Zukunft des Weitspringers

Rehm: Entscheidung erst im August 2015!

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Noch ist nicht klar, ob Rehm einen Vorteil hat.

München - Nach der Diskussion um den unterschenkelamputierten Weitspringer Markus Rehm fordert der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) Aufklärung durch den Weltverband IAAF.

DLV-Präsident Clemens Prokop bestätigte der tz: „Wir werden dazu einen Antrag bei der IAAF einreichen, wie der inhaltlich genau aussieht, können wir noch nicht sagen.“ Klar ist, dass es dabei um die Präzisierung oder Neufassung des Artikel 144 gehen soll. In den internationalen Wettkampfregularien heißt es unter Regel 144, Absatz 2c, dass „der Gebrauch von Technologien oder Geräten, die dem Nutzer einen Vorteil gewähren“, nicht erlaubt ist. Der Begriff „Vorteil“ sei aber schwer zu fassen, sagte Prokop.

Ob Rehm den deutschen Meistertitel behalten darf, wird in den kommenden Wochen geklärt, eine internationale Grundsatzregelung wird sich lange hinziehen. Wie die tz erfuhr, kann über den DLV-Antrag und damit über die sportliche Zukunft von Markus Rehm frühestens nächstes Jahr abgestimmt werden! „Die nächste Möglichkeit ist beim Kongress im August 2015, vorher wird keine Entscheidung gefällt“, bestätigte Helmut Digel, Mitglied des IAAF-Councils, der tz.

Prokop widersprach bei Spiegel Online den Vorwürfen, dass der DLV zu lange mit einem Gutachten gezögert habe. Der DLV habe intern diskutiert, einen Antrag beim Weltverband IAAF zu stellen, dies aber nach Rücksprache mit der IAAF verworfen. Nun kommt der Antrag doch. Dass er viel ändern wird, glaubt Digel nicht: „Ich gehe davon aus, dass die IAAF das gleiche Urteil fällt wie bei Oscar Pistorius. Der Fall Rehm bietet keinen Neuigkeitswert, er ist absolut gleichzusetzen mit dem Fall von Pistorius.“ Damals musste sich die IAAF letztendlich einem CAS-Urteil beugen.

Persönlich könne Digel verstehen, wenn Rehm seinen Start einklagen würde, „aber als Funktionär muss ich versuchen, einen fairen Wettkampf zu gewährleisten.“ Durch die Prothese sei das nicht gegeben. Digel weiter: „Außer Konkurrenz würde ich ihn immer mitspringen lassen, aber im Wettbewerb gibt es begrenzte Startplätze. Es geht auch um Sponsorenverträge und Preisgelder.“ Rehm hatte am vergangenen Wochenende Leichtathletik-Geschichte geschrieben und als erster Springer mit Handicap den deutschen Meistertitel bei den Nicht-Behinderten gewonnen.

Mathias Müller

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