Stadt hat mehr zu bieten als nur FCB, 1860 und EHC

Neubauten, Ertüchtigungen, Turniere: Was bringt die Zukunft im Münchner Sport?

Sport in München
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Bürgermeisterin Christine Strobl spricht im Interview über den Sport in München und dessen Zukunft.
Olympiagelände in München
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Der Olympiapark ist das sportliche Herzstück Münchens. 
Sport in München
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Wie ist der Stand jetzt und wohin geht die sportliche Reise? Die Vergangenheit war ja schon meisterlich - wir werfen einen Blick zurück.
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Die Löwen-Fans bei ihrer legendären Meisterfeier 1966.
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Die Olympischen Spiele 1972 prägten das Bild der Stadt München.
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Sepp Maier mit dem WM-Pokal nach dem Finale 1974 in München.
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Trainer Dettmar Cramer mit dem Europapokal der Landesmeister. Den gewann der FCB 1974, 1975 und 1976.
Sport in München
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Uli Roth und Schwabings Handballer wurden 1986 Pokalsieger.

München hat mehr zu bieten als die Fußballer von Bayern und 1860. Wie ist der Stand jetzt und wohin geht die sportliche Reise? Wir sprachen mit Bürgermeisterin Christine Strobl.

Mit zwei Meisterschaften hat sich der EHC Red Bull München, der heuer 20 Jahre alt wurde, in Eishockey-Deutschland etabliert. Der Sponsor aus Österreich wird demnächst im Olympiapark eine neue Spielstätte für seine Kufencracks und die FCB-Basketballer errichten. Die beiden Klubs stehen für Nachhaltigkeit und Beständigkeit im Spitzensport. München hat also mehr zu bieten als die Fußballer von Bayern und 1860. Wie ist der Stand jetzt und wohin geht die sportliche Reise? Die tz sprach mit Christine Strobl. Die SPD-Politikerin ist seit 2006 Bürgermeisterin und u.a. zuständig für den Sport.

In diesen Tagen begeht der EHC Red Bull München sein 20-jähriges Jubiläum – sind er und die Basketballer des FC Bayern abseits des Fußballs die Aushängeschilder der Sportstadt München?

Christine Strobl: Was den Profisport betrifft – natürlich. Das sind die herausragenden Vereine.

Die beiden Klubs bauen ja auch eine neue Halle auf dem Gelände des ehemaligen Radstadions – wie ist der Zeitplan?

Strobl: Es braucht noch einen Stadtratsbeschluss vor der Sommerpause – dann kann’s losgehen. Es wird eine Ausschreibung geben, dann wird der Zuschlag erteilt. Danach findet ein Architektenwettbewerb statt. Aber für das alles gibt es bis jetzt nur einen realistischen Bewerber.

Sie reden von Red Bull.

Strobl: Ja. Bis Ende 2018 sollte der Architekt feststehen, Red Bull baut dann selber. Realistisch gesehen könnte die Halle 2021 den Spielbetrieb aufnehmen, optimistische Stimmen sprechen sogar schon von 2020. Die Bayern-Basketballer würden in dieser neuen Halle Mieter, genauso wie die Stadt auch. Vielleicht könnten wir Teile des Eisclusters – heißt z.B. Schlittschuhlaufen – dorthin vergeben. Auch wenn die alte Eishalle mittelfristig noch weiter genutzt wird.

Und was passiert mit dem Audi-Dome?

Strobl: Der wird von den FC-Bayern-Basketballern weiter genutzt, der Umzug in die neue Halle wird nicht komplett erfolgen. Um Terminüberschneidungen mit dem Eishockey aus dem Weg zu gehen und bei Spielen mit geringerer Zuschauerauslastung eine bessere Atmosphäre zu haben, werden einige Spiele auch weiter in der ehemaligen Rudi-Sedlmayer-Halle stattfinden. Außerdem haben die Bayern ja auch baulich viel in ihren Audi-Dome investiert.

Wie ist der Stand jetzt und wohin geht die sportliche Reise? Die Vergangenheit war ja schon meisterlich - wir werfen einen Blick zurück.

„Olympiastadion wäre allenfalls eine Notlösung für 1860“

Kommen wir zu Münchens größter Sportstätte – dem Olympiapark: Sehen Sie als Aufsichtsratsvorsitzende der Olympiapark GmbH die Zukunft des TSV 1860 im Olympiastadion?

