"Ein Gefühl der Ungerechtigkeit"

Papa-Coach Lisicki über Wimbledon, rote Teppiche und Hingis

+
Sabine Lisickis Vater Richard (Foto) ist Sportwissen­schaftler, ...

München - Sabine Lisicki ist zurück in ihrer Wohlfühloase. Wie belastbar dieser Aufschwung ist, warum es wieder läuft –das erklärt ihr Vater und Trainer Richard Lisicki im tz-Interview.

In Wimbledon rauschte sie durch die erste Runde, als sei nichts gewesen. Dabei hat sie ein regelrechtes Katastrophenjahr hinter sich. Wie belastbar dieser Aufschwung ist, warum es wieder läuft –das erklärt ihr Vater und Trainer Richard Lisicki im tz-Interview.

Herr Lisicki, wie haben Sie dieses erste Spiel erlebt, die Rückkehr auf den Centre Court?

Lisicki: Sabine war unheimlich nervös, sehr angespannt, hat aber erstaunlich schnell ihre Ruhe und Sicherheit gefunden. Auf einem Platz, der ihr immer eine besondere Kraft gibt. Es ist wie eine Rückkehr ins eigene Zuhause, einfach ein gutes Gefühl. Dieser Centre Court, der All England Club überhaupt, das ist immer eine Inspiration für Sabine. Es gibt einfach eine Assoziation im Kopf bei ihr: Wimbledon ist gut gewesen, ist gut für mich. Und wird auch gut sein und bleiben.

Kann Sie wirklich regelmäßig darauf vertrauen, dass in Wimbledon schon alles gut wird?

Lisicki: Ich wünsche mir, dass sie endlich mal über Wochen und Monate schmerz- und verletzungsfrei spielen kann. Denn das war schon das größte Problem im letzten Jahr, diese ewigen Rückschläge, die Probleme mit dem Handgelenk, mit der Schulter. Es ist nicht so, dass wir auf Wunderdinge in Wimbledon setzen. Wir hätten uns sicher eine andere Geschichte nach dem Finaleinzug 2013 gewünscht.

War auch dieser Riesentrubel nach dem Endspiel ein Problem?

... ihr Freund Oliver Pocher Comedian.

Lisicki: Das spielte eine Rolle, das stimmt schon. Ich glaube, wir haben alle unterschätzt, was dieses Turnier vor zwölf Monaten ausgelöst hat, welche Bedeutung das hatte. Das war schon ein extremer Rummel, und es brauchte seine Zeit, bis sich Sabine darauf eingestellt hatte. Sie hat alles gegeben in der Zeit nach Wimbledon, aber es klappte nicht aus einem Grund, den man vorher gar nicht kannte, der nichts mit dem Sport selbst zu tun hatte. Dann versucht man, sich krampfhaft zu befreien – und es wird noch schlimmer. Irgendwann haben wir gesagt: Okay, jetzt machen wir eine gute Vorbereitung auf 2014, starten da durch. Nur kamen auch in dieser Saison gleich wieder diese ärgerlichen Verletzungen.

Es gab immer wieder Vorwürfe, dass Ihre Tochter nicht ausreichend trainiere und lieber auf dem roten Teppich als auf dem Trainingsplatz stehe.

Lisicki: Diese Schlagzeilen ärgern mich wirklich. Ich weiß, wie hart Sabine für ihre Karriere arbeitet, was sie alles geopfert hat, um Profi werden zu können. Ich weiß nicht, warum man ihr solche Vorwürfe an den Kopf wirft. Die zwei-, dreimal, die sie zu Empfängen oder Sportlerwahlen gegangen ist, sind doch kein Beweis dafür, dass sie nicht richtig trainieren würde. Wie kann man da einen Zusammenhang herstellen? Aber es lohnt sich nicht, sich damit länger zu beschäftigen.

Wie nimmt Ihre Tochter das hin?

Lisicki: Sie konzentriert sich letztlich auf ihre Arbeit, blendet das aus. Lässt es gar nicht übermäßig an sich herankommen. Aber ein Gefühl, dass sie manchmal ungerecht behandelt worden ist, das gab es schon.

Nun hat Martina Hingis, zwischenzeitlich als Beraterin, Mentorin und Trainerin beschäftigt, wieder das Camp Lisicki verlassen. Bedauern Sie das?

Lisicki: Es war Martinas Entscheidung. Als Sabine und sie den Titel in Miami gewonnen haben, hat Martina noch mal Blut geleckt. Sie will jetzt noch mal richtig im Doppel angreifen, aber das passt dann eben nicht mehr zu einem Trainerjob. Sie sagt selbst, dass sie für einen Trainerposten noch alle Zeit der Welt hat.

War das Intermezzo mit Hingis letztlich nicht reine Zeitverschwendung?

Lisicki: Auf keinen Fall. Sabine hat profitiert von dieser Zusammenarbeit, von den Gesprächen mit Martina, von ihrer Erfahrung in der Weltspitze. Es war eine schöne Zeit, die noch Früchte tragen wird. Ganz sicher.

Und nun sind Sie erneut als Trainer im Einsatz: Warum ist Papa wieder der Beste?

Lisicki: Viele Leute lesen immer: Vater Lisicki trainiert seine Tochter. Das klingt ein bisschen abschätzig. Ich kenne das Geschäft, ich habe große Trainererfahrung, ich habe früher schon die polnische Nationalmannschaft betreut. Das Wichtigste ist aber: Ich weiß, was zu tun ist, damit Sabine gutes Tennis spielt und die Technik ihres Spiels stimmt.

Interview: Jörg Allmeroth

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Ex-MotoGP-Weltmeister Nicky Hayden nach Unfall gestorben
Ex-MotoGP-Weltmeister Nicky Hayden nach Unfall gestorben
EuroLeague: Erster türkischer Triumph durch Fenerbahce
EuroLeague: Erster türkischer Triumph durch Fenerbahce
So sehen Sie die French Open 2017 live im Free-TV und Live-Stream
So sehen Sie die French Open 2017 live im Free-TV und Live-Stream
Eine Frechheit: Viele Zuschauer nach Mega-Boxkampf enttäuscht
Eine Frechheit: Viele Zuschauer nach Mega-Boxkampf enttäuscht

Kommentare