Michael Johnson zur tz: Doping nicht zu stoppen!

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Michael Johnson ist viermaliger Olympiasieger

München - Der viermalige Olympiasieger Michael Johnson (41) steht wegen seiner vielen Weltrekorde oft unter Doping-Verdacht, schweigt aber meist dazu. Im tz-Exklusivinterview spricht er darüber.

Verurteilungen, Verdächtigungen und Vermutungen. Im Dopingsumpf brodelt’s derzeit mächtig. Jan Ullrich und Alberto Contador wurden nach langen Prozessen zuletzt beide wegen Dopings verurteilt. Zudem gibt’s eine Menge Aufregung in Erfurt. Im dortigen olympischen Stützpunkt soll der Sportmediziner Andreas Franke das Blut vieler Leistungssportler regelwidrig mit UV-Licht behandelt haben.

Die lange Liste: Sportstars unter Dopingverdacht

Die lange Liste: Sportstars unter Dopingverdacht

Bei Eisschnelläuferin Claudia Pechstein wurden 2009 auffällige Blutwerte festgestellt. Der Retikulozytenanteil lag bei Proben über dem von der Internationalen Eislaufunion (ISU) festgelegten Höchstwert. Sie bekam eine Sperre aufgebrummt. Pechstein klagt dagegen. © dpa
Jan Ullrich soll in die Doping-Affäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes verstrickt gewesen sein. Von seinem Team wurde er suspendiert. Er bestreitet die Vorwürfe. © dpa
Bei der erfolgreichen Sprinterin Katrin Krabbe-Zimmermann wurde im Juli 1992 das Mittel Clenbuterol nachgewiesen. © dpa
Im Oktober 1999 wurde Dieter Baumann positiv auf Nandrolon getestet. Der Wirkstoff stammte angeblich aus einer Zahnpasta. © dpa
Bei der WM 1994 wurde Fußballstar Diego Maradona des Dopings überführt. © dpa
Nach seiner Goldmedaille bei Olympia 1988 in Seoul wurde der Sprinter Ben Johnson positiv getestet. © dpa
2007 gestand Erik Zabel im Rahmen einer Pressekonferenz, bei der Tour de France 1996 eine Woche lang Doping mit EPO betrieben zu haben. © dpa
1992 wurde die Läuferin Grit Breuer überführt. © dpa
John McEnroe hat zugegeben, während seiner aktiven Zeit gedopt worden zu sein. © dpa
Radfahrer Marco Pantani wurde beim Giro d’Italia 1999 wegen überhöhter Hämatokritwerte disqualifiziert. © dpa
1988 hatte Sprinter Carl Lewis bei den US-Ausscheidungskämpfen drei verbotene Doping-Substanzen (Ephedrin, Pseudoephedrin und Phenylpropanolamin) im Blut. © dpa
Negative Schlagzeilen lieferte Ludger Beerbaum 2004, als der deutschen Mannschaft bei Olympia in Athen aufgrund eines positiven Dopingtests von Beerbaums Pferd Goldfever die Mannschafts-Goldmedaille nachträglich aberkannt wurde. © dpa
Bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City gewann der für Spanien startende Langläufer Johann Mühlegg mehrere Medaillen. Kurz darauf musste er alle wegen nachgewiesenen Dopingmissbrauchs wieder abgeben. © dpa
Im Jahre 2004 geriet der Fußballer Marco Rehmer in die Schlagzeilen, als er ohne Absprache mit seinem Verein Hertha BSC ein Medikament nahm, das auf der Dopingliste stand. © dpa
Der Radrennfahrer Tom Simpson kam bei der Tour de France 1967 völlig überraschend ums Leben. Kurz vor dem Gipfel des Mont Ventoux bäumt er sich ein letztes Mal auf. Dann sackt er zusammen. Er flüstert: «Setzt mich wieder auf mein Rad». Dann stirbt er. Höchstwahrscheinlich war Doping im Spiel. © dpa
Nemanja Vučićević wurde 2005 positiv auf die verbotene Substanz Finasterid getestet. Er gab an, ein Haarwuchmittel genommen zu haben. © dpa
1999 wurde Linford Christie positiv auf das verbotene Dopingmittel Nandrolon getestet. © dpa
Dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ gestand Jörg Jaksche 2007, jahrelang gedopt zu haben. © dpa
Der Sprinter Konstantinos Kenteris und die Sprinterin Ekaterini Thanou entzogen sich 2004 bei Olympia in Athen einem Doping-Test. Die verweigerte Probe wurde als positiv gewertet. © dpa
Dem Fußballspieler Adrian Mutu konnte Kokainkonsum nachgewiesen werden. Das gilt als Doping, und er wurde für sieben Monate gesperrt. © dpa
Am 29. Juli 2006 gab Justin Gatlin selbst eine positive A-Probe auf Testosteron bekannt. © dpa
Im November 2008 wurde der österreichische Radstar Bernhard Kohl für 2 Jahre wegen Dopings gesperrt. Seine Ergebnisse der Tour de France 2008 wurden annulliert. Er hatte Gesamtplatz 3 belegt. © dpa
Sprinterin Marion Jones gestand im Oktober 2007 die Verwendung des Dopingmittels Tetrahydrogestrinon (THG). © dpa
Floyd Landis gewann 2006 die Tour de France. Im Nachhinein wurde ihm der Titel jedoch wieder aberkannt. © dpa
Ex-Eishockey-Spieler Uwe Krupp (M.) war 1990 bei einer WM positiv getestet worden – der erkältete Krupp, damals NHL-Profi in Buffalo, hatte ein Hustenmittel genommen, das Ephedrin enthielt. © dpa
Bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt 2005 wurde der Radfahrer Stefan Schumacher positiv auf Doping getestet. Im Oktober 2008 berichtete die französische Zeitung L’Équipe, dass Schumacher bei der Tour de France 2008 positiv auf das Blutdopingmittel CERA (EPO) getestet wurde. © dpa
Der Deutsche Leichtathletikverband eröffnete im November gegen Nils Schumann ein sportrechtliches Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen Anti-Doping-Bestimmungen. © dpa
Der Radprofi Frank Vandenbroucke ist im Alter von 34 Jahren gestorben. Immer wieder hatte er unter Dopingverdacht gestanden © dpa
Am 18. Juli 2007 gab der Bund Deutscher Radfahrer bekannt, dass bei Patrick Sinkewitz in der A-Probe einer unangemeldeten Trainingskontrolle in den Pyrenäen am 8. Juni 2007 ein deutlich erhöhter Testosteron-Epitestosteron-Quotient festgestellt worden sei. © dpa
Das Pferd von Isabell Werth wurde im Jahr 2009 positiv auf die verbotene Substanz Fluphenazin getestet. © dpa
Am 24. Juli 2007 wurde bekannt, dass Alexander Winokurow beim Sieg im Einzelzeitfahren der 13. Etappe sowie drei Tage später auf der 15. Etappe der Tour de France positiv auf Blutdoping getestet wurde. © dpa
Nach mehr als zehn Jahren voller Vorwürfe hat Lance Armstrong gestanden, bei all seinen sieben Tour-de-France-Siegen gedopt zu haben. Bei US-TV-Talkerin Oprah Winfrey legte er eine Beichte ab: Ja, er habe illegale leistungssteigernde Substanzen wie Epo, Testosteron, Kortison und Bluttransfusionen eingenommen. © dpa

