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Müde Favoriten, freche Außenseiter: Die Playoffs überraschen

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Bruno Caboclo
Plötzlich Favorit im Meisterschaftsrennen: Ulms Bruno Caboclo dunkt den Ball durch die Reuse. © Andreas Gora/dpa

Erst Alba Berlin, jetzt Bayern München - die Favoriten müssen in den Playoffs leiden. Sie wirken müde und überspielt. Gibt es erstmals seit 2017 einen neuen Meister?

München – Nach der nächsten Heimpleite blieben Andrea Trinchieri nur noch Durchhalteparolen. „Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist“, sagte der Trainer der Bayern-Basketballer nach dem 88:93 am Dienstagabend.

0:2 liegt der Titelfavorit aus München in der Halbfinalserie gegen ratiopharm Ulm zurück, schon am Freitag kann die Saison für das Starensemble von der Isar vorbei sein.

Mit versteinerter Miene verließ Trinchieri den Audi Dome - vielleicht war es der letzte Auftritt des Italieners in eigener Halle. Schon lange halten sich Gerüchte, dass Trinchieri zu neuen Saison vom früheren Real-Madrid-Coach Pablo Laso abgelöst werden soll.

Ulm spielt nun zu Hause

Auch in der Liga stehen die Zeichen auf Wechsel. Nachdem Titelverteidiger Alba Berlin bereits in der ersten Playoff-Runde an Ulm gescheitert war, steht das Überraschungsteam nun kurz davor, mit den Bayern das nächste Euroleague-Team aus dem Wettbewerb zu werfen. „Daheim wollen wir uns das Ding nicht mehr nehmen lassen“, verkündete Ulms Nationalspieler Karim Jallow mit Blick auf die jetzt anstehenden beiden Heimspiele am Freitag und Sonntag.

Erstmals seit sechs Jahren könnte es damit wieder einen deutschen Meister geben, der nicht Alba Berlin oder Bayern München heißt. Zuletzt hatten dreimal die Berliner triumphiert, davor zweimal die Bayern. Der letzte nationale Champion der nicht aus Berlin, München oder Bamberg kam, waren die EWE Baskets Oldenburg 2009 - danach dominierten die drei großen „Bs“ die Liga.

Bonn und Ulm haben sportlich aufgeholt

Doch mit den Telekom Baskets Bonn hat sich in dieser Saison bereits ein anderes Team hervorgetan. Der Champions-League-Sieger dominierte die Hauptrunde quasi nach Belieben und kassierte nur zwei Niederlagen. In den Playoffs trumpft jetzt der Hauptrunden-Siebte aus Ulm groß auf. Endlich herrschen einmal wieder Spannung und Abwechslung in der heißen Saisonphase.

Was zum einen daran liegt, dass Teams wie Bonn und Ulm sportlich aufgeholt haben und die Trainer Tuomas Iisalo und Anton Gavel mit ihren Mannschaften einfach überragende Arbeit leisten.

Lo: „Irgendwann ist der Akku dann einfach leer“

Zum anderen und vor allem aber auch darin begründet liegt, dass die Stars aus Berlin und München einfach am Ende ihrer Kräfte sind. Die Doppelbelastung mit Euroleague und Bundesliga zehrt physisch und psychisch. Spieler wie Berlins Maodo Lo und Johannes Thiemann oder Bayerns Andreas Obst haben nach der umjubelten Heim-EM mit dem Gewinn der Bronzemedaille im Spätsommer des vergangenen Jahres fast keine Pause gehabt.

Irgendwann ist der Akku dann einfach leer. „Ich merke, wie mein Körper sich diese Saison regelrecht wehrt“ hatte Lo bereits vor ein paar Wochen in einem bemerkenswerten Interview des Fachmagazins „BIG - Basketball in Deutschland“ gesagt. Zwar war der Point Guard nie schwer verletzt, zu seiner Topform fand er aber nur ganz selten. „So, wie sie jetzt ist, ist diese Basketballwelt nicht gesund“, sagte daher auch Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic mit Blick auf die vielen Wettbewerbe und Spiele.

Die Folge ist, dass die besten Teams in der entscheidenden Saisonphase einfach nicht mehr ihren besten Basketball spielen können. Der Spannung und Abwechslung in der Liga tut das gut. Eine Lösung für das Problem muss dennoch her, ist aktuell aber nicht in Sicht. Vielmehr gibt es Bestrebungen, die Euroleague sogar noch zu erweitern. Die über 70 Partien, die Lo, Obst und Co. in dieser Saison in den Knochen haben, würden dann sogar noch getoppt. dpa

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