So lief der Eingriff von Bogenhausens Chefarzt Dr. Ludwig Seebauer

Riberys 25-Millionen-Bein unterm Messer

+
Spezialist Dr. Seebauer ist Chefarzt der Orthopädischen Abteilung in Bogenhausen.

Klinikum Bogenhausen, Donnerstag Vormittag, 11.30 Uhr. Im OP-Saal studiert Chefarzt Dr. Ludwig Seebauer (47) noch mal genau die Kernspinbilder seines prominenten Patienten.

Dann greift er zum Skalpell. Mit einem nur vier Zentimeter kleinen Schnitt durchtrennt er die Haut an der Außenseite des Unterschenkels, knapp oberhalb des Knöchels. Es ist das verletzte Bein von Stürmer-Star Franck Ribéry (25). Das Bein ist 25 Millionen Euro wert. Da darf nichts schiefgehen.

Doch der erfahrene Orthopäde ist die Ruhe selbst. Er ist komplizierte Eingriffe bei teuren Spitzensportlern gewohnt. 2006 rettet er Philipp Lahm mit einer Ellenbogen-OP die WM-Teilnahme. Bei Ribéry geht es um die nächste Saison bei Bayern.

So kam es zu Franck Ribérys Syndesmoseriss

So kam es zu Franck Ribérys Syndesmoseriss © 
Kurz vor dem Unglück: Franck Ribery im Zweikampf mit Italiens Gianluca Zambrotta... © dpa
Ribery foult den Italiener, kommt dann aber selber ins Straucheln und fällt so unglücklich... © dpa
... dass er sich vor Schmerzen krümmt. Zunächst sieht alles nicht so schlimm aus... © dpa
... doch schließlich muss der Franzose mit dem Letzi-Mobil (das Zürcher Stadion heißt Letzigrund, daher der Name) abtransportiert werden... © dpa
Ribery mit schmerzverzerrtem Gesicht. © dpa
Teamkollege Thierry Henry zeigt sich fürsorglich. © dpa
Auch die Verantwortlichen des FC Bayern vor dem Fernseher dürften geschockt gewesen sein... © dpa
Kurz darauf dann die erste vage Diagnose: Unterschenkelbruch. Mittlerweile hat sich herausgestellt: Der 24-Jährige hat einen Syndesmoseriss. © dpa

Mehr zum Thema:

Weltmeister Italien jubelt - Frankreich trauert - Rumänen raus

Der Ribéry-Schock!

Nach Syndesmoseriss: Ribéry erfolgreich operiert

Am Dienstagabend konnte Seebauer zu Hause am Bildschirm live miterleben, wie sich sein Patient im Spiel Italien gegen Frankreich verletzte: „Das Knie war stark gebeugt und der Fuß maximal nach oben gedrückt“, erklärte er gestern der tz. „Ich habe sofort gesehen, dass das kein Beinbruch war, sondern ein Riss der so genannten Syndesmose. Das ist ein sehr festes Band, das Schien- und Wadenbein zusammenhält und miteinander verbindet. Wird der Fuß extrem weit nach oben gebogen, sprengt diese Bewegung Schien- und Wadenbein über dem Sprunggelenk wie ein V weit auseinander. Bei den Kräften, die hier entstehen, kann das Syndesmoseband reißen. Ich habe gleich zu meiner Frau gesagt, dass der Ribéry am nächsten Abend zu uns kommt.“

Seebauer behielt recht. Gestern Mittag nähte er das gerissene Band zwischen den beiden Knochen mit einem stabilen Faden wieder zusammen. Zuvor hatte er das Bein mit einer Art Blutdruckmanschette so stark zusammengedrückt, dass kein Blut mehr in den Unterschenkel fließen konnte. In dieser Blutleere können Orthopäden besonders sorgfältig operieren. „Nach der Bandnaht haben wir Schien- und Wadenbein zusätzlich mit einer Schraube verbunden. Sie stabilisiert den Unterschenkel. In sechs Wochen können wir diese Schraube entfernen, dann ist das Bein wieder belastbar und Franck kann mit vorsichtigem Lauftraining beginnen. Doch bis dahin muss er an Stöcken laufen und den Unterschenkel entlasten.“

Als Ribéry gestern Nachmittag aus der Narkose erwachte, fühlte er sich gleich wie zu Hause. Denn Dr. Seebauers Assistenzärztin Dr. Gloria Baier, die sich auf der Privatstation um den verletzten Bayern-Spieler kümmert und auch bei der Operation assistierte, spricht perfekt französisch. „Das hat Franck und uns sehr geholfen, denn Ribéry kann kein Wort Deutsch“, so Dr. Seebauer.

Bereits heute wird er seinen prominenten Patienten wieder entlassen: „Das Bein hoch lagern kann Franck auch zu Hause“, sagt Seebauer. „Wenn wir in sechs Wochen die Schraube entfernt haben, wird es noch weitere vier Wochen dauern, bis Franck wieder spielen kann. Das wären dann insgesamt zehn Wochen Pause. Wenn alles optimal verläuft, ist er ab September voll im Einsatz.“

Michael Timm

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Boxen: Tyson Fury schlägt Tom Schwarz K.o. - und verblüfft mit Geste
Boxen: Tyson Fury schlägt Tom Schwarz K.o. - und verblüfft mit Geste
Drama um bekannten bayerischen Motorsportler: 23-Jähriger stirbt auf Rennstrecke
Drama um bekannten bayerischen Motorsportler: 23-Jähriger stirbt auf Rennstrecke
Gelähmter Ex-Skispringer Lukas Müller kann wieder gehen - jetzt spricht er über seinen Alltag
Gelähmter Ex-Skispringer Lukas Müller kann wieder gehen - jetzt spricht er über seinen Alltag
Tränen nach K.o.: Fury verprügelt überforderten Schwarz
Tränen nach K.o.: Fury verprügelt überforderten Schwarz

Kommentare