DTM 2008 zählt der Kerpener auch dort zu den Schnellsten. Beim Laureus Medien Preis 2010 wurde Schumacher mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet, bei den World Sports Awards 2011 in Abu Dhabi wurde er zum offiziellen Laureus Botschafter berufen. © Getty Images/ Laureus
Botschafter Laureus 2011
Axel Schulz ist Schirmherr des Laureus Projekts KICKFORMORE und gehört zu den aktivsten Laureus Botschaftern der Laureus Sport for Good Stiftung. Zu Jugendlichen hat der ehemalige Schwergewichtsboxer einen leichten und unmittelbaren Zugang, mit seiner sympathischen und unkomplizierten Art versteht er es junge Leute für den Sport zu motivieren und zu begeistern. © Getty Images/ Laureus
Botschafter Laureus 2011
Matthias Schweighöfer – Mit zahlreichen Kinofilmen und Fernsehproduktionen spielte sich Matthias Schweighöfer schnell in die Herzen der Zuschauer. 2009 wurde er von der Laureus Sport for Good Stiftung zum Botschafter ernannt. © dpa
Botschafter Laureus 2011
Felix Sturm - Mit elf Jahren kam Felix Sturm über einen Freund zum Boxen. Mittlerweile, gut zwei Jahrzehnte später, trainiert der gebürtige Bosnier in seinem eigenen Gym und vermarktet sich selbst. Mit Erfolg: Seit 2006 ist Sturm ungeschlagen, 2010 ernannte ihn die WBA zum Super-Champion. Im selben Jahr berief ihn die Laureus Sport for Good Stiftung zum Botschafter. © dpa
Botschafter Laureus 2011
Michael Teuber - Mit 19 erlitt Michael Teuber eine Querschnittslähmung. Seitdem räumt er die Radsportszene auf. Allein drei paralympische Goldmedaillen zeugen von seinem Können. Seit 2005 fungiert Teuber als Laureus Botschafter. Im Dezember 2010 erklomm er mit dem Laureus-Team den Kilimandscharo und sammelte Spendengelder für die Laureus Sport for Good Foundation. © Getty Images/ Laureus
Botschafter Laureus 2011
Nia Künzer – Mit dem 1.FFC Frankfurt wurde sie je siebenmal Deutsche Meisterin und Deutsche Pokalsiegerin, doch der größte Coup gelang ihr 2003: Im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft erzielte sie das Golden Goal gegen Schweden – und schenkte sich selbst und ihrem Team den Titel. 2011 wurde Künzer zur Laureus Botschafterin und Schirmherrin des Projekts Kicking Girls ernannt. © dpa

Ali Faour, Mo­ham­med El-Mos­leh und Ne­bo­j­scha Ra­do­s­avljevíc sind Kum­pel. Ali und Mo­ham­med, beide 17, beide li­ba­ne­sisch-ara­bi­scher Her­kunft, sind mit­ein­an­der auf­ge­wach­sen, Ne­bo­j­scha, 19, den alle Nebo nen­nen, ken­nen sie seit fünf Jah­ren. Gerne gehen sie zu­sam­men ins Café und spie­len Kar­ten oder sie sit­zen am PC, spie­len Au­to­ren­nen auf Video, gu­cken You Tube, tex­ten auf Face­book. Ali sagt: „Wir ver­su­chen Spaß zu haben.“ Heute sit­zen sie auf einer Bank in einer alten Sport­hal­le. Kahle Wände, Sand­sä­cke, hin­ten in der Ecke ein Box­ring. Ali sagt: „Weißt du, Ara­ber, Türke oder Serbe wie Nebo – bei uns spielt das keine Rolle, wenn du Herz hast, hast du Herz.“ Mo­ham­med sagt: „Wenn du keine Freund hast, bist du ein Nichts.“ Hört sich pa­the­tisch an, ist aber ernst ge­meint. Ihre Ge­schich­te er­zäh­len sie trotz­dem nicht.

