Elfte der Weltrangliste

Christina Hering über Leichtathletik-WM bei knapp 40 Grad: „Man muss aufpassen, sich nicht zu erkälten“

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Im August bestritt Christina Hering die deutsche Meisterschaft (Bild) und erreichte die WM-Norm.

Bei der Leichtathletik-WM tritt Christina Hering als eine von zwei Münchnerinnen im 800-Meter-Rennen an. Ihre Ziele sind nicht nur sportlicher Natur.

München - Am Dienstag hebt Christina Hering (24), als einzige Münchnerin neben 800-Meter-Kollegin Katharina Trost, in Richtung Doha zu der am Freitag beginnenden Leichtathletik-WM ab. Die tz traf sie nach einer der letzten Trainingseinheiten.

Frau Hering, Sie sind seit 8 Uhr am Trainieren. Sind Sie immer so früh hier?

Christina Hering: Manchmal sind wir sogar um 7.30 Uhr da, weil eigentlich alle aus der Trainingsgruppe studieren, auch ich mache noch meinen Master im Management. Durch die frühe Startzeit können wir um zehn Uhr in der Vorlesung sitzen.

Sie sind Mitte August mit 1:59,41 Minuten WM- und Olympianorm gelaufen. Ein tolles Gefühl?

Hering: Es war super emotional, vor allem da ich noch Bestleistung laufen konnte. Im Ziel habe ich die Zeit gar nicht gesehen, aber schon gehört, dass es eine 1:59 war. Die Norm war damit geschafft. Als ich noch die 41 Sekunden realisiert habe, war mir gleich bewusst: Oh krass, ich hab jetzt auch schon die Norm für Tokio und die Bestleistung, auf die ich vier Jahre warten musste.

Was ist drin bei der WM?

Hering: Ich bin zum dritten Mal bei einer WM, die letzten beiden Male konnte ich ins Halbfinale laufen, das ist wieder das Ziel. Die besten Acht kommen ins Finale, das ist der große Traum. In der bereinigten Weltrangliste bin ich Elfte. Aber ich bin realistisch, dafür muss alles zusammenpassen.

Leichtathletik-WM: Christina Hering und Katharina Trost sind das Duo der Stadtwerke München

Die letzten Jahre hat Caster Semenya die Szene dominiert (tz.de* hat berichtet). Sie fehlt, weil sie laut CAS-Beschluss ihre Testosternspiegel künstlich senken müsste.

Hering: Das ist ein brisantes Thema. Ich finde es sehr schwierig, ihr das Startverbot zu erteilen. Auf der anderen Seite nehme ich es als gegeben hin. Und für mich ist es so, dass ich mich nun ein bisschen näher an der Weltspitze fühle. Sie hat in den vergangenen Jahren immer konstant Leistungen von 1:55, 1:56 gebracht. Das sind halt einfach drei, vier Sekunden Unterschied zu meiner Bestzeit. Die Zeit der schnellsten WM-Starterin liegt jetzt bei 1:57 – und das ist ein Bereich, der sich irgendwie machbar anfühlt. Zudem, letztlich habe ich auch keinen Einfluss auf diese Entscheidung…

Aber Sie haben eine Meinung?

Hering: Es war definitiv notwendig, dass eine Entscheidung getroffen wurde. Es war schon irgendwie klar ersichtlich, dass sie andere körperliche Voraussetzungen hat. Ob es jetzt die richtige Entscheidung war, kann ich nicht beurteilen.

Leichtathletik-WM: Christina Hering spricht über äußere Bedingungen

Spielt das Klima in Doha eine Rolle für Sie?

Hering: Ja, das wird eine Herausforderung. Ich glaube aber, am meisten muss man aufpassen, sich nicht zu erkälten, weil die Temperaturunterschiede sehr hoch sind. Hier merkt man, dass der Herbst losgeht. Ich glaube, heute Morgen hatte es zwei Grad. In Doha hat es 35 bis 38 Grad, die sich wie 48 anfühlen.

Das Stadion wird kurioserweise gekühlt.

Hering: Ich bin gespannt, wie sie das machen, aber anscheinend haben wir dort nur 24 Grad. Das heißt, im Wettkampf dürfte es keine Probleme geben.

Ihre Trainingspartnerin Katharina Trost hat die Norm ebenfalls geschafft. Was bedeutet das für Sie?

Hering: Das ist super cool, die letzten zwei Jahren, war ich bei den Höhepunkten immer allein über 800 Meter. In Doha werden wir uns ein Zimmer teilen. Und wenn unser Rennprogramm vorbei ist, werden wir auf jeden Fall noch Zeit haben, ein bisschen was anzuschauen.

Wie tz.de* im vergangenen Jahr berichtet hat, ist Christina Hering eine waschechte Münchnerin, die sich auf dem Weg in die Weltspitze befindet.

In unserem News-Ticker zur Leichtathletik-WM in Katar informieren wir Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Wettbewerbe.

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Interview: jn, gib

Bei der Leichtathletik-WM in Katar holte Niklas Kaul im Zehnkampf-Gold für Deutschland.

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