Mutter Anka: „Eendgültige Bestätigung steht noch aus“

Sorge um Motorrad-Star Folger: Das Virus ist zurück - Abreise aus Japan

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Jonas Folger fährt in der Königs-klasse ­MotoGP für das Team Monster Yamaha Tech 3.

Sorge um MotoGP-Fahrer Jonas Folger. Schon vor dem ersten Training des Japan-Rennens hat der 24-Jährige die Heimreise angetreten. Die Befürchtung: Das Epstein-Barr-Virus ist zurück.

Tagelang konnte Jonas Folger sein Hotelzimmer nicht verlassen. Die Gesundheit spielt mal wieder nicht mit, an einen Renn­einsatz ist für den MotoGP-Neuling am Wochenende in Japan nicht zu denken. Schon vor dem ersten Training hat der 24-Jährige die Heimreise angetreten, es ist der nächste Tiefschlag in einem Halbjahr zum Vergessen.

„Richtig schlecht“ fühle er sich seit Wochen, klagte Yamaha-Pilot Folger. „Nach der Ankunft hier am vergangenen Wochenende hatte ich überhaupt keine Energie mehr. Ich hatte in der Vergangenheit bereits einmal das Epstein-Barr-Virus, und es besteht die Möglichkeit, dass es wieder aufkeimt.“

Seine Mutter Anka Folger sagte der tz: „Wir gehen stark davon aus, dass Jonas das Epstein-Barr-Virus hat. Die endgültige Bestätigung steht aber noch aus, Jonas wird deshalb nach seiner Ankunft die Ärzte aufsuchen, die ihn schon 2011 behandelt haben.“ Mama Folger weiter: „Die drei Übersee-Rennen sind gestrichen, sofern keine plötzliche Heilung auftritt, den Rest müssen wir erst abwarten. Zum Glück war Valentino Rossis Teamchef Lin Jarvis auch vor Ort, die Krankheit ist für Außenstehende oft schwer greifbar, aber er hat selbst Erfahrungen mit dem Epstein-Barr-Virus gemacht.“ In München werden die Proben untersucht, der in seiner Karriere immer wieder von Krankheiten geplagte Folger muss Geduld haben. 2011 hatte der Oberbayer mit Migräne und Schwindelanfällen zu kämpfen, der Grund waren durch Stürze verschobene Wirbel und eingeklemmte Nerven. Im Sommer 2015 erwischte ihn eine schwere Virusinfektion, es war der erste Epstein-Barr-Fall.

Folger wurde 2011 beim Red-Bull-Team von Aki Ajo nach dem Brünn-Grand-Prix – fünf Rennen vor Saisonende – entlassen. Er war bei der Streckenbesichtigung zusammengeklappt. Der Grund soll gestreuten Gerüchten zufolge eine zu ausschweifende Pre-Race-Party gewesen sein. Der tatsächliche Grund: Folger hatte Pfeiffersches Drüsenfieber, ausgelöst vom Epstein-Barr-Virus. Tech-3-Teamchef Hervé Poncharal sprach mit speedweek.com über den leistungsmäßigen Einbruch seines Piloten Folger in der zweiten Saisonhälfte: „Er war nicht auf seinem üblichen Level. Jonas war wie ein Geist.“

Mathias­ Müller

Folger war Anfang Juli Zweiter am Sachsenring– danach ging’s gesundheitlich bergab

Das ist das Epstein-Barr-Virus

Das Epstein-Barr-Virus (EBV) gehört zur Familie der Herpesviren – und es trifft fast jeden Menschen einmal: „Im Erwachsenenalter haben etwa 90 Prozent eine Infektion damit hinter sich, aber in den allermeisten Fällen bemerken sie es gar nicht“, erläutert der EBV-Forscher Dr. Hans Helmut Niller vom Uniklinikum Regensburg im tz-Gespräch. Allerdings kann das Virus auch krank machen, es ist Auslöser des Pfeifferschen Drüsenfiebers. Nur in äußerst seltenen Fällen entwickelt sich eine EBV-Infektion zu einer bösartigen Tumorerkrankung. Solche Fälle sind hauptsächlich aus Südost-Asien und Äquatorial-Afrika bekannt.

Hierzulande kommt Pfeiffersches Drüsenfieber – Fachbegriff: infektiöse Mononukleose – relativ oft bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor. „Es verläuft in der Regel harmlos und heilt meist in wenigen Wochen problemlos aus“, weiß Dr. Niller. „Nur etwa zehn Prozent der Patienten verspüren nach einem halben Jahr noch Symptome.“

Charakteristisch für die Erkrankung, die hauptsächlich durch Speichel übertragen wird, sind neben angeschwollenen Lymphknoten im Hals-/ Nackenbereich sowie Fieber vor allem Erkältungssymptome wie Kopf- und Gliederschmerzen oder Halsweh. Oft wird auch schwere chronische Erschöpfung mit EBV in Verbindung gebracht. „Doch dies ist oft ein Trugschluss“, warnt Dr. Niller. „Die Diagnose ist nicht so einfach.“ Aufschluss können spezielle Bluttests liefern, darunter ein EBV-Schnelltest auf Antikörper.

Andreas Beez

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