Neue Kru­gal­lee 219, Stadt­teil Trep­tow. Der Coach kommt. Kräf­ti­ger Typ, an­ge­nehm wei­che Stim­me. Erste Frage: „Wer von euch fas­tet?“ Es ist der 10. Au­gust, die zwei­te Woche des Ra­ma­dan. Elf Jungs sind da, acht heben die Hand. „Okay“, sagt der Coach, „wenn euch schlecht wird, geht ihr raus und spült den Mund mit Was­ser aus.“ Dann geht es los. Warm­lau­fen, Seil­sprin­gen, an die Sand­sä­cke. Spä­ter Prat­zen­trai­nig. Zum Ab­schluß Gym­nas­tik. Für die Rü­cken­mus­ku­la­tur. „Hört auf zu quat­schen“, bellt der Coach: „Grund­übung hier heisst Dis­zi­plin, also Klap­pe hal­ten und Zu­hö­ren!“ Der Coach for­dert: „Kommt, hoch, hoch, kommt schon!“ Er kor­ri­giert: „Nicht ins Hohl­kreuz fal­len!“ Er sagt: „Los, los, Gesäß an­span­nen!“ Gesäß? Fragt einer: „Was’n das.“ Coach: „Gesäß ist dein Arsch.“

Er heisst Tho­mas Jan­sen, er lei­tet „Kick im Box­ring“, Teil des Ber­li­ner Kick-Pro­jekt, das vom Senat in Zu­sam­men­ar­beit mit der Po­li­zei und dem Lan­des­sport­bund be­trie­ben wird. Ju­gend­li­che aus so­zi­al be­nach­tei­lig­ten Stadt­tei­len ma­chen Sport. Damit sie weg sind von der Stra­ße, Re­geln ken­nen­ler­nen, Werte wie Fair­ness, Re­spekt, To­le­ranz ent­de­cken, die Fin­ger von Dro­gen las­sen. Damit sie nicht, so Jan­sen, „auf dumme Ge­dan­ken kom­men“. Klas­si­sche Kri­mi­nal­prä­ven­ti­on. Wenn­gleich Jan­sen „viel Über­zeu­gungs­ar­beit leis­ten muss­te“, um die Po­li­zei zu über­zeu­gen, dass die auch mit Boxen er­reicht wer­den kann: „Die sag­ten: ‚Jetzt wer­den die zu Schlä­gern aus­ge­bil­det, mit denen wir eh schon Pro­ble­me haben’.“ Das war 2007. In­zwi­schen hat Kick im Box­ring vier Stütz­punk­te in Ber­lin; ins­ge­samt wer­den 250 Kin­der und Ju­gend­li­che be­treut, un­ter­stützt von der Lau­reus Sport for Good Foun­da­ti­on und deren Bot­schaf­tern Vi­ta­li und Wla­di­mir Klitsch­ko.

Jan­sen war Boxer. Ta­len­tier­ter Ama­teur, Wel­ter­ge­wicht, Ber­li­ner Meis­ter, nord­deut­scher Meis­ter, nur drei ver­lo­re­ne Kämp­fe. Als Profi reich­te es er nur noch zu zwei Sie­gen. „Ich hab nicht dafür ge­lebt“, sagt Jan­sen, „fal­sche Krei­se, Ver­trä­ge in der Knei­pe un­ter­schrie­ben und so wei­ter.“ Daran muss er immer den­ken, wenn er junge Leute be­treut, zumal Kin­der von Zu­wan­de­rern, die be­son­ders ge­fähr­det seien, auf die schie­fe Bahn zu ge­ra­ten: „Die wach­sen auf mit Angst: vor der Ge­sell­schaft, der Bü­ro­kra­tie, un­se­rer Kul­tur. Ihre Re­ak­ti­on ist Ge­walt, weil Ge­walt ein Ge­fühl von Stär­ke, von Macht pro­du­ziert.“ Was Boxen damit zu tun hat? „Beim Boxen kön­nen sie ihre Ag­gres­sio­nen auf ge­sun­de Art ab­ar­bei­ten, ein gutes Ge­fühl von Stär­ke auf­bau­en, Boxen zwingt dich zu Ei­gen­ver­ant­wor­tung. Wie gehe ich mit Wi­der­stand um, wie mit Her­aus­for­de­run­gen? Laufe ich weg oder stel­le ich mich? Wenn du dich in Neu­kölln rum­treibst, wie Ali, Mo­ham­med oder Nebo, dann fragst du dich das täg­lich.“

