Mats Wilander im tz-Interview

"Kerber und Petkovic fehlen die Waffen"

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Mats Wilander.

München - Mats Wilander (50) gewann sieben Grand-Slam-Titel, darunter dreimal die Australian Open. Ab Montag analysiert der Schwede auf Eurosport in "Game, Set and Mats" wieder die Geschehnisse in Melbourne. Das tz-Interview.

Herr Wilander, zum Start eine leichte Frage: Wer gewinnt die Australian Open?

Wilander: Viele können gewinnen, die Großen sind alle fit, das war 2014 nicht so. Bei den Herren ist Novak Djokovic aufgrund der Historie der Favorit, nach seiner Niederlage in Abu Dhabi ist er gewarnt. Er ist nun Vater eines Sohns, er wird sein Niveau weiter steigern. Ich glaube, er wird das beste Jahr seiner Karriere spielen. Bei den Damen tippe ich auf Maria Scharapowa, außer, wenn sie auf Serena Williams trifft.

Was macht das Turnier besonders?

Wilander: Es ist das erste Aufeinandertreffen nach der Off-Season. Durch die Hitze ist es ein sehr hartes Turnier, die Spieler sind aber noch nicht richtig fit. Trotzdem sind alle gut drauf und freuen sich, dass die Saison beginnt. Durch die entspannte Stimmung haben lockere Spieler wie Djokovic oder früher Andre Agassi und ich einen Vorteil.

Wäre es eine Überraschung, wenn Rafael Nadal das Turnier gewinnt?

Wilander: Rafa kann jedes Turnier gewinnen. Ich vergleiche ihn gerne mit Serena, mit jedem gewonnenen Spiel steigt das Selbstvertrauen der beiden. Nadal in der ersten Runde und im Halbfinale, das sind zwei verschiedene Spieler.

Roger Federer hat seinen 1000. Sieg gefeiert. Macht ihn das stärker?

Wilander: Die Zahl 1000 war für die Medien wichtiger als für ihn. Entscheidend war, dass er auf dem Weg dorthin Dimitrov und Raonic geschlagen hat, das wird ihm Selbstvertrauen geben. Aber wenn Roger eine Chance auf den Titel haben will, muss er die ersten drei Runden glatt in drei Sätzen gewinnen. Nur dann hat er genug Körner für Djokovic oder Nadal.

Andy Murray haben Sie nicht auf der Rechnung?

Wilander: Er hatte seine beste Phase, als er Wimbledon und die Olympischen Spiele gewonnen hat. Aber es ist beeindruckend, wie er nach seiner Rückenoperation zurückgekommen ist. Es wird spannend, wie es mit ihm und seiner Trainerin Amelie Mauresmo weitergeht. Bisher blieb der Erfolg aus, deswegen ist der Druck groß, aber ich hoffe nicht, dass sie bald getrennte Wege gehen. Sie kann ihm helfen.

Auch Martina Navratilova ist zurück. Nicht auf dem Platz, sondern als Trainerin der Polin Agnieszka Radwanska.

Wilander: Viel kann ich dazu nicht sagen, aber irgendetwas wird Navratilova in Radwanskas Spiel sehen, sie kann einen Champion aus ihr machen.

Sabine Lisicki, Angelique Kerber und Andrea Petkovic waren schon nah dran, warum reicht es nicht zu einem Grand-Slam-Sieg?

Wilander: Kerber und Petkovic haben keine große Waffe. Mental und physisch sind sie stark, das genügt gegen schwächere Gegner, aber wenn die Topspieler auf hohem Niveau spielen, fehlt ihnen die Power. Lisicki hingegen hat die Power, aber bei ihr muss man immer Angst haben, dass sie auch gegen „kleinere“ Gegnerinnen verliert. Eine Kombination aus den drei Damen, die würde sicher einen Grand Slam gewinnen.

Wem trauen Sie es am ehesten zu?

Wilander (überlegt): Petkovic, sie denkt wie ein Champion. Aber dazu bräuchte sie eine sehr gute Auslosung und Hilfe von den Topspielerinnen.

Bei den Herren mussten Jo-Wilfried Tsonga und Marin Cilic verletzungsbedingt absagen. Beide haben im Dezember die Tennis-Werbeveranstaltung IPTL mitgespielt. Sehen Sie da einen Zusammenhang?

Wilander: Nein, bei so einer Sache ist man emotional und physisch nicht so involviert wie bei einem Spiel auf der Tour. Ich finde es viel schlechter, in der Off-Season nicht zu Hause bei der Familie und den Freunden zu sein. Mir war das immer sehr wichtig.

Bei der IPTL wurde mit veränderten Regeln gespielt. Sind Sie ein Fan oder Gegner von Erneuerungen?

Wilander: Wir müssen die Regeln im Tennis nicht ändern. Viele Sportarten haben eine Zeitbeschränkung, aber das brauchen wir nicht. Die Schönheit des Tennissports liegt darin, dass man eben nicht weiß, wie lange ein Spiel dauert.

Interview: Mathias Müller

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