Strobl: Das Olympiastadion wäre allenfalls eine Notlösung. Erstens ist es kein Fußballstadion, deshalb hat der FC Bayern es ja auch verlassen. Und zweitens ist es bei den Löwen-Fans auch nicht unbedingt beliebt. Wir – Christian Ude und ich – haben für den Erhalt des Grünwalder Stadions gekämpft, und ich bin auch froh, dass es so umgebaut wurde, dass man es auch in der dritten Liga nutzen kann. Abgesehen davon, dass es immer noch schön ist, brauchen wir es auch: Das Grünwalder Stadion ist eines der am meisten bespielten Stadien überhaupt.

Immer wieder werden vom TSV 1860 bzw. Investor Hasan Ismaik Neubaupläne eines eigenen Stadions in die Diskussion geworfen – was wäre denn da überhaupt ein realistischer Zeitrahmen?

Strobl: Mindestens fünf Jahre muss man bei so einem Bauvorhaben schon veranschlagen.

Handball-WM 2019: Kein deutsches Vorrundenspiel in München

Näher liegend ist die Handball-WM, die ab 9. Januar 2019 in Deutschland und Dänemark an insgesamt sechs Orten ausgetragen wird. Spielort ist auch München.

Strobl: Insgesamt 15 Vorrundenspiele mit sechs Teams werden hier ausgetragen, aber ohne deutsche Beteiligung. Die Olympiahalle ist mit einem Fassungsvermögen von 12.000 die kleinste Ausrichterhalle. Die Stadt zahlt für die Austragung übrigens einen Zuschuss von 500.000 Euro.

Kann das einen Schub für den Handball in München und Umgebung geben?

Strobl: Es wird mit Sicherheit Kinder und Jugendliche geben, die sagen: Ich gehe jetzt mal zum Handball. Aber einen Boom, wie ihn damals Boris Becker und Steffi Graf im Tennis ausgelöst haben, sehe ich nicht. Dass quasi graswurzelmäßig eine Sportart in den Profibereich aufsteigt, glaube ich nicht. Da brauchen Sie in der heutigen Zeit, in der alles über die Eventschiene läuft, Sponsoren von außerhalb.

„Sportveranstaltungen ohne kommerziellen Eventcharakter haben es schwer“

Abgesehen von Eishockey und Basketball – es gab früher in München mehr Profivereine in Randsportarten. Warum?

Strobl: Man sieht beim Basketball durchaus, dass es möglich ist, eine neue Sportart – neu in Anführungszeichen – zu etablieren. Aber natürlich steht da der FC Bayern dahinter. Es ist nicht einfach, eine neue Sportart auf Spitzenlevel zu bringen, wenn nicht sehr viel Geld dahintersteckt. Im Handball beispielsweise sind Milbertshofen und Schwabing als Profivereine irgendwann von der Bildfläche verschwunden – aber in den 70er- und 80er-Jahren, als diese Klubs groß wurden, waren die Rahmenbedingungen noch ganz andere. Reine Sportveranstaltungen ohne kommerziellen Eventcharakter haben es ungleich schwerer.

Das Sportinteresse in der Stadt ist aber weiterhin groß. Es ist ja nicht so, dass der Münchner nicht gerne Sport treibt.

Strobl: Ganz im Gegenteil. Wir haben mittlerweile über 700 Sportvereine, im vergangenen Jahrzehnt sind rund 90 dazu gekommen. Wenn ich durch den Olympiapark radle, sehe ich viele Leute joggen, Sport machen. Dazu haben wird den München-Marathon, den Firmenlauf, den Stadtlauf, die Winterlaufserie. Hinzu kommen viele, die unorganisiert Sport treiben. Und wir von der Stadt haben Sportangebote im Programm, die so gut angenommen werden, wie wir es nie gedacht hätten. Das sportliche Potenzial ist also ohne Zweifel vorhanden, aber vielleicht nicht auf der Profisportebene.

Ist die Förderung im Profibereich überhaupt Kernaufgabe der Stadt?

Strobl: Sicherlich versucht man dort, wo es geht, Hilfestellung zu leisten. Unsere wichtigste Aufgabe ist es aber, den Breitensport zu fördern, das ist auch so festgelegt. Ich denke da an unsere Schulsport­offensive: Jede Schulsporthalle, die neu- bzw. umgebaut wird, entsteht – wenn es räumlich möglich ist – als Dreifachhalle, damit auch die Vereine dort Sport machen können. Wir bauen jetzt wieder Schwimmhallen, da tut sich also einiges.