Neu­kölln, 8. Ber­li­ner Ver­wal­tungs­be­zirk, 312000 Ein­woh­ner aus 165 Na­tio­nen. 38 Pro­zent der Be­woh­ner, 60 Pro­zent der Ju­gend­li­chen sind nicht deut­scher Her­kunft. Jeder Vier­te ist ar­beits­los. Jedes zwei­te Baby wächst in einem Hartz-IV-Haus­halt auf. An den Haupt­schu­len feh­len 25 Pro­zent der Schü­ler mehr als 21 Tage im Jahr. Das Neu­köll­ner Job­cen­ter hat die nied­rigs­te Ver­mitt­lungs­quo­te Deutsch­lands. Es gibt zu wenig Ärzte, dafür Wach­diens­te an Schu­len. Ge­mes­sen an sei­nen Ein­woh­nern hat Neu­kölln die we­nigs­ten Kin­der­ta­ges­stät­ten, Ju­gend- und Se­nio­ren­hei­me in Ber­lin. Zu­sam­men er­gibt das ein ka­ta­stro­pha­les Image. „Neu­kölln“, schreibt Wi­ki­pe­dia, „wird immer wie­der als pro­mi­nen­tes Bei­spiel für ein gan­zes Bün­del so­zia­ler Pro­blem­si­tua­tio­nen ge­nannt.“

Neu­kölln ist längst Syn­onym für ein ur­ba­nes De­sas­ter. Bil­dungs­fer­ne. Ju­gend­ge­walt. Kri­mi­na­li­tät. Par­al­lel­ge­sell­schaft. Das gilt pri­mär für den Roll­berg-Kiez, im Nor­den des Stadtt­teils, zwi­schen Her­mann- und Karl-Marx-Stra­ße, ge­le­gen, wo sich Grün­der­zeit­ar­chi­tek­tur mit Wirt­schafts­wun­der­be­ton paart. Wo zwei Drit­tel der Be­woh­ner Zu­wan­de­rer sind, Dro­gen­han­del und Kri­mi­na­li­tät gras­siert. Wo ara­bi­sche und tür­ki­sche Fa­mi­li­en­klans ganze Stra­ßen­zü­ge re­gie­ren, wo sich Ju­gend­ban­den be­krie­gen, die sich Ara­bi­an Gangs­ter Boys oder Neu­köll­ner Ghet­to Boys nen­nen und bei denen Happy Slap­ping zum guten Ton ge­hört. Zu­schla­gen ist cool. Wer am här­tes­ten zu­schlägt, ist der Cools­te. Neu­köllns Bür­ger­meis­ter Heinz Busch­kow­sky sagte ein­mal an­ge­sichts die­ser Ver­hält­nis­se: „Mul­ti­kul­ti in Deutsch­land ist ge­schei­tert.“

