Michael Kohlmann: Gar nichts Negatives!

Regen bei Iphitos: Daviscup-Teamchef im tz-Interview

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Michael Kohlmann mit Philipp Kohlschreiber.

München - Daviscup-Teamchef Michael Kohlmann sah wegen des Münchner Schnürlregens kein Tennis am Dienstag. Dafür hatte Kohlmann Zeit für ein Interview mit der tz.

Seit Februar 2015 ist Michael Kohlmann Teamchef der deutschen Daviscup-Mannschaft. Der 41-Jährige übernahm das Amt von Carsten Arriens, der nach heftigen Querelen mit Spitzenspieler Philipp Kohlschreiber zurückgetreten war. Am Dienstag besuchte der Ex-Profi, der selbst für Deutschland mehrfach Doppel spielte im Daviscup, die BMW Open. Tennis sah der Bundestrainer wegen des Münchner Schnürlregens nicht. Dafür hatte Kohlmann Zeit für ein Interview mit der tz.

Zum Einstand als Teamchef gab’s ein 2:3 gegen Frankreich. Mitte September muss Ihr Team gegen den Abstieg aus der Weltgruppe kämpfen.

Michael Kohlmann: Trotzdem bin ich stolz auf die Mannschaft, wir hatten eine gute Woche, auf der Leistung lässt sich aufbauen.

Sie haben Ihre Entscheidung, vom Co-Trainer zum Chef aufzusteigen, also nicht bereut?

Michael Kohlmann: Ich hatte die Position als Daviscup-Teamchef schon seit dem Ende meiner Profikarriere im Kopf. Das ist eine große Chance und eine riesige Herausforderung.

Was zeichnet einen guten Teamchef aus?

Michael Kohlmann: Er braucht einen engen Draht zu den Profis, muss den Spielern, die ja auf der Tour als Einzelkämpfer unterwegs sind, Teamgeist vermitteln.

Was offensichtlich nicht immer ganz einfach ist. Vor allem mit Philipp Kohlschreiber hatten Ihre Vorgänger Carsten Arriens und Patrik Kühnen ihre Probleme.

Michael Kohlmann: Philipp ist nicht nur auf dem Platz ein guter Spieler, er beschäftigt sich mit dem Sport. Die Woche mit ihm war etwas Außergewöhnliches, die Kommunikation war perfekt. Ich kann nicht ansatzweise etwas Negatives über ihn sagen.

Warum hatten Ihre Vorgänger dann Probleme mit ihm?

Michael Kohlmann: Um das zu beurteilen, war ich zu weit weg.

Planen Sie auch noch mit Tommy Haas, der bei den BMW Open wegen seiner lädierten Schulter wieder mal ein Turnier streichen musste und nach den vielen OPs mit 37 Jahren vorm Karriereende steht?

Michael Kohlmann: Tommy ist ein außergewöhnlicher Spieler. Er hat im letzten Jahr gezeigt, dass er auch fürs Doppel eine Alternative ist. Wenn er sich irgendwie einbringen will, er gesund ist und die Leistung stimmt, ist er auf jeden Fall ein Thema. Die Tür für ihn ist bei mir auf jeden Fall offen.

Sie haben Niki Pilic ins Coaching-Team geholt…

Michael Kohlmann: Niki hat den Cup fünfmal gewonnen. Er bringt unheimliche Erfahrung mit, ist ein absoluter Fachmann. Den bringt nichts aus der Ruhe. Er ist die Respektperson. Er hat eine klare Meinung, er hat aber auch immer betont, dass ich den Kopf hinhalten muss – also, dass ich letztlich die Entscheidungen treffe.

Der 18-jährige Alexander Zverev gilt als Deutschlands größtes Talent, hat in Runde eins der BMW Open Benny Becker 4:6, 6:1, 6:2 besiegt – steht er ganz oben in Ihrem Notizbuch?

Michael Kohlmann: Alexander hat auf jeden Fall das Potenzial, ins Daviscup-Team zu kommen, aber man muss abwarten, wie er sich entwickelt, und man muss sehen, wie es bei Florian Mayer, Haas, Jan-Lennard Struff, Peter Gojowczyk, der von einer Verletzung zurückkommt, weitergeht. Jetzt sich auf ein Team festzulegen, wäre zu früh. Aber wenn sich Alexander so weiterentwickelt, gehört er auf jeden Fall zu den Kandidaten.

Interview: Frank Gothe

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