tz-Reporter im Selbstversuch

Mixed Martial Arts: Das ist im Käfig erlaubt

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tz-Reporter Max Kramer beim Selbstversuch mit den Mixed-Martial-Arts-Kämpfern.

München - Es ist eine der neuen Kampfsportarten in Deutschland: Mixed Martial Arts. Der Ort: ein Käfig. Die Regeln: gibt es wenige. Unser tz-Reporter wagt sich im Selbstversuch.

Kraftvoll und krachend schlagen drei Kämpfer mit Händen und Füßen auf die Boxsäcke ein. Ein Höllenlärm erfüllt das Gym, der Geruch von Schweiß liegt in der Luft – und mir wird schon beim Betreten des Trainingsraums klar: Heute darfst du ganz sicher kein Weichei sein!

tz-Reporter Max Kramer im Cagefight-Selbsttest

Ich, der tz-Reporter, starte heute einen Selbstversuch. Mixed Martial Arts (MMA) steht auf dem Trainingsprogramm. Alex Poppeck begrüßt mich, er ist professioneller Mixed Martial Arts-Kämpfer. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht erklärt er mir, dass sein Sport nicht nur aus dem Stehkampf besteht, wie man es beispielsweise vom Kickboxen kennt: „Mixed Martial Arts besteht aus mehreren Kampfsportarten: Boxen, Kickboxen, Ringen und Jiu Jitsu – man braucht also durchaus ein breites Repertoire von Kampftechniken, um den Sport professionell ausüben zu können.“

Um dies verständlicher zu machen und eine Kampfsituation nachzustellen, bittet er mich zum Sparring in das „Spielfeld“, auf dem Coach Jawid bereits auf mich wartet und wo gewöhnliche Kämpfe ausgetragen werden: ein Käfig! Jawid, am ganzen Körper gepolstert, erklärt mir zu Beginn die wichtigsten Schläge und verlangt mir dann alles ab: Faustschläge und Fußkicks setzen, Attacken ausweichen, dazwischen zur Deckung die Hände vor das Gesicht halten und ständig tänzelnd in Bewegung bleiben – schon nach wenigen Minuten bin ich komplett außer Atem, sodass es dem Kraftprotz ein Leichtes ist, mich ein zu Boden zu reißen.

Auch am Boden darf attackiert werden

Ich lande aufgrund der Matten am Boden weich und darf mich anschließend wieder aufrichten – beides ist bei regulären Kämpfen, die über drei Runden zu je fünf Minuten gehen, nicht der Fall: Auch wenn einer der Kämpfer auf den Brettern liegt, ist es seinem Gegner erlaubt, weiter mit Faustschlägen oder Würgegriffen zu attackieren.

Ist Mixed Martial Arts also eine Kampfsportart, bei der zwei Rüpel ohne jede Regeln übereinander herfallen? „Keineswegs“, sagt Alex Poppeck. „Tiefschläge, Kopfnüsse, Stiche in die Augen oder das Ziehen an den Haaren des Gegners sind absolut verboten. Außerdem greifen die Ringrichter rechtzeitig ein, wenn die Gefahr besteht, dass einer der Kämpfer zu schwer verletzt wird. Ich selbst habe außer einem blauen Auge noch keine schlimmeren Verletzungen davongetragen.“

Es zählen auch Wille, Herz und Disziplin

Der 23-Jährige betont, dass bei aller sportlichen Rivalität untereinander freundschaftlicher und kollegialer Umgang herrscht – ein Eindruck, der sich beim Training bestätigt: innerhalb des Käfigs wilde Tiger, außerhalb sympathische junge Menschen. Wie kommt man als solcher also zu einer derart intensiven Kampfsportart? „Ich war als Jugendlicher mehrmals zum Urlaub in Thailand und konnte dort Thai-Boxern beim Training zusehen. Ich entschloss mich daraufhin, diese Sportart selbst auszuprobieren und begann dann nach einigen Wochen, Mixed Martial Arts zu trainieren.“ Er habe dabei gelernt, dass nicht nur Kraft, Reaktionsschnelligkeit und Athletik entscheidend seien, sondern auch Disziplin, Herz, Wille, Durchsetzungsfähigkeit eine Rolle spielten.

Der Reiz, MMA zu betreiben, sei also nicht nur sportlicher Natur: „Ich sehe MMA als persönlichen Weg, mich zu verbessern, mir ein Ziel zu setzen und jeden Tag daran zu arbeiten“ – reflektierte Worte eines Mannes, der bis zu sechs Tage pro Woche trainiert, um das nächste Etappenziel, einen Sieg am kommenden Sonntag beim „Aggrelin Cage Fight“, bei dem insgesamt 20 Kämpfer gegeneinander antreten, zu erreichen. Egal, ob er es schafft – meine Hochachtung hat er. Wegen der Härte der Kämpfe – und wegen des Respekts, mit dem die Kämpfer sich begegnen.

Max Kramer

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