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"Mr. Tischtennis" beendet Bilderbuch-Karriere

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Jörg Roßkopf hängt den Tischtennisschläger an den Nagel © dpa

Hanau - Von Wehmut will Jörg Roßkopf nichts wissen. “Mr. Tischtennis“ hat sein Abschiedsspiel als Party geplant.

1600 Fans, Freunde und Weggefährten wollen an diesem Freitag in Hanau noch einmal “Rossis“ unnachahmliche Rückhand bewundern, wenn Deutschlands Rekord-Nationalspieler für die TG Hanau gegen Fulda-Maberzell nach 24 Jahren seine vermutlich letzte Bundesliga-Partie absolviert. “Es reicht. Das ist ein idealer Zeitpunkt, um aufzuhören“, kommentierte der 40-Jährige im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa das Ende einer Bilderbuch-Karriere.

Seinen Schläger wird er danach nicht einmotten. Am 1. August tritt Roßkopf sein Amt als Herren-Bundestrainer an. An diese Entwicklung hatte das Talent vom damaligen Deutschen Tischtennis-Zentrum (DTTZ) in Duisburg nicht gedacht, als er 1986 für Borussia Düsseldorf sein erstes Bundesligamatch gegen Altena bestritt. “Wir haben 9:1 gewonnen, nur ich habe mein Einzel gegen Manfred Nieswand verloren. Das bleibt hängen. Unser Manager Wilfried Micke hat gedacht, was für eine Pfeife hat der Verein denn da geholt“, erinnerte sich Roßkopf.  

Die “Pfeife“ erwies sich schnell als Glücksfall für Düsseldorf und die gesamte Sportart. Der sensationelle Doppel-Sieg von Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner bei der WM 1989 in Dortmund löste für kurze Zeit einen Tischtennis-Boom aus. Linkshänder Roßkopf trumpfte auch im Einzel groß auf, gewann EM-Gold im Einzel 1992 in Stuttgart und holte Olympia-Bronze 1996 in Atlanta, als er im vielleicht besten Spiel seiner Karriere im Viertelfinale den Südkoreaner Kim Taek Soo in einem dramatischen Fünf-Satz-Krimi besiegte. Zwei Jahre gewann er erneut gegen Soo als erster Deutscher den Weltcup.

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Erst vor drei Jahren ging ein großer Traum des Familienvaters aus Groß-Umstadt bei Offenbach in Erfüllung. In einer Mannschaft mit dem neuen Tischtennis-Star Timo Boll wurde er endlich Team-Europameister. Zuvor hatte Roßkopf drei EM-Endspiele mit dem DTTB-Team verloren - oft gegen die großen Schweden um Jan-Ove Waldner, Mikael Appelgren und Jörgen Persson, mit denen er sich unvergessliche Duelle lieferte. In der Bundesliga sammelte er Titel und Pokale mit Rekordmeister Düsseldorf (1986-2000) und Gönnern (2000 - 2007), später schlug er auch für Jülich (2007 - 2009) und Hanau (2009/2010) auf.

“Es hat mir immer Spaß gemacht, die Philosophie hat bei allen Vereinen gestimmt“, erklärte Roßkopf. Im Vorjahr sagte er beim “Experiment Hanau“ zu und startete als Leitwolf mit drei jungen deutschen Spielern und einem Chinesen als Abstiegskandidat in die Saison. Dank starker Auftritte von Roßkopf (“Ich könnte vielleicht noch zwei Jahre mithalten“) gewann die TG bisher sechs Partien und kann den Klassenverbleib im Roßkopf-Abschiedsspiel perfekt machen. “Wenn nicht, muss ich wohl am Sonntag in Saarbrücken noch mal ran“, sagte der achtfache deutsche Einzelmeister.

In der Bundesliga stehen für ihn bisher 478 Einzelsiege zu Buche. Den Rekord hält Wilfried Lieck mit 479 Erfolgen. Die Fans hoffen auf ein letztes Match von Roßkopf gegen Fuldas Aushängeschild Waldner. Als Party-Gäste hat “Rossi“ seinen früheren Doppel-Partner “Speedy“ Fetzner, DTTB-Ehrenpräsident Hans Wilhelm Gäb und auch Timo Boll eingeladen. Auf den Weltranglisten-Fünften kommen unter dem neuen Bundestrainer harte Zeiten zu. “Wir wollen China angreifen, und Timo ist 29 Jahre. Da muss er etwas mehr tun“, kündigte Roßkopf an.

dpa

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