Kanutin triumphiert in Tokio

Olympiasiegerin Ricarda Funk: Gold für die Flutopfer und den toten Trainer

Olympiasiegerin Ricarda Funk findet ihre innere Ruhe unter anderem beim Yoga
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Olympiasiegerin Ricarda Funk findet ihre innere Ruhe unter anderem beim Yoga.

Kanutin Ricarda Funk holt bei Olympia 2021 das erste Gold für die deutsche Mannschaft. Doch die 29-Jährige kennt auch die Kehrseite des Lebens ziemlich gut.

Tokio - Emotionaler Coup für Slalom-Kanutin Ricarda Funk! „Ich kann es einfach nicht glauben, ich kann es einfach nicht glauben. Es ist einfach fantastisch, mega. Das hätte ich mir niemals erträumen können. Das ist der Wahnsinn“, sagte die 29-Jährige nach ihrem überraschend Triumph im Kajak-Einer vor Maialen Chourraut (Spanien) und Jessica Fox (Australien) und dachte dann sofort an die Flutopfer in ihrer Heimat in Ahrweiler und an ihren vor fünf Jahren in Rio verstorbenen Ex-Trainer Stefan Henze († 35).

Funks Eltern leben noch heute im nur wenige Kilometer entfernten Bad Breisig und helfen bei den Aufräumarbeiten mit. „Es ist einfach unfassbar, was da passiert ist. Ich schicke ganz viel Liebe nach Hause. Der Kreis Ahrweiler ist stark, gemeinsam schaffen wir das“, sagte Funk, die seit zehn Jahren in Augsburg eine zweite Heimat gefunden hat.

Ricarda Funk: Die Olympiasiegerin von Tokio und ihre persönlichen Tragödien

Auch die Strecke in Sinzig, auf der die erste deutsche Goldmedaillengewinnerin von Tokio (der Medaillenspiegel) das Paddeln gelernt hat, sei komplett zerstört. „Das ist supertraurig, da bin ich aufgewachsen und dort hat alles angefangen“, sagte Funk: „Es tut im Herzen weh, die Heimat so zu sehen. Ich bin unfassbar traurig wegen all der Menschen, die so leiden momentan.“

Am Dienstag stand Funk ganz oben, vor fünf Jahren war sie am Tiefpunkt. Sie verpasste die Qualifikation für Rio und musste von zu Hause miterleben, wie ihr Trainer Stefan Henze nach einem Autounfall während Olympia an den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas starb. „Der ist ganz tief im Herzen und er ist überall mitgefahren, auf der ganzen Reise, bei jedem Wettkampf und bei jedem Training“, sagte Funk mit tränenerdrückter Stimme. Leise fügte sie an: „Und er gibt mir immer noch meine Tipps.“

Kanutin Ricarda Funk holt Goldmedaille - „Schutt und Dreck“ in der Heimat

Ihr ersten Erfahrungen in einem Boot sammelte sie im Alter von rund fünf Jahren mit Papa Thorsten. Die Liebe zum Kanuslalom kam erst später, bei ihrem ersten Wettkampf wurde sie noch Letzte. Die Zeiten haben sich geändert. Im Feld der Weltklasseathletinnen ist Funk (53 kg, 1,70 Meter) mit die leichteste, doch sie hat enorme Kräfte am Paddel. „Es ist cool, wenn man so ein Kraft-Last-Verhältnis hat. Manchmal macht es einfach Spaß, wenn man ein paar Leute ärgern kann.“

Ihre Familie, ausgestattet mit „Rici“-Fanshirts, meldete sich nach dem grandiosen und überraschenden Finale bei den Olympischen Sommerspielen 2021 per Videoschalte bei Funks Besuch im ARD-Studio. „Wenn man im Katastrophengebiet ist, denkt man sich schon, welchen Wert hat jetzt noch eine olympische Medaille“, sagte Vater Thorsten: „Aber in diesem ganzen Schutt und Dreck glänzt dieses Gold dann schon wie so ein paar Sonnenstrahlen.“

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