Wegen versuchten Mordes

Pistorius: Ermittlungen gegen Polizeioffizier

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Der leitende Polizeiermittler (kleines Bild) im Mordfall des Paralympics-Stars Oscar Pistorius steht selbst unter dem Verdacht des versuchten Mordes.

Pretoria - Der Hauptermittler im Prozess um die tödlichen Schüsse Oscar Pistorius' auf seine Freundin Reeva Steenkamp steht nun selbst im Visier der Ermittler. Der Grund: Versuchter siebenfacher Mord.

Dritte Runde im erbitterten Streit um die mögliche Freilassung des mordverdächtigen Sportstars Oscar Pistorius auf Kaution: Am Donnerstag sollte die schon jetzt ungewöhnlich lange Anhörung vor dem Gericht in Pretoria fortgesetzt werden.

Polizei und Staatsanwalt lehnen eine Freilassung wegen Fluchtgefahr entschieden ab. Die Verteidigung glaubt, dass es schon alleine wegen mancher Ermittlungsmängel keine Belege für einen „vorsätzlichen Mord“ gebe. Pistorius hatte am Donnerstag vergangener Woche seine Freundin Reeva Steenkamp (29) erschossen - der Paralympics-Star sagt, es sei ein tragisches Versehen gewesen, die Staatsanwaltschaft glaubt an einen geplanten Mord.

Mordermittlungen gegen Polizeioffizier Botha

Am Mittwoch hatte der leitende Polizeiermittler Hilton Botha betont, dass es bei dem Beschuldigten eine erhebliche Fluchtgefahr gebe. Schließlich drohe dem 26-Jährigen bei einer Verurteilung eine Haftstrafe zwischen 15 Jahren und lebenslänglich. Pistorius besitze ausländische Konten und eine Immobilie in Italien.

Doch Botha steht nun selbst unter Mordverdacht. Die Polizei in Pretoria bestätigte am Donnerstag, dass gegen Hilton Botha wegen siebenfachen versuchten Mordes ermittelt werde. Zwar sei der Fall aus dem Jahr 2011 zwischenzeitlich fallengelassen worden, er werde nun aber wieder aufgenommen. Dabei gehe es um einen Vorfall 2009, als der Polizeioffizier auf einen Kleinbus mit sieben Insassen schoss, um ihn am Weiterfahren zu hindern, so der staatliche Fernsehsender SABC. Botha reagierte überrascht auf die Wiederaufnahme des Falles. „Ich verstehe nicht, warum der Fall wieder aufgenommen wurde. Ich kann mit nur vorstellen, dass es etwas mit meiner Arbeit (im Fall) Oscar Pistorius zu tun hat“, sagte Botha am Donnerstagmorgen dem Fernsehsender eNCA.

Keine Belege dafür, dass Pistorius gelogen hat

In einem Kreuzverhör des Pistorius-Anwalts Barry Roux musste Botha am Mittwoch zugeben,dass am Tatort keine Belege dafür gefunden worden seien, die den Darstellungen von Pistorius widersprächen. Der unterschenkelamputierte Profisportler behauptet, seine Freundin versehentlich getötet zu haben. Er habe in der Nacht gemeint, ein Einbrecher befinde sich hinter der verschlossenen Badezimmertür, auf die er dann gefeuert habe.

Dem widerspricht die Staatsanwaltschaft: Pistorius habe Steenkamp geplant und gezielt ermordet. Vor den tödlichen Schüssen habe es einen Streit zwischen dem Paar gegeben. Polizeioffizier Botha berichtete von Zeugen, die vor den Schüssen Licht im Haus von Pistorius gesehen und zudem „unablässiges Geschrei“ und einen lautstarken Streit gehört haben wollen.

Pistorius-Freundin Reeva Steenkamp (†): Juristin, Model und Fernsehstar

Der sechsmalige Paralympics-Gewinner Oscar Pistorius hat am frühen Donnerstagmorgen in seinem Haus in Silver Lakes am Rande der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen, die er laut Medienberichten für eine Einbrecherin gehalten hatte. © ap
Die Freundin von Oscar Pistorius war selbst ein Star, zumindest in Südafrika. Die 30-Jährige, die eine abgeschlossene juristische Ausbildung hatte, war ein gefragtes Model. © ap
Vor einem Jahr zierte sie die Titelseite des internationalen Herren-Magazins FHM. © ap
Kürzlich nahm Reeva Steenkamp an der südafrikanischen Variante von „Ich bin ein Star - holt mich hier raus“ teil. In der Realityshow „Tropika Island of Treasure“ war sie einer der sieben konkurrierenden Prominenten. Die erste Episode sollte am Samstag im staatlichen Fernsehen SABC ausgestrahlt werden. © ap
Die blonde Südafrikanerin mit den blau-grünen Augen wurde in Kapstadt geboren und wuchs in Port Elisabeth auf. Nach einem abgeschlossenen Jurastudium schloss sie einen Vertrag mit der Kosmetikfirma Avon und zog vor sechs Jahren nach Johannesburg. © ap
Pistorius and Steenkamp waren in der Vergangenheit südafrikanischen Medien zufolge mehrfach zusammen aufgetreten. Zunächst aber hatte es immer nur geheißen, die beiden seien „nur Freunde“. © ap
„Wir sind tief bekümmert und schicken unser Beileid an Reevas Familia und Freunde“, hieß es nach den Ereignissen im Hause von Pistorius auf der Website von SABC. © ap
Das südafrikanische Model Lee-Ann Liebenberg schrieb im Nachrichtenkurzdienst Twitter: „Wie tragisch. Meine Gedanken und Gebete sind mit Oscar und den beiden Familien“. © ap
Viele andere südafrikanische Künstler und Prominente zeigten sich ebenfalls bestürzt. (im Bild: Archivbild von Oscar Pistorius) © dpa
 © dpa

Das widerspräche den Schilderungen von Pistorius, der von einem friedlichen Abend mit seiner Freundin berichtet hatte. Auf die Frage des Anwalts, wie weit entfernt der Zeuge vom Haus von Pistorius wohne, sagte Botha zunächst 600 Meter, um dann später auf 300 Meter zu revidieren. Roux kritisierte scharf angebliche Fehler und Versäumnisse der Polizei bei der Spurensicherung. So habe Botha bei der Erkundung des Tatorts keine Schuhüberzüge getragen. Botha musste zugeben, dass auch die Ermittlungsergebnisse der Rechtsmediziner und der Ballistiker noch nicht vorlägen.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Medupi Simasiku, sagte am Mittwochabend, er sei zuversichtlich, dass die Anträge der Verteidigung abgelehnt werden würden. Das Gericht will nun am Donnerstag über eine Entlassung auf Kaution entscheiden.

Oskar Pistorius befinde sich noch im „Schockzustand“, sagte der Onkel des Beschuldigten, Arnold Pistorius, in einem Fernsehinterview. Er sei tieftraurig, dass er selbst es war, der seine Liebe umgebracht habe. Er werde sicher lange brauchen, um damit fertig zu werden. „Oscar wird das überleben. Es wird hart werden, weiter zu machen, aber er ist einer, der überlebt.“

dpa

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