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Sport-Stars als „Maschinen“? Deutsche Gold-Helden gewähren Einblick - „Manche sind mit Ängsten angereist“

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Von: Florian Naumann

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Malaika Mihambo
Malaika Mihambo, Weitspringerin aus Deutschland, hält sich den Kopf. © Michael Kappeler/dpa/Archivbild

Held oder Versager? Für viele Sportler liegen Himmel und Hölle nahe beieinander. Zwei deutsche Gold-Stars berichten nun sogar von handfesten Ängsten bei Kollegen.

Berlin - Ein Olympiajahr ist gerade zu Ende gegangen, das nächste naht. In der ruhigen Sport-Phase über die Weihnachtstage haben nun zwei deutsche Sport-Stars Einblick in die mentalen Nöte vieler deutscher Olympioniken gegeben:

Malaika Mihambo und Florian Wellbrock haben zwar selbst in Tokio Gold gewonnen. Rosig ist aus ihrer Sicht in der Welt der Sportler aber beileibe nicht alles. Sie warnen einerseits vor mentalen Gefahren hoher Erwartungshaltungen. Zugleich berichten sie aber auch: So einige Spitzenathleten leiden in der Corona-Krise unter massiven finanziellen Ängsten.

Olympia-Helden geben Einblick: „Sportler werden zu oft als Maschinen dargestellt“

„Wir Sportler werden zu oft als Maschinen dargestellt“, sagte Wellbrock dem Spiegel. Weitspringerin Mihambo pflichtete dem Schwimm-Champion bei: „Wenn man sich selbst als Maschine sieht, kann das schnell gefährlich werden.“

Der Hintergrund: In einer Umfrage der Deutschen Sporthochschule hatten knapp ein Drittel aller deutschen Athletinnen und Athleten aus den Olympia- und Paralympicskadern angegeben, bei ihren Saisonhöhepunkten „mental nicht voll präsent“ gewesen zu sein. Mihambo (27) - erst kürzlich zur Sportlerin des Jahres gekürt - erklärt das Ergebnis mit der Ausnahmesituation der Pandemie.

Corona-Sorgen unter Spitzenathleten - „mit finanziellen Ängsten nach Tokio gereist“

“Das erste Coronajahr 2020 war hart, und ich weiß, dass in der Leichtathletik in dieser Zeit viele Sponsorenverträge nicht verlängert worden sind“, sagte sie: „Es gab Athleten, die mit finanziellen Ängsten zu ihren Wettkämpfen nach Tokio gereist sind und sich von diesen Drucksituationen nicht befreien konnten.“ Es gehe darum, „Abstand zu seinen Emotionen und Gedanken zu bekommen“.

Auch Wellbrock (24) und Mihambo, die ein gemeinsames Management haben, hatten in ihrer Karriere oft mit Zweifeln zu kämpfen, Mihambo fand mit „viel Kraft“ einen Ausweg, indem sie akzeptierte, „dass es äußere Umstände gibt, die man nicht ändern kann. Was man ändern kann, ist die Perspektive, wie man auf sich selbst und seine eigenen Leistungen blickt“, sagte die Weltmeisterin: „Man kann die ständige Selbstbewertung einfach mal bleiben lassen.“

Facebook-Kommentare lesen? Gold-Stars gehen ganz unterschiedlich mit Social-Media-Druck um

Mit der Bewertung von außen gehen beide Champions unterschiedlich um. Wellbrock liest „alles“, „Facebook, Instagram, Texte und die Kommentare unter den Texten und Artikeln“, er sei „viel zu neugierig, es nicht zu tun“. Mihambo „würde das zu sehr beschäftigen“, deswegen versuche sie, „so gut es geht gar nichts mehr“ über sich zu lesen. (SID/fn)

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