Der viermalige Olympiasieger Michael Johnson (41) steht wegen seiner vielen Weltrekorde oft unter Doping-verdacht, schweigt aber meist dazu. Heute hat Johnson eine eigene Firma und engagiert sich als Botschafter der Laureus Sport for Good Foundation. „Wir wissen, wie viel Sport bewegen kann. Es gibt so viele Menschen auf der Welt, die Hilfe brauchen. Laureus versucht dem Abhilfe zu leisten“, sagt Johnson und öffnet sich im tz-Exklusivinterview auch dem Thema Doping…

Herr Johnson, lassen Sie uns über Doping sprechen.

Johnson: Wenn Sie mit mir über Doping sprechen wollen, müssen Sie mir eine gezielte Frage stellen. Ich würde nie anfangen einfach blind über Doping zu sprechen und irgendwelche Kommentare darüber abzugeben, weil es einfach ein zu heißes Thema ist. Auf eine gezielte Frage gibt es eine Antwort.

Kein Problem: Ist es noch natürlich, dass Jahr für Jahr immer neue Rekorde aufgestellt werden?

Johnson: Alles ist möglich. Sie müssen viel Hintergrundwissen haben, um über Doping zu sprechen. Aber ich helfe Ihnen und nenne Ihnen die entscheidenden Punkte.

Legen Sie los…

Johnson: Erstens: Können wir Doping jemals komplett ausschließen? Sind wir ehrlich: Nein, das können wir nicht. Zweitens: Werden Verbrechen im Sport begangen? Mit Sicherheit, das ist in unserer Gesellschaft leider so verankert. Menschen betrügen, sie stehlen, sie terrorisieren, sie rauben und sie verkaufen Drogen. Und das wird auch im Sport nicht verschwinden.

Klingt nicht sehr erfreulich.

Johnson: Die meisten Menschen sind anständige Menschen. Würden Sie mir da zustimmen?

Kann man wohl so sagen.

Johnson: So ist es auch im Sport. Die meisten sind ehrlich, aber es gibt auch immer die Bösen, die schlimme Dinge tun. Darum brauchen wir Regeln, die klar festlegen, was mit den Betrügern passiert. Die wird es nämlich immer geben, das kann man nicht verhindern. Die Frage ist nun, was kann man machen, um die Situation zu verbessern?

Was schlagen Sie vor?

Johnson: Wir brauchen eine konsequente Auslegung der Rechtslage. Diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, zu dopen, müssen wissen, was auf sie zukommt, wenn sie erwischt werden. Im Moment gibt es zu viele Doper, die mit faulen Ausreden davongekommen sind oder schon oft positiv getestet, aber nicht bestraft worden sind. Als Betrüger hoffe ich dann, dass ich auch einer derjenigen bin, die davonkommen.

Interview: Mathias Müller

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