Professor Matthäus

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Lothar Matthäus im Gespräch mit Werder-Trainer Thomas Schaaf am Rande des Testspiels

Schruns - Lothar Matthäus wird in Israel begeistert aufgenommen: "Er ist unser großes Glück!"

"Go back, go back", schreit ein aufgebrachter Lothar Matthäus an der Seitenlinie. Aber nicht alle seine Spieler treten nach dem Ballverlust tatsächlich den Rückzug an. Die Urlauberkinder neben dem überdachten Trainingsplatz in Schruns äffen den deutschen Rekordnationalspieler nach. „Der Lothar kann doch gar kein richtiges Englisch“, sagt einer der Jungen zu seinem Nachbarn. Ein paar Meter weiter macht Matthäus den Assistenztrainern in eben dieser Sprache klar, wie amateurhaft sich die Spieler verhalten. Mit „That’s stupid“ endet der Monolog…

Nach dem Schlusspfiff wollen aber auch jene Buben von Matthäus ein Autogramm, die ihn vorher ausgelacht haben. Kurze Zeit später findet der neue Trainer von Maccabi Netanya trotz der 0:3-Niederlage gegen Werder Bremen versöhnliche Worte für seine Spieler: „Sie haben den Respekt vor den großen Namen abgelegt und gezeigt, dass sie Fußball spielen können.“ Aber Matthäus macht keinen Hehl daraus, dass er als Trainer des israelischen Vizemeisters noch viel Arbeit vor sich hat. Auf die Frage, an welchem Punkt er ansetzen muss, lacht der 47-Jährige: „Das sind Punkte. Eigentlich fehlt es überall.“

Die ersten beiden Wochen einer schwierigen Trainermission liegen hinter Lothar, der zum Abschluss des Trainingslagers im österreichischen Schruns trotz aller Defizite von „einem guten Auftakt“ spricht. Seine Spieler seien „sehr positive Menschen“, die abends gern mal Lieder anstimmen – aber nicht auf den Tischen tanzen würden, wie eine Zeitung berichtet hatte. Und Matthäus lobt ihre Ball-Fertigkeiten – „aber im taktischen Bereich müssen sie noch viel lernen.“

Anders als in Deutschland, wo an Matthäus’ Trainerqualitäten gezweifelt wird, glaubt man in Israel, dass den starken Worten auch Taten folgen. In Netanya, einer 170 000-Einwohner-Stadt am Mittelmeer, ist man fest davon überzeugt, dass der deutsch-israelische Geschäftsmann und Maccabi-Eigentümer Daniel Jammer nicht nur einen ehemaligen Weltklassespieler, sondern auch einen richtig guten Fußballlehrer für ein Jahresgehalt von einer halben Million Euro ins heilige Land geholt hat.

Matthäus selbst, sonst nicht gerade bekannt für seine Bescheidenheit, muss die Erwartungen dämpfen: „Ich bin kein Messias.“ Dennoch werden Ex-Löwe Francis Kioyo, seine Teamkollegen, aber auch der Betreuerstab nicht müde, zu betonen, wie viel Neues sie jeden Tag dazulernen würden. „Lothar ist unser großes Glück“, schwärmt Co-Trainer David Pizanti. „Wir haben einen Professor bekommen!“

Professor – wer hätte gedacht, dass einem Lothar Matthäus einmal ein solcher Titel verliehen wird. Jenem Matthäus, den die Landsleute in seiner Heimat gern mit Häme übergießen. „Die Leute in Israel wissen nicht, dass die Deutschen über ihn lachen“, sagt Aaron Nir vom israelischen Fernsehen, „sie haben den zweifachen Weltfußballer vor Augen. Ansonsten hat man nur gehört, dass Lothar seine Frauen häufig wechselt…“

In Deutschland sind die Zweifel groß, ob ausgerechnet Matthäus mit seiner Fettnäpfchen-Affinität als Deutschlands Botschafter in Israel taugt. „Hoffentlich hat Frau Merkel demnächst nicht zu viel Arbeit, die diplomatischen Beziehungen zu verbessern“, kommentierte Bayern-Manager Uli Hoeneß den Umzug von Matthäus nach Netanya, was Letzterer wiederum nicht wirklich lustig fand. Er werde über Politik nicht sprechen, stellt Matthäus klar und fügte hinzu, dass er bei seinen früheren Israel-Besuchen Land und Leute schätzen gelernt habe. „Mich hat keiner gezwungen, diesen Job anzunehmen.“

Ein reizvoller, wenn auch kein ganz einfacher, wie Matthäus findet. Das Niveau der Mannschaft, die am 14. August in der Uefa-Cup-Qualifikation antreten muss, sei verglichen mit deutschen Verhältnissen zweitklassig, das Budget drittklassig, und die Infrastruktur erinnere an die eines Bezirksligisten. Aber sie haben einen Professor an der Linie.

Roland Wiedemann

Hoeneß will Frieden mit Lothar

Endlich Schluss mit dem Hickhack! Das wünscht sich Uli Hoeneß in Sachen Lothar Matthäus. Der Bayern-Manager sagte der tz: „Wir wollen wirklich keinen Streit mit Lothar. Daran liegt uns überhaupt nichts. Es wäre schön, wenn er es einfach lässt, Sprüche über den FC Bayern zu machen. Vor allem in Richtung Jürgen Klinsmann soll er das unterlassen. Dann ist von unserer Seite auch Ruhe.“ Hoeneß erklärt: „Wenn Lothar nämlich gegen den Jürgen schießt, so tut er das auch automatisch gegenüber dem FC Bayern. Und das ist nicht o.k. Ansonsten gibt es nichts zu beanstanden. Wir wollen die Sache nicht aufheizen. Daran liegt uns überhaupt nichts.“

Hintergrund: Die Beziehung zwischen Matthäus und den Bayern ist seit dem Ende seiner Spielerzeit beim Rekordmeister nicht mehr die beste. Das Hoeneß-Zitat, Matthäus werde im neuen Stadion nicht mal Greenkeeper, ist mittlerweile schon ein moderner Klassiker. Auch in jüngerer Vergangenheit gab’s Reibereien. Vor Kurzem meldete sich Matthäus zu Wort. Er sagte, er verstehe nicht, wieso Hoeneß ihn immer wieder öffentlich zurechtweist. Dass der Manager ihm jetzt die Friedenspfeife reicht, dürfte Matthäus freuen. Schließlich hat er vom Kleinkrieg mit seinem alten Arbeitgeber aus glorreichen Bayernzeiten genausowenig wie andersrum.

Mario Volpe

Quelle: tz

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