In Neu­kölln sind sie groß ge­wor­den. Ali in einer Fa­mi­lie mit sechs Ge­schwis­tern, Vater ar­beits­los, Mut­ter Haus­frau, in vier Zim­mern, noch heute lebt er mit sei­nen vier Brü­dern, die 14 bis 19 sind, in einem Raum: „Klar, da ist immer Krach.“ Mo­ham­med hat sie­ben Ge­schwis­ter, ein äl­te­rer Bru­der hat ihn mal ver­prü­gelt, nur weil er ihn mit einer Zi­ga­ret­te er­wisch­te. „Auf der Stra­ße ist stän­dig Stress, Alarm“, er­zählt Nebo, „neu­lich hatte ich wie­der einen vor mir, der das Mes­ser zog.“ Kein Frei­raum und Lan­ge­wei­le zu Hause, Ma­cho­ge­ha­be und Ge­walt auf der Stra­ße. So wäre das bis heute, hät­ten sie nicht von Kick im Box­ring er­fah­ren, des­sen Stütz­punkt in der Halle der Neu­köll­ner Sport­freun­de, Oder­stra­ße 182. Seit­her trai­nie­ren sie drei­mal pro Woche. „Boxen“, sagt Ali, „war un­se­re Ret­tung.“ Wenn man Mo­ham­med fragt, was er daran möge, sagt er: „Alles: den Schweiß, den Schmerz, den Wett­kampf, die Siege, das Trai­ning, ein­fach alles.“ Sechs Kämp­fe hat er be­reits be­strit­ten, sechs ge­won­nen, jetzt will er Profi wer­den. Ali: „Mo­ham­med glaubt an sich, der schafft das.“

Ei­gen­ver­ant­wor­tung, En­ga­ge­ment, Selbst­be­wusst­sein. So ein­fach ist das. Man muss sie nur be­ob­ach­ten in Trep­tow, wo Jan­sen jähr­lich ein zwei­wö­chi­ges Som­mer­camp ver­an­stal­tet. Junge, ge­pfleg­te Män­ner, die pünkt­lich kom­men, sich artig vor­stel­len. Die sich im Trai­ning ge­gen­sei­tig mo­ti­vie­ren, coa­chen, Vor­bil­der für die Trai­nings­grup­pe sind. Jan­sen er­zählt: „Als sie kamen, waren sie nur wild, jedes Spar­ring war Krieg.“ Viel Wut, viel Kraft, keine Kon­trol­le. Ali setz­te sich bei einen sei­ner ers­ten Kämp­fe auf sei­nen Geg­ner und trak­tier­te ihn mit Hie­ben. Weil er vor­her mit fai­ren Mit­teln keine Chan­ce hatte. Jan­sen er­kun­dig­te sich, fand her­aus, dass Ali kurz vor­her wegen Dieb­stahls ver­haf­tet wor­den war und „über­all Stress hatte: in der Fa­mi­lie, in der Schu­le“.Jan­sen ver­mit­tel­te beim Vater, bei der Po­li­zei. Ali sagt: „Tho­mas redet nicht nur, Tho­mas macht, er hilft auch bei Job­su­che, berät uns bei Aus­bil­dungs­fra­gen.“ Und er küm­mert sich auch um Mo­ham­meds sport­li­che Am­bi­tio­nen. Jan­sen: „Der soll das lang­sam an­ge­hen, bloß nicht ver­hei­zen.“

„Sie zu be­ur­tei­len wie ein Ober­leh­rer“, sagt Jan­sen, „bringt dich aber nicht wei­ter, du musst zu­hö­ren, über ei­ge­ne Er­fah­run­gen spre­chen, dann er­reicht man sie. Dann hören sie auf, die Schu­le zu schwän­zen, fan­gen an, ihre Haus­auf­ga­ben zu er­le­di­gen, sich Ziele zu set­zen im Boxen wie im Leben. Ali hat be­schlos­sen, das Ab­itur zu ma­chen und spä­ter BWL zu stu­die­ren. Nebo fängt in we­ni­gen Tagen eine Aus­bil­dung bei der Te­le­kom an. Mo­ham­med sucht noch eine Lehr­stel­le, ar­bei­tet aber für Jan­sen als Ho­no­rar­trai­ner: „Damit er lernt, dass nicht nur Neh­men zählt, son­dern auch Geben.“ Hoff­nungs­lo­sig­keit, Frust, Rum­hän­gen und Ärger ma­chen? Ali: „Das war frü­her.“ Des­halb er­zäh­len sie ihre Ge­schich­te nicht gerne. Nicht, was war, zählt, son­dern was ist. Das macht sie stolz.

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