Münchner Boxers wird Weltmeister

Robin Krasniqi: 15 Jahre und drei Runden

Krasniqi präsentiert seine WM-Gürtel
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Vollbracht: Robin Krasniqi kann sein Glück kaum fassen.

Er war angetreten um endlich Weltmeister zu werden - und diesmal hat Robin Krasniqi den Ankündigungen Taten folgen lassen. Der erste große Titel für einen Faustkämpfer aus Bayernn

München/Magdeburg – Robin Krasniqi wusste gar nicht, wohin mit seiner Freude, mit seiner Energie. Es waren noch jede Menge Reserven da, denn er hatte sich auf zwölf Runden eingestellt. Auf zwölf mal drei Minuten, auf ein Auf und Ab, nicht nur auf den Kampf mit einem Gegner, sondern auch mit sich selbst. Und dann das: Alles erledigt in der dritten Runde. Dominic Bösel lag auf dem Ringboden in der Magdeburger Arena, der Blick verriet, dass er nach Orientierung suchte und sicher noch nicht einordnen konnte, was gerade geschehen war.

Nämlich: Dominic Bösel, 30, hatte das Prädikat „einziger deutscher Weltmeister in einem relevanten Boxverband“ verloren. Diese Auszeichnung gehörte nun Robin Krasniqi, 33, gebürtig aus Junik im Kosovo, zum Boxer geworden und als junger Mann aufgewachsen in München. Krasniqi fegte durch das Seilgeviert, er vollführte wilde Sprünge. Weil er mehr als einen Kampf gewonnen hatte (dieses Erlebnis hatte er als Profi zuvor schon 50 Mal). „Dieser Kampf“, sagte er, „hat 15 Jahre gedauert.“

Er war 17, als er mit seiner Familie in München ankam – geflüchtet aus dem Kosovo. Er sprach nicht Deutsch, er musste das erst lernen. Er hatte ein bisschen Kickboxen gemacht in seiner Jugend, das klassische Boxen war ihm noch nicht vertraut. Er ging in die Münchner „Boxfabrik“, lernte, wurde Profi, ohne Amateur gewesen zu sein. Er boxte sich durch Festzelte und die Ranglisten hinauf. 2007 durfte er sich im Rahmen von Henry Maskes Comeback-Kampf gegen Virgil Hill in der Münchner Olympiahalle zeigen. Richtig los ging es mit dem Wechsel zu Promoter Ulf Steinforth nach Magdeburg. Ab 2013 bekam Krasniqi, der seinen offiziellen Vornamen Haxhi gegen das vermarktbarere Robin eingetauscht hatte, seine großen Chancen. Doch ob gegen den Briten Nathan Cleverly in der Wembley-Arena oder die deutschen Stars Jürgen Brähmer und Arthur Abraham – wenn es darauf ankam, verlor er. „Nach meinen Niederlagen“, blickte er am Samstagabend zurück, „hat man gesagt, ich sei am Ende. Ich habe an meinem Ziel immer festgehalten.“

Die Familie, die auf Wochenmärkten in und um München mit Obst- und Gemüseständen zu finden ist, unterstützte ihn. Seit eineinhalb Jahren lebt Krasniqi in „Gersthofen, Germany“, wie der Ringsprecher in Magdeburg es ausrief. Krasniqi hat in der Kleinstadt ein Boxgym eröffnet, betreibt im nahen Augsburg eine Eisdiele. Die Familie hilft auch da, und somit sind alle Krasniqis nun Halbschwergewichts-Weltmeister der IBO und interimistisch der WBA.

Dominic Bösel hatte ihn unterschätzt. Mit smartem Lächeln hatte der Titelverteidiger seinen Walk-In absolviert, sich im Vorfeld zuversichtlich geäußert: „Ich bin der bessere Techniker und Taktiker und auch körperlich stärker.“ Sein Trainer Dirk Dzemski, früher der Coach von Krasniqi, war ratlos: „Zwei Runden lief es nach Plan, dann läuft Dominic in Robins rechte Schlaghand hinein.“ Sie traf ihn dreimal.

„Ich bin komplett taub“, meine Krasniqi im Lärm, den 2000 Zuschauer in Magdeburg veranstalteten. Als „das Beste, was mir passieren kann“ hatte er den Kampf bezeichnet. Sein Fight davor war nicht mal mehr im MDR zu sehen gewesen, nun war er Top-Act in der ARD nach dem Länderspiel. Der Tag seines Lebens.

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