„Nutzungskonkurrenz auf bestehenden Sportanlagen nimmt immer mehr zu“

Wie schwierig ist die Suche nach neuen Sportstätten bzw. Flächen, die als Sportgelände erschlossen werden können?

Strobl: Es werden immer mehr Menschen, aber der Platz wird eben nicht mehr. München ist die am dichtesten besiedelte Großstadt Deutschlands. Von 2009 bis 2016 haben wir 160.000 Münchner dazubekommen. Seit 2007 sind 148.500 Sportlerinnen und Sportler mehr in die Vereine geströmt. Es gilt also nicht nur, Wohnraum, Schulen und Kitas zu schaffen – es gibt auch die Aufgabe, mehr Sportstätten zu schaffen. Die Nutzungskonkurrenz auf bestehenden Anlagen nimmt immer mehr zu – aber wir tun, was wir können. Allein 2017 hat die Stadt 52,6 Millionen Euro für den Sport ausgegeben. Den Großteil für Bereitstellung von Infrastruktur und Investition in Sportanlagen.

Was genau zum Beispiel?

Strobl: Die Stadt hat den Siemens-Sportpark übernommen, um die Flächen für die sportliche Nutzung durch eine größere Zahl von Menschen zu sichern. Und wir haben die Öffnungszeiten der Bezirkssportanlagen verlängert, sofern das mit Rücksicht auf die Anwohner möglich war. Dadurch stehen mehr dringend benötigte Trainingszeiten zur Verfügung. Der Sport wirkt im Sinne der städtischen Maßnahmen immer ein bisschen nachgelagert – aber es gibt in diesem Bereich viele Förderprogramme. Nicht zuletzt entsteht mit dem Sportpark Freiham ein Sportareal der Superlative mit zwei Dreifachhallen, einer Schwimmhalle und vielen Freisportanlagen, für das die Stadt 97,6 Millionen Euro bereitgestellt hat.

Gibt es eigentlich Studien, inwieweit sich das Sportverhalten der Münchner verändert?

Strobl: Wir erleben tatsächlich, dass sich das Nutzungsverhalten der Sportstätten verändert. Nehmen wir Bouldern und Indoor-Klettern. Der Alpenverein war durch die Nähe zu den Bergen schon immer stark vertreten in München, aber seit 20 Jahren erleben wird den Trend zum Hallenklettern. Es gibt Sportentwicklungspläne für die Breite – aber die Stadt fördert auch den Leistungssport mit maximal 500.000 Euro pro Jahr.

Regattastrecke Oberschleißheim: Rückbau und Ertüchtigung

Noch mal zum Leistungssport: Wie sieht die Zukunft der Ruderregattastrecke aus?

Strobl: Wir wollen die Strecke erhalten, damit da auch in Zukunft Rennen stattfinden können. Aber die Tribüne zum Beispiel ist viel zu groß. Wir sind also dabei, Lösungen zu finden, um da zurückzubauen (lesen Sie auch: Hotel schlüpft unter Regatta-Tribüne). Grundsätzlich aber wollen wir die Anlage ertüchtigen, da wir immer wieder hören, dass sie von den Bedingungen vor Ort eine der schönsten überhaupt ist. Es gibt da mehrere Varianten: Die wahrscheinlichste ist diejenige, welche sowohl eine Nutzung durch den Breiten- wie auch den Leistungssport ermöglicht. Dass also auch nationale und internationale Regatten weiterhin stattfinden können.

Eine Hockeyhalle für den Münchner SC inklusive angeschlossenem Leistungszentrum hat sich nicht realisieren lassen?

Strobl: Sie nennen übrigens ein gutes Beispiel für gelungenen Spitzensport in München. Die Herren des MSC haben im Feldhockey den Wiederaufstieg in die Erste Bundesliga geschafft, die Damen spielen dort seit Jahren eine gute Rolle, haben Nationalspielerinnen in ihren Reihen. Doch das findet eben eher fernab des großen Zuschauerinteresses statt. Die anvisierte Halle konnten wir nicht finanzieren, weil das Land den Großteil der Kosten auf die Kommune abwälzen wollte – das ist aber nicht unsere Aufgabe. Dazu war das Projekt zu wenig auf den Breitensport ausgerichtet. Wer sich mit Medaillengewinnern schmücken will, muss auch die Leistungssportförderung stemmen.

Bürgermeisterin Christine Strobl spricht im Interview über den Sport in München und dessen Zukunft.

Für viele Vereine dürfte es schwierig sein, solche Dinge in Eigenregie umzusetzen?

