Drittgrößtes Sportevent der Welt

Rugby-WM: Wenn die wilden Männer tanzen

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Die Rugby-Nationalmannschaft Neuseelands ist für ihr martialisches Auftreten weltweit bekannt.

London - Wenn am Freitag die Rugby-WM in England beginnt, heißt der große Turnierfavorit Neuseeland. Ein deutsches Team im Starterfeld sucht man hingegen vergeblich.

Harter, ehrlicher Männersport - am Freitag startet in England die achte Rugby-WM (18. September bis 31. Oktober). Nach der Fußball-WM und den Olympischen Spielen ist dieses sechswöchige Turnier, bei dem 20 Mannschaften versuchen, einen ovalen Ball über die Gegner-Grundlinie zu befördern, das größte Sportereignis auf dem Planeten! 2,5 Millionen Fans werden auf der Insel erwartet, hunderte Millionen werden die Spiele weltweit im TV sehen, in Deutschland überträgt Eurosport live.

Die Mannschaft des Deutschen Rugby Verbands hat sich (wie immer) nicht qualifiziert, auch deshalb fristet der Sport ein Randdasein. In Frankreich, England, Schottland, Australien, Südafrika oder Italien ist das anders. Auch der Titelverteidiger, die All Blacks, genießen in ihrer neuseeländischen Heimat eine enorme Popularität. Ihre Facebookfanseite hat über drei Millionen Fans.

Vor jedem ihrer Spiele tanzen die All Blacks den Haka, einen traditionellen Ritualtanz der Maori, um die gegnerische Mannschaft einzuschüchtern und sich selbst zu motivieren. Auch am Sonntag bei ihrem Auftakt gegen Argentinien (Eurosport, 17.45 Uhr) werden sie wieder tanzen. 1987 und 2011 fruchtete das Ritual besonders gut, in beiden Jahren gewannen sie den WM-Titel. Auch 2015 ist Neuseeland der Topfavorit. „Die hohen Erwartungen an uns haben uns angestachelt, noch härter zu trainieren. Wir gehen da raus und wollen jedes Spiel gewinnen“, sagt All-Blacks-Kapitän Richie McCaw, mit 142 Siegen Rugby-Rekordspieler, bei der Ankunft in London.

Gastgeber England will die Titelverteidigung verhindern. „Im Rugby haben wir jedenfalls viel größere Chancen Weltmeister zu werden als im Fußball“, sagte Englands Ex-Stürmer-Star und Bundesligalegionär Tony Woodcock (59) kürzlich der Welt und schimpfte im gleichen Atemzug über die irrwitzigen Summen, die im Fußball gezahlt werden. Beim Rugby dagegen wären noch „echte Männer und begeisterte Zuschauer“ zu sehen, so der Ex-Kölner. In England ist das Interesse grenzenlos, die 81 605 Final-Tickets sind längst ausverkauft.

Gespielt wird das Finale im legendären Twickenham Stadion, das 1909, rund 14 Jahre vor dem Wembley Stadion, gebaut wurde. Läuft alles optimal, steht Tony Woodcock am 31. Oktober auf dem Rasen und tanzt - allerdings der australische Rugbyspieler Woodcock, nicht sein Fußballnamensvetter.

Und wer zahlt den Spaß?

Auch Deutschland ist bei der Rugby-WM vertreten - nicht durch die Nationalmannschaft, sondern durch BMW. „Die Leidenschaft für den Erfolg, die Dynamik, die Performance, das verbindet den Sport mit uns“, sagt Thorsten Mattig, BMW-Sportmarketing-Leiter, der tz. Deshalb sponsert der Münchner Autobauer die Nationalteams aus England, Frankreich, Australien und Südafrika mit rund vier Millionen Euro im Jahr. Die Vertragslaufzeiten liegen zwischen zwei bis vier Jahren.

Erste Überlegungen startete BMW 2010, zwei Jahre später kam der Einstieg in England. „Rugby hat in diesen Ländern einen extrem hohen Stellenwert, wir wollen uns dadurch ins Bewusstsein unserer Kunden manövrieren“, erklärt Mattig. Und das funktioniert dort eben über Rugby und nicht über des Deutschen liebste Sportart Fußball. Da sich hierzulande nahezu niemand für Rugby begeistert, ist ein nationales BMW-Engagement aber kein Thema - Leidenschaft hin oder her.

Rugby in Bayern

Anzahl Vereine: rund 40 aktive Vereine. Verbandsmitglieder: etwa 1600 Mitglieder in den Vereinen des Rugby Verbands Bayern Herren: drei Vereine in der 2. Bundesliga (Münchner Rugby Football Club, Studentenstadt-Freimann, Rugby Club Regensburg) Damen: ein Verein in der Frauenbundesliga (Münchner Rugby Football Club) Kinder/Jugend: Kinder- und Jugendrugby in Turnierform (ca. zehn Teams in Bayern) Auswahlspieler/innen: vier bayerische Spielerinnen haben im vergangenen Jahr Spiele fürs Nationalteam der Damen im 7er-Rugby bestritten. Ein bayerischer Spieler in der U16-Nationalmannschaft der Herren.

Mathias Müller

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