Schumi, wir hätten da noch ein paar Fragen

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Sein bisher größter Erfolg: Schumi im Gelben Trikot

Chateauroux - Der Führende bei der Tour de France, Stefan Schumacher, steht wegen seiner Vergangenheit in der Kritik.

Er ist ganz oben angekommen. Auf dem Siegertreppchen und auf einem der höchsten Gipfel, den ein Radfahrer erreichen kann: Mit seiner Übernahme des Gelben Trikots hat Stefan Schumacher einen „Traum wahr werden lassen“. Und gestern konnte er das Trikot auf der Etappe von Cholet nach Chatearoux sogar noch verteidigen. Doch der Triumph des Gerolsteiner-Profi ruft die Zweifler auf den Plan. Wegen der Eskapaden des 26-Jährigen: Alkoholfahrt und Amphetaminspuren im Blut im Oktober 2007, nur einen Monat vorher ein erhöhter Hämatokritwert bei der WM in Stuttgart. Bestraft wurde er nicht. Dennoch liegt ein Schatten auf diesem Gelben Trikot. Schumi, wir hätten da noch ein paar Fragen:

Wie erklären Sie den erhöhten Hämatokritwert bei der WM 2007 in Stuttgart?

Schumacher selbst hielt sich bedeckt – und ließ seinen Manager sprechen. „Er hat zwei Tage mit Durchfall im Bett gelegen“, sagte dieser. Der Bund Deutscher Randfahrer (BDR) und der Weltverband UCI glaubten, dass es sich um keine Manipulation handelt und verzichteten auf Sanktionen.

Und was war mit dem Aufputschmittel, das bei Ihrem Autounfall nachgewiesen wurde?

„Ich kann verstehen, dass die Leute denken: Der hat sicher Dreck am Stecken. Und wahrscheinlich würde ich als Außenstehender auch glauben, dass das alles doch keine Zufälle sind. Das stinkt zum Himmel, denkt sicher die Mehrheit. Nur: Ich habe keine Erklärung, wie das Aufputschmittel in meinen Körper gelangt ist. Im Nachhinein wäre es ja fast besser gewesen, wenn ich gesagt hätte: ,Ich habe eine Ecstasy-Pille genommen, war blöd, tut mir leid.‘ Aber ich will nicht rumlügen. Meine Saison war doch schon beendet, warum sollte ich dopen?“ Der BDR wertete den Vorfall nicht als positiven Test. Begründung: Amphetamine stehen außerhalb der Wettkampfzeit nicht auf der Verbotsliste der Welt-Antidoping-Agentur.

Warum dürfen Sie in Frankreich starten, Tom Boonen aber nicht?

Da ist er plötzlich – der bekannte Reflex der uneingeschränkten Solidarität unter den Fahrern: „Ich bedauere sehr, dass Boonen, der ein großer Champion ist, hier nicht starten darf.“ Der Belgier wurde positiv auf Kokain getestet – wie Schumi außerhalb des Wettkampfes und konnte nicht gesperrt werden. Boonen wurde vom Tour-Veranstalter ASO ausgeladen.

Können Sie jetzt wirklich die Tour gewinnen?

„Es ist nicht mein Ziel, die Tour zu gewinnen. Ich wollte eine Etappe gewinnen und vielleicht sogar ins Gelbe Trikot kommen. Am ersten Tag hat es nicht geklappt, dafür jetzt, und alles, was dann noch kommt, ist eine Zugabe.“ Zu große Erwartungen will er also erst gar nicht aufkommen lassen – weil er in den Bergen vermutlich ohne Chance gegen Valverde & Co. ist.

Bedeutet Ihr Sieg die Rettung für das Team Gerolsteiner?

„Ich hoffe, dass mein Erfolg dabei helfen kann. Mir will es sowieso nicht in den Kopf, dass dieses Team nach der Saison auseinanderfallen könnte. Die Mannschaft hat so viel Potenzial, dass es irgendwie weitergehen muss.“ Pikant ist, dass ausgerechnet der Problemfall von Teamchef Hans-Michael Holczer zum Faustpfand bei der Sponsorensuche werden könnte. Schumacher hatte nach den zahlreichen Skandalen erst Anfang des Jahres nur mit einer „Spende“ an das Nachwuchs­team seinen Arbeitsplatz bei Gerolsteiner retten können.

Tamara Lux

Quelle: tz

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