Schmutziger Krieg um Münchner Olympiahoffnung

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Mit ihrer Zeit von 1:01,19 Sekunden und Platz sechs bei den deutschen Meisterschaften in Berlin qualifizierte sich Iris Rosenberger für das türkische Olympiateam. Ihre Mutter ist Türkin, weswegen sie auch für die Türkei startberechtigt ist.

München - Diesmal hatte sie Zeit. Fast eineinhalb Stunden plauderte Iris Rosenberger mit der tz.

Die Schwimmerin der SG Stadtwerke sprach über ihre Olympia-Teilnahme in Peking für die Türkei, ihre Anfänge in einem Sommercamp und ihre zukünftigen Ziele. Alles Themen, über die die Münchnerin eigentlich schon bei einem ersten Treffen Anfang Juni sprechen wollte. Doch die 22-Jährige sagte kurzfristig ab. „Ich habe damals erfahren, dass Schorsch, mein Trainer, gekündigt wurde. Und ich war einfach nicht in der Lage in dem Moment mit der Presse zu sprechen“, erklärte Rosenberger ihr Fernbleiben.

Schorsch, damit ist Georg Weinzierl gemeint, Münchens Schwimm-Guru. 34 Jahre stand er täglich am Beckenrand, führte auch Christian Tröger in die Weltspitze. Und er unterstütze Rosenberger bei ihrer Olympia-Mission. Doch am 31. Juli ist damit Schluss. Der 56-Jährige wurde vom Präsidium der SG Stadtwerke gekündigt – zum großen Unverständnis von Rosenberger: „Mir ist es rätselhaft, warum sie ihn nicht mehr haben wollen.“ Offiziell wollen die Stadtwerke um Chefin Antje Zühlke keine Erklärung abgeben. Inoffiziell wird Weinzierl Engstirnigkeit vorgeworfen.

Aber Rosenberger kann die Entscheidung nicht verstehen: „Bis auf drei Schwimmer stehen alle hinter Schorsch!“ Mit einer Unterschriftensammlung habe man sogar versucht, das Präsidium umzustimmen. Ohne Erfolg. Sie und die vielen anderen Schwimmer hoffen nun, dass Weinzierl „doch noch irgendwie bleiben kann. Denn ich will keinen anderen Trainer“, stellt die Tochter einer Türkin und eines Deutschen klar. „Es geht hier um eine Einzelsportart, 90 Prozent sind Kopfsache und dafür brauche ich einen Coach, dem ich 100 Prozent vertraue.“ Und dieser Coach heißt Georg Weinzierl – egal wie: „Wenn sich keine Lösung ergibt, muss ich drüber nachdenken, ob ich weiter für die SG schwimme.“

Mit 1:01:19 Minuten über 100 Meter Schmetterling hatte sie bei den Deutschen Meisterschaften ihren großen Traum von Olympia wahr gemacht. An sechs Tagen pro Woche zog Rosenberger dafür in der Olympiaschwimmhalle ihre Bahnen. Setzte für ihren großen Traum sogar das BWL-Studium aus. Doch die Freude über die Peking-Teilnahme ist getrübt: „Eigentlich sollte ich mich riesig freuen. Aber derzeit bin ich nur gefrustet. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Eine optimale Vorbereitung ist derzeit unmöglich“, ärgert sie sich über „diesen schmutzigen Krieg“.

Ein Krieg, der ihre weitere Karriere beeinflussen könnte. „Wenn sie so weitermacht, kann sie in die Weltspitze vordringen“, ist sich Weinzierl sicher. Daher versucht Rosenberger jetzt den Kopf frei zu kriegen. Ab Donnerstag im Trainingscamp der Nationalmannschaft in der Türkei will sie den ganzen Fokus auf ihr Ziel 1:01:00 Minuten legen.

Noch bevor sie am 9. August in Peking startet, soll in München ein neuer Trainer vorgestellt werden…

tl

Quelle: tz

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