Kautionsauflagen gelockert

Pistorius darf ins Ausland reisen

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Der mordverdächtige Paralympics-Star Oscar Pistorius darf Südafrika verlassen, um bei internationalen Sportwettbewerben anzutreten.

Pretoria - Die Kautionsauflagen galten als streng, nun sind sie deutlich gelockert worden: Der südafrikanische Paralympics-Star Pistorius darf künftig zu Wettbewerben ins Ausland reisen. Außerdem kann er nun an den Tatort zurückkehren.

Der mordverdächtige Paralympics-Star Oscar Pistorius darf Südafrika verlassen, um bei internationalen Sportwettbewerben anzutreten. Das entschied ein Richter am Donnerstag in Pretoria. Voraussetzung ist, dass er den Behörden seine Reisepläne mindestens eine Woche vor Antritt vorlegt und nach der Rückkehr seinen Pass binnen 24 Stunden wieder abgibt. Pistorius' Anwälte hatten vor Gericht eine Lockerung der Kautionsauflagen für den beidseitig amputierten Sprinter gefordert und in allen Punkten Recht bekommen. Pistorius darf nun auch wieder an den Tatort zurückkehren.

Es bestünde keine Fluchtgefahr, hatten die Anwälte des behinderten Profisportlers argumentiert. Immerhin sei ihr Mandant zuvor auch gegen eine Kaution von einer Million Rand (rund 84.000 Euro) aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Dass Pistorius sich regelmäßig bei der Polizei melden müsse und keinen Alkohol konsumieren dürfe, sei „unberechtigt“, sagten die Anwälte. Das gelte auch für das Verbot, in sein Haus zurückzukehren. Richter Bert Bam gab den Anwälten Recht und hob die Auflagen auf. Pistorius' Anwälte lächelten siegessicher nach der Verkündung der richterlichen Entscheidung.

Pistorius-Freundin Reeva Steenkamp (†): Juristin, Model und Fernsehstar

Der sechsmalige Paralympics-Gewinner Oscar Pistorius hat am frühen Donnerstagmorgen in seinem Haus in Silver Lakes am Rande der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen, die er laut Medienberichten für eine Einbrecherin gehalten hatte. © ap
Die Freundin von Oscar Pistorius war selbst ein Star, zumindest in Südafrika. Die 30-Jährige, die eine abgeschlossene juristische Ausbildung hatte, war ein gefragtes Model. © ap
Vor einem Jahr zierte sie die Titelseite des internationalen Herren-Magazins FHM. © ap
Kürzlich nahm Reeva Steenkamp an der südafrikanischen Variante von „Ich bin ein Star - holt mich hier raus“ teil. In der Realityshow „Tropika Island of Treasure“ war sie einer der sieben konkurrierenden Prominenten. Die erste Episode sollte am Samstag im staatlichen Fernsehen SABC ausgestrahlt werden. © ap
Die blonde Südafrikanerin mit den blau-grünen Augen wurde in Kapstadt geboren und wuchs in Port Elisabeth auf. Nach einem abgeschlossenen Jurastudium schloss sie einen Vertrag mit der Kosmetikfirma Avon und zog vor sechs Jahren nach Johannesburg. © ap
Pistorius and Steenkamp waren in der Vergangenheit südafrikanischen Medien zufolge mehrfach zusammen aufgetreten. Zunächst aber hatte es immer nur geheißen, die beiden seien „nur Freunde“. © ap
„Wir sind tief bekümmert und schicken unser Beileid an Reevas Familia und Freunde“, hieß es nach den Ereignissen im Hause von Pistorius auf der Website von SABC. © ap
Das südafrikanische Model Lee-Ann Liebenberg schrieb im Nachrichtenkurzdienst Twitter: „Wie tragisch. Meine Gedanken und Gebete sind mit Oscar und den beiden Familien“. © ap
Viele andere südafrikanische Künstler und Prominente zeigten sich ebenfalls bestürzt. (im Bild: Archivbild von Oscar Pistorius) © dpa
 © dpa

Seit seiner Freilassung am 22. Februar soll Pistorius bei einem Onkel gewohnt haben. Nun darf er in das Haus zurückkehren, in dem er seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen haben soll, und auch mit den Nachbarn sprechen. Das sei nötig, um seine Verteidigung vorzubereiten, sagten die Anwälte. Das Verfahren könnte Ende des Jahres beginnen. Weder Pistorius noch Familienmitglieder waren im Gerichtssaal anwesend. Pistorius nächster Auftritt vor Gericht wird am 4. Juni erwartet.

Konkrete Reisepläne gebe es im Augenblick nicht, sagten Pistorius' Anwälte. Irgendwann müsse der Sportler aber wieder auf die Rennbahn zurück, um Geld zu verdienen. „Er wird nicht fliehen und sich verstecken“, sagte sein Anwalt Barry Roux. „Warum sollte man ihn davon abhalten, unter kontrollierten Gegebenheiten zu reisen?“

Der Weltleichtathletikverband IAAF teilte mit, Pistorius dürfe bei der Weltmeisterschaft in diesem Jahr an den Start gehen, sofern er sich qualifiziere. Ob er auch an anderen Veranstaltungen teilnehmen dürfe, müssten die jeweiligen Organisatoren entscheiden, sagte IAAF-Sprecher Yannis Nikolau. Pistorius gelte als unschuldig, solange nicht das Gegenteil bewiesen sei, fügte er hinzu.

Die Staatsanwaltschaft war gegen eine Lockerung der Auflagen. Sie wirft Pistorius vor, Steenkamp, ein Model und Fernsehstar, am 14. Februar in seinem Haus vorsätzlich erschossen zu haben. Pistorius selbst spricht von einem furchtbaren Versehen. Wenn ihn das Gericht wegen Mordes schuldig spricht, droht ihm lebenslange Haft.

AP

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