Strobl: Beim MSC hat es leider nicht geklappt. Der Verein konnte das alleine nicht stemmen, eine Förderung vonseiten der Stadt hätte nicht ausgereicht. Vielleicht wird ja in Zukunft etwas daraus. Neben der regulären Förderung der Vereine haben wir auch ein Sonderförderprogramm mit einem Budget von vier Millionen Euro im Jahr. Das Pilotprojekt kann man beim ESV München sehen: Dort wird die Sporthalle um sechs Sporträume für unterschiedliche Sportarten erweitert.

Wie sieht es mit einer Halle für die Skater aus? Auch im Bereich Trendsport ist die Nachfrage ja groß.

Strobl: Wir bauen auf 4000 Quadratmetern ein Action-Sportzentrum an der Paul-Gerhardt-Allee in Pasing, auf dem Areal der alten Eggenfabrik. Rund um die als Industriedenkmal geschützte Halle entstehen auch eine Kita, ein Jugendtreff etc. – da werden viele Sportbegeisterte eine neue Heimat finden, wie Skateboarder, Freestyle-Biker und Parcourläufer. Das wird eine große Angelegenheit.

Interview: Bernd Brudermanns, Christian Schulz


Münchner Meister-Mannschaften abseits des Fußballs

Münchner Teams waren in der Nachkriegszeit auch in anderen Sportarten als Fußball erfolgreich. Es kommt ganz darauf an, in welche Zeit man zurückblickt:

Die Bayern-Basketballer konnten drei Meisterschaften (1954, 1955, 2014) sowie einen Pokalsieg (1968) einfahren. Zwei Meisterschaften holte der MTSV Schwabing (1947, 1949), bei den Damen hatte zunächst Jahn München die Nase vorn: 1947, 1948, 1950 und 1951 ging die Meisterschaft an die Isar. Weniger lange zurück liegen die Pokalsiege der Frauen desUSC München (1975, 1982, 1987, 1990, 1991), die 1992 als Lotus München auch noch die Meisterschaft feierten.

Die Männer des MTSV Schwabing zeigten auch im Handball, was sie können – und wurden Pokalsieger 1986. Lokalrivale TSV Milbertshofen sicherte sich erst den Pokalsieg 1990 und holte im Jahr darauf den Europacup der Pokalsieger. Zeitgleich gehörten auch die Volleyballherren des Vereins zur nationalen Elite: Einem Pokalsieg 1991 folgte die Meisterschaft 1992.

Im Eishockey holten vier Teams die Meisterschaft: MTV 1879 (1922), EC Hedos (1994), Barons (2000) und EHC Red Bull (2016, 2017). Im Hallenhockey gingen Titel an Rot-Weiß München (2001) und den Münchner SC (2003, 2006).

Selbst American Football können die Münchner: Meister 1993 wurden die Munich Cowboys.

So sporteln die Münchner

München wächst rasant – und damit auch die Zahl derjenigen, die in Vereinen aktiv sind. Von 2007 bis 2017 stieg sie von 425.839 auf 576.724. Und wer macht was? Laut einer Studie des Referats für Bildung und Sport waren 2017 genau 192.432 Münchner/-innen Mitglieder in 169 Turn- und Wandervereinen. Auf den Plätzen folgte Klettern/Bergsport (38.959 in 48 Vereinen), Fußball (36.203 in 165), Tennis (12.439 in 57), Schwimmen (10.019 in 35), Leichtathletik (7059 in 40), Tanzsport (5551 in 41), Schießsport (5407 in 83), Volleyball (5325 in 112), Handball (4505 in 26), Basketball (4061 in 36), Hockey (3982 in 13) und Eissport (3958 in 39).

2017 förderte die Stadt München 705 Sportvereine mit durchschnittlich je 52.198 Euro pro Jahr. Im Etat machte allein der Sport 52,6 Millionen Euro aus. Im Rahmen des Aktionsprogramms Schul- und Kita-Bau 2020 werden 115 neue Sporthalleneinheiten und sieben neu Schwimmhalleneinheiten gebaut. Eines der größten Projekte ist der Sportpark Freiham. Für 97,6 Millionen Euro entsteht dort bis Anfang 2020 eine Anlage für Schul-, Vereins- und Breitensport. In München findet im Juli die Studenten-WM im Beachvolleyball statt.

Im August steht der Boulder-Weltcup im Olympiastadion an, im Januar 2019 wird die Handball-WM in Deutschland und Dänemark ausgetragen. Spielort ist auch München.

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