Markus Rehm im tz-Interview

Bringt die Prothese einen Vorteil?

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Die Bestweite von Rehm liegt bei 7,95 Meter.

München - Weitspringer Markus Rehm (25) darf am Wochenende in Ulm als erster paralympischer Athlet an den Deutschen Meisterschaften (DM) der Nicht-Behinderten teilnehmen. Die tz sprach mit ihm.

Der Paralympicssieger von 2012, dem seit einem Wakeboard-Unfall 2003 der rechte Unterschenkel fehlt, misst sich mit seiner ­Rekordweite von 7,95 Meter am Samstag mit der deutschen Elite: Christian Reif (8,49 Meter) und Sebastian Bayer (8,49 Meter). „Wir freuen uns, wenn Markus Rehm bei der DM startet. ­Solange aber nicht geklärt ist, ob Prothesen einen Wettbewerbsvorteil bringen oder nicht, sollte die Wertung unter Vorbehalt vorgenommen werden“, sagte DLV-Athletensprecher Nils Winter. Der ­Deutsche Leichtathletik Verband (DLV) will mit ­einem Gutachten klären, ob seine Prothese ein unerlaubtes Hilfsmittel ist. Erste Erkenntnisse erhofft man sich von der biomechanischen Leistungsdiagnostik während der Meisterschaft. Im tz-Interview spricht Rehm über Prothesen, Pistorius und seine ­Kritiker.

Es ist neun Uhr morgens als die tz Markus Rehm am Telefon erreicht.

Herr Rehm, was machen Sie gerade?

Rehm: Ich sitze seit halb acht in der Arbeit. Es gibt auch Tage, da hätte ich um die Uhrzeit schon trainiert.

Haben Sie lange für Ihren Start gekämpft?

Rehm: Nein, von mir kam diese Idee nicht. Ich bin mehrfach die Norm gesprungen. Der Verband hat das realisiert und plötzlich hieß es, dass ich starten darf. Ich habe meinen Start nicht erstritten.

Ihr Rekord liegt bei 7,95 Meter. Wenn Sie wählen könnten, was wären Ihnen lieber: ein Acht-Meter-Sprung oder der Start bei der DM?

Rehm: Eine gemeine Frage (lacht).

Ihre Antwort?

Rehm: Schwierig, optimal wäre ein Acht-Meter-Sprung in Ulm. So gehe ich an die Sache heran, ich versuche in jedem Wettkampf meine Bestleistung zu steigern. Im Moment fühle ich mich sehr gut.

Sie sind sich aber bewusst, was Ihr Start im Bezug auf das Thema Inklusion bedeutet.

Rehm: Es ist ein Riesenschritt und ein schönes Zeichen, dass Sportler trotz Prothesen gute Leistungen bringen können. Früher wurde unser Sport noch mit anderen Augen betrachtet. Dass einige Skeptiker nun aber Angst haben, dass Prothesensportler weiter springen könnten, hat fast schon eine Ironie in sich selbst. Als wenn Prothesen die besseren Beine wären – wofür hätten die Menschen denn dann zwei Beine? Man muss aufpassen, was man kommuniziert, sonst erwarten Athleten irgendwann bessere Ergebnisse durch das Bein 2.0. Dass man damit aber auch oft Schmerzen hat, und dass hinter der Leistung immer noch ein Mensch steht, droht in den Hintergrund zu rücken.

Können Sie die kritischen Stimmen nachvollziehen?

Rehm: Natürlich, dieser Diskussion stelle ich mich auch gerne. Ganz ehrlich, ich kann nicht sagen, ob mich die Prothese bevorteilt. Ich habe nicht das Gefühl, aber ich weiß es nicht. Ich will bei den Meisterschaften einen schönen Wettkampf zeigen, die Untersuchungen können sie gerne machen. Ich warne nur davor, aufgrund dieser Erkenntnisse ein Generalurteil zu fällen. Vielleicht werden einige weiche Faktoren nicht berücksichtigt, zudem kommen verschiedene Wissenschaftler oft zu verschiedenen Ergebnissen.

Fühlen Sie sich wie der deutsche Oscar Pistorius (Prothesensprinter, der 2012 an den Olympischen Spielen teilnehmen durfte, Anm. d. Red.)

Rehm: Ein bisschen schon, nur dass ich nicht um meinen Start kämpfen musste. Im Fall von Pistorius fand ich die Analyse im Übrigen auch nicht gut. Man hat sich bei ihm als 400-Meter-Läufer auf die letzten 100 Meter versteift, das hat gar keinen Sinn gemacht.

Was wäre, wenn herauskommt, dass sie tatsächlich bevorteilt sind?

Rehm: Dann würde ich nicht mitspringen wollen, zumindest nicht bei offiziellen Meisterschaften. Ich stehe für einen fairen Sport und biete deswegen immer meine Hilfe an.

Interview: Mathias Müller

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