FCB-Coach Pesic über Deutschlands Chancen

"Es ist machbar!"

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Svetislav Pesic

Berlin - Los geht's! Die deutsche Nationalmannschaft startet in die EM! FCB-Coach Svetislav Pesic glaubt an Nowitzki & Co.

Und los geht’s! Am Samstag startet die deutsche Nationalmannschaft in die EM-Vorrunde und beginnt damit auch die Mission Olympia. Bundestrainer Chris Fleming und sein Team wollen und müssen unter die besten Sieben Europas kommen, um eine Möglichkeit auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio zu haben. Dazu gilt es aber natürlich erst einmal, die Vorrunde zu überstehen. Der erste Gruppengegner Island (Samstag 15 Uhr) sollte dabei für Dirk Nowitzki, Dennis Schröder & Co. zu schlagen sein. Die Partie gegen Serbien (Sonntag, 15 Uhr) wird dann sicherlich um einiges härter. Und danach warten ja auch noch die großen Favoriten wie Spanien, Italien und die Türkei. Ist da ein Weiterkommen für die Deutschen in die Runde der besten 16, die in Frankreich ausgetragen wird, überhaupt möglich? Die tz sprach mit dem langjährigen Bundestrainer und aktuellen Coach des FC Bayern Basketball, Svetislav Pesic.

Herr Pesic, am Samstag geht es los. Die deutsche Nationalmannschaft muss in der EM-Vorrunde ran. Was haben Sie für ein Gefühl?

Pesic: Ich habe bisher nur zwei Spiele der Vorbereitung gesehen. In denen wurde deutlich, dass unser Bundestrainer Chris Fleming versucht hat, Dirk Nowitzki schnellstmöglich in die Mannschaft zu integrieren und dabei auch den anderen Spielern das nötige Maß an Verantwortung zu geben. Das ist wichtig!

Hat es Ihrer Meinung nach funktioniert?

Pesic: Das lässt sich vor dem ersten Vorrundenspiel schwer beurteilen. Man darf aber auf keinen Fall vergessen, dass dieses Vorhaben für einen Trainer immer schwer umzusetzen ist. Besonders für Chris, der die deutsche Nationalmannschaft noch nicht lange trainiert. Obwohl er schon viele Jahre in der Bundesliga ist, hat er eben noch nicht mit allen Nationalspielern zusammengearbeitet. Das ist bei vielen Nationen anders. Favoriten wie Spanien, Italien, oder die Türkei haben alle Trainer, die schon mehrere Jahre ihre Mannschaft betreuen. Der Bundestrainer musste die Mannschaft erst einmal kennenlernen.

Geht das Ihrer Meinung in der kurzen Zeit?

Pesic: Zeit ist ein Faktor, der immer gegen einen Trainer arbeitet. Um zusammenzufinden muss eine Mannschaft viel zusammenspielen, viel trainieren. Mit viel meine ich aber nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität. Ein neues Team muss miteinander spielen, um sich besser kennenzulernen, die Philosophie des Trainers zu verstehen, sodass eine bestimmte Richtung eingeschlagen werden kann. Die Zeit dafür, ist für einen Trainer eigentlich immer zu kurz.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Nationalmannschaft?

Pesic: Ich denke, dass wir eine sehr interessante Mannschaft haben. Einige Nationalspieler sind verletzt, aber man darf nicht vergessen, dass ein paar Top-Spieler der anderen Teams auch nicht bei der EM mit dabei sind. Trotzdem gibt es einen Unterschied. Die Favoriten auf den Titel haben mehr Spieler mit hoher, individueller Qualität. Ausfälle lassen sich dann leichter ausgleichen und kaschieren. Das ist bei uns anders und sicherlich unser Handicap.

Was muss passieren, damit Dirk Nowitzki & Co. trotzdem eine Chance aufs Weiterkommen haben?

Pesic: Die Mannschaft muss eine sehr gute Defense spielen. Das ist die Basis, um in so einer harten Vorrundengruppe zu bestehen. Es bleibt schließlich wenig Zeit, um sich zwischen den einzelnen Partien zu regenerieren – sowohl physisch als auch mental. Ganz besonders, wenn du beinahe jeden Tag eine Partie hast und kaum ein Tag Zeit bleibt, um dich zu regenerieren.

Handelt es sich um einen Vorteil, dass die Spiele in Berlin stattfinden?

Pesic: Sowohl als auch. Es ist natürlich immer ein Vorteil, zuhause zu spielen. Das ist eine weitere Motivation. Auf der anderen Seite bedeutet ein Turnier im eigenen Land auch eine Menge Druck durch die Öffentlichkeit.

Der Medienrummel wird groß sein, ganz besonders weil NBA-Star Dirk Nowitzki dabei ist...

Pesic: Dirk Nowitzki ist nicht Schuld (lacht). Es sind so viele Schuld, die ihn aus unterschiedlichen Gründen ausnutzen wollen. Ich denke aber, dass die deutsche Mannschaft aus der Vergangenheit gelernt haben. Die kompletten Spieler werden mit der Situation umzugehen wissen.

Hätten Sie Dirk Nowitzki geraten, noch einmal mit der Nationalmannschaft ein Turnier zu bestreiten?

Pesic: Dirk hat ein klares Ziel. Er will noch einmal zu den Olympischen Spielen. Dass er als Spieler so weit gekommen ist, hat den Grund, dass er sich immer neue, sportliche Ziele gesteckt hat. Es ging nie in erster Linie darum, Geld zu verdienen. Für ihn bedeuten die Olympischen Spiele etwas Großes. Er durfte damals in Peking die Fahne tragen. Das hat ihm wahrscheinlich noch mehr Verantwortung gegeben und den Wunsch geweckt, noch einmal diese Fahne zu tragen. Und das ist wichtig: Jeder Mensch lebt von Motivation und den Zielen, die er sich gesetzt hat. Insofern bin ich sicher, dass es für ihn das Richtige ist, noch einmal bei der Nationalmannschaft zu sein.

Ist die Umsetzung der Mission Olympia wahrscheinlich?

Pesic: Naja, wir müssen unter die ersten Sieben kommen, um uns für Rio qualifizieren zu können. Ob das realistisch ist, werden wir sehen. Es gibt schließlich viele gute Mannschaften mit dem selben Vorhaben. Aber es wird machbar sein.

Interview: Lena Meyer

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