Skurriler Radsportfan

Tourteufel Senft: Jetzt droht ihm die Pleite…

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„Tourteufel“ Senft mit seinem Dreizack „100 Jahre Tour“ aus dem Jahr 2003

Storkow - Er gehörte aus Sicht der Radsportfans zur Tour de France wie das Gelbe Trikot und L’Alpe d’Huez: ­Didi Senft. Jetzt droht dem Tourteufel die Pleite.

Seit 1993 hatte der Mann aus Storkow (Mark Brandenburg) im Teufelskostüm und mit Dreizack die Stars am Streckenrand begleitet, wurde ein Motiv für Fotografen und Kameras und damit interessant für Sponsoren. Doch das ist vorbei: Mit dem Kupplungsbauer Luk ist der letzte Geldgeber abgesprungen.

Angefangen hatte alles 1993 mit einem gebrauchten Golf. Zusammen mit seiner Frau Margitta wollte er in Frankreich Udo Bölts, Rolf Aldag, Olaf Ludwig & Co. anfeuern. Und um erkannt zu werden, hatte er die Idee mit dem Teufelskostüm.

Da das Ehepaar im Auto übernachtete, hielten sich die Kosten in Grenzen. Dank Sponsorengeldern konnte sich der „Tourteufel“ später einen gebrauchten VW-Kleinbus leisten. „Das war wie im Paradies. Ich baute ein Bett ein, verstaute Werkzeug sowie Getränke, und ab ging’s zur Tour“, erinnert sich „Didi“. In Frankreich immer im Schlepptau hatte er einen Anhänger mit Radmodellen, wie das größte Rad der Welt. Schon nach zwei, drei Jahren bei der Tour erlangte der Märker als „Tourteufel“, „El Diablo“ oder „the Devil“ Weltberühmtheit. Und die Erinnerungen an diese Zeit bewahrt Senft in seinem einzigartigen Radmuseum unweit der A12 zwischen den Orten Neu Boston und Philadelphia.

„Das Leben auf der Landstraße war nicht immer einfach“, erinnert sich der ehemalige Karrosseriebauer und Modellkünstler. „Ich wurde ein paarmal überfallen. Ich stellte mich nachts deshalb mit meinen Bus meist auf beleuchtete Marktplätze oder in die Nähe von Kirchen. Da hatte ich Ruhe.“

Verhungern und verdursten musste Senft nicht: „Die Italiener liebten mich. Aus den Begleitfahrzeugen warfen sie mir auf jeder Etappe Verpflegungsbeutel und gefüllte Trinkflaschen zu. Ich wurde von den Italienern wie ein Radprofi verpflegt.“

Seit Anfang Februar ist Senft im Ruhestand. „Ich wollte von meinem Museum leben“, sagt er. Die Rechnung ging nicht auf. Kommen auch in diesem Sommer nicht mehr Fans, muss er dichtmachen. Und Tausende Radsporterinnerungen werden auf dem Müll landen…

mh

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