Ode an das Stockerl

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Wer sagt denn, dass ein Stockerl nur für drei bestimmt ist?

Immer wieder mal sprechen tz-Leser den tz-Kolumnisten freundlich an: „Was sind’s denn immer so bös’, zum Beckmann oder zum Steinbrecher?“ Oder auch: „Schreiben’s doch mal was Liebes, über irgendwas!“ Also gut, dann schreib’ ich heut’ mal was Liebes. Über mein Lieblings-Sport-Wort. Über das Stockerl.

Ich gebe zu: Ich bin Stockerl-narrisch. Wenn ein deutscher Biathlet auf dem Siegespodest steht, lässt mich das eher kühl. Aber wenn ich höre, im TV oder im Radio, dass er es aufs Stockerl geschafft hat, wird mir warm ums Herz. Das liegt an frühkindlicher Prägung durchs österreichische Fernsehen. Ich pflege einen Stockerl-Fetisch. Es gibt ja Leute, die stehen auf Peitschenhiebe. Ich steh aufs Stockerl.

Der letzte Montag war deshalb ein richtiger kleiner Festtag für mich. Gleich mehrfach stand das prächtige Wort, das längst auch in Deutschland angekommen ist, in Ihrer tz. Maria Riesch, Felix Neureuther, Kati Wilhelm – alle auf dem Stockerl. Die Ausgabe lass ich mir rahmen. Nur eine kleine Kritik kann ich als Stockerl-Sachverständiger den Kollegen nicht ersparen: Genau genommen steht man nicht „AUF DEM Stockerl“. Man steht „AM Stockerl“. Aber das ist dann schon Stockerl-Kunde für Fortgestockerlte, pardon, für Fortgeschrittene.

Für mich ist das Stockerl eine Erinnerung an die gute alte Zeit, als die Sport-Stars noch Harti Weirather hießen (was für ein schneidiger Name!), und nicht Weichi Kuranyi. Angefangen hat alles als Kind. Wenn damals, wie so oft, die Heizung ausgefallen ist, haben wir fünf Geschwister uns alle vor den Fernseher gekuschelt und ORF geschaut. Meistens „Am dam des“ mit Lieselotte Plauensteiner. Sie erinnern sich vielleicht: „Am dam des, disse malle press, disse malle pumperness, Am dam des“ – übrigens ein tschechischer Auszählreim, falls Sie das interessiert. Oft haben wir aber auch Abfahrt gesehen, mit Franz Klammer.

Erste bewusste Begegnung mit dem Stockerl war am 5. Februar 1976, als der Ski-Kaiser Franz im goldgelben Anzug bei Olympia am Patscherkofel ganz oben am Stockerl stand. Edi Finger kommentierte, und er kommentierte noch schöner als zwei Jahre später in Cordoba. Was für ein Zittern im Zielschuss! „1:42, 1:43“, japste der Edi, „1:44 – jawoll, Bestzeit! 1:45,73 für unseren Franzi Klammer!!!“ Dann busselte er höchstwahrscheinlich den Kollegen Rippel und den Diplom-Ingenieur Posch aus Cordoba ab, die damals schon neben ihm saßen. Seitdem weiß ich: Das Stockerl ist ein magischer Ort.

Später kamen dann noch viele weitere Stockerl mit Niki Lauda dazu, über den Heinz Prüller immer so schöne Sachen wusste – zum Beispiel, dass er bei Rennen in Frankreich dreimal so oft am Stockerl stand wie die berühmte Annemarie Moser-Pröll bei Riesentorläufen in Grindelwald. Und dass wiederum Conny Pröll, die jüngste Schwester der Annemarie, ihren ersten gebrauchten Alfasud vom Bruder vom ehemaligen Hausmeister vom unvergessenen Jochen Rindt gekauft hat. In Rostbraun.

Was sollten Sie noch wissen übers Stockerl? Genau genommen ist das Stockerl ein Hocker, auf den die Sieger bei den ersten Sportwettbewerben gestellt wurden. Bitte nicht verwechseln mit dem deutlich niedrigeren Schemel, auf den man beim Sitzen die Füße gibt – das ist ein Schamerl. Es gibt im Österreichischen auch den Begriff „Stockerloarsch“ – der nichts mit deutschen Skifahrern zu tun hat, bei denen es sich versehentlich fürs Stockerl ausgegangen ist. Er steht vielmehr für ein wohlgerundetes Heck à la Jennifer Lopez.

Bei ebay.at können Sie übrigens derzeit um nur einen Euro ein Stockerl ersteigern. Vielleicht sollte ich das tun. Brigitte Xander hätte bei Dalli-Dalli umgerechnet: „Das macht dann 14 Schilling.“ Das klingt günstig, für so ein herrliches Stockerl.

Jörg Heinrich

Heiße Fotos aus dem Skilehrer(innen)-Kalender

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Das Cover der Frauen-Ausgabe ziert Melina Pohl. Die Stuttgarterin gibt den Schwaben Wedel-Unterricht. © www.skilehrerinnen.at
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Dieser Herr zeigt sich auf dem Titel des Männer-Kalenders - mit nichts als zwei Skiern bekleidet. © www.skilehrerinnen.at
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Wenn das kein gutes Jahr wird: Diese Dame läutet den Januar ein! © www.skilehrerinnen.at
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Dieser Herr heißt im Männerkalender das Jahr willkommen. © www.skilehrerinnen.at
05_girl_feb
Du hast die Haare schön! © www.skilehrerinnen.at
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Trockenübungen in falscher Sportkleidung © www.skilehrerinnen.at
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Wenigstens hat sie keine kalten Füße. © www.skilehrerinnen.at
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Der Skilehrer für den Mai. © www.skilehrerinnen.at
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Da möchte man gerne Ski sein. © www.skilehrerinnen.at
10_man_jul
Mister Juli © www.skilehrerinnen.at
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Da geht die Sonne auf! © www.skilehrerinnen.at
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Schöne Aussichten © www.skilehrerinnen.at
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Was für ein Brett! © www.skilehrerinnen.at
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Knapp daneben ist auch vorbei. © www.skilehrerinnen.at
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Skifoan is des Leiwandste, wos ma si nur vorstoin kann ... © www.skilehrerinnen.at
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Was will uns der Skilehrer damit sagen? © www.skilehrerinnen.at
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Bei Mister November würde wohl jede Frau gerne eine Stunde nehmen. © www.skilehrerinnen.at
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Abfahrt! © www.skilehrerinnen.at

Quelle: tz

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