McLaren: Darum hat das Team total versagt

Silberpfeil-Star Lewis Hamilton: Nichts konnte ihn stoppen am Sonntag – noch nicht einmal die Dämlichkeit seines Teams.

Der Sieg des Briten war nur gefährdet, als sich die McLaren-Strategen einen schlimmen Fehler leisteten. Zur Erinnerung: Als nach dem schweren Unfall des am Montag aus dem Krankenhaus entlassenen Toyota-Pilot Timo Glock in der 33. Runde das Safety-Car ausrückte, nutzten die meisten Teams diese Phase zum Boxenstopp. Lewis Hamilton wurde von McLaren überraschenderweise auf der Strecke gelassen, obwohl er führte. Die Folge: Als Hamilton wenig später unter normalen Bedingungen zum Tankstopp einkehrte, wurde er von Renault-Pilot Nelson Piquet, BMW-Pilot Nick Heidfeld, Hamiltons Teamkollegen Heikki Kovalainen und – besonders schwerwiegend – Ferrari-WM-Kandidat Felipe Massa überholt. Nur Hamiltons Topform konnte es McLaren verdanken, dass der wie entfesselt fahrende Brite alle noch überholen konnte und den Heimsieg für Mercedes sicher stellte.

Hamilton sah es gelassen, doch Experten schüttelten den Kopf. „Das hätte leicht schief gehen können“, analysierte Niki Lauda. Ex-Weltmeister Keke Rosberg geht noch schärfer mit Mclaren ins Gericht: „Ron Dennis’ Aussage, man hätte es sich selbst schwer gemacht, heißt auf Deutsch nichts anderes als: Wir haben total versagt. Es war ein brutaler Fehler, Lewis in der Safety-Car-Phase nicht reinzuholen. Es ist fast ein Wunder, dass er gewonnen hat.“ Zur Verteidigung von McLaren muss gesagt werden: Auch Ferrari hat sich in dieser Saison schon Fehler geleistet. Das letzte Mal in Silverstone, als man Felipe Massa und Kimi Räikkönen mit den falschen Reifen ins Rennen schickte.

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Die tz erfuhr, was zu McLarens Irrtum in Hockenheim führte: Die McLaren-Strategieabteilung in der Fabrik in Woking hatte einen kurzfristigen Datenausfall. Dazu muss man wissen: McLaren-Mercedes hat an jedem Rennwochenende bis zu sechs Computer-Analysten in England in einem High-Tech-Raum sitzen, die via Satellit alle Renndaten bekommen und dann analysieren. Sie sind direkt mit dem McLaren-Kommandostand verbunden machen ständig Strategievorschläge und Planänderungen für das Rennen. Durch den Datenausfall waren die McLaren-Techniker vor Ort kurzfristig auf sich alleine gestellt und wirkten überfordert. Deshalb wurde die Entscheidung getroffen, Hamilton draußen zu lassen. Experten wie Hans-Joachim Stuck können darüber nur schmunzeln: „Das ist die moderne Formel 1. Wenn Ron Dennis nass ist bis auf die Haut, glaubt er erst, dass es in Hockenheim geregnet hat, wenn das ihm die Computer in England bestätigt haben.“

Ralf Bach

Quelle: tz

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