"Alle am Limit"

X-Alps: 1000 Kilometer Qual bis Monaco

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Sebastian Huber.

München - Vier Deutschen wagen sich ab Sonntag ins das Abenteuer Red Bull X-Alps. Mit Sebastian Huber spricht einer von ihnen in der tz über Risiko, Ruhepausen, Strategie und Genussmomente.

Am Sonntag, 5. Juli 2015, fällt der Startschuss zum ­härtesten Adventure Race der Welt. 32 internationale Athleten überqueren bei den Red Bull X-Alps auf einer über 1000 Kilometer langen Route von Salzburg bis nach Monaco die Alpen. Per Gleitschirm und zu Fuß passieren sie unter anderem den Dachstein, die Zugspitze, den Piz Corvatsch, das Matterhorn und den Mont Blanc. In den Anfängen des Wettbewerbs gab es keine Ruhezeiten, mittlerweile dürfen sich die Teilnehmer von 22.30 bis 5 Uhr nicht mehr als 200 Meter von ihrem Ruhepunkt wegbewegen. Mit Sebastian Huber, ­Michael Gebert, Manuel Nübel und Yvonne Dathe wagen sich vier Deutsche ins große Abenteuer. Huber (29) aus Söldenau bei Passau ist zum ersten Mal dabei. Im tz-Interview spricht der gelernte Forstwirt und Gleitschirmlehrer über Risiko, Ruhepausen, Strategie und Genussmomente.

Herr Huber, was reizt Sie an den X-Alps?

Huber: Das Zusammenspiel aus mentaler Anstrengung beim Fliegen und die körperliche Herausforderung des Bergsteigens machen die X-Alps sehr reizvoll. Zudem spielen Taktik und Routenwahl eine entscheidende Rolle.

Bleibt die Routenwahl von einem Wendepunkt zum nächsten dem Athleten selbst überlassen?

Huber: Richtig, wir müssen lediglich die vorgegebenen Wendepunkte innerhalb bestimmter Radien erreichen. Im Einzelfall müssen wir sogar landen und eine Art Passierschein unterschreiben. Einzige Bedingung: Erlaubt ist nur Fliegen bzw. Gehen.

Und alles wird von einer zentralen Rennleitung überprüft?

Huber: Da jeder Teilnehmer ein GPS-Gerät bei sich trägt, das alle paar Sekunden die exakte Position übermittelt, weiß die Rennleitung zu jeder Zeit ganz genau, wo wir uns gerade befinden. Über die Webseite der X-Alps kann dieses Live-Tracking auch öffentlich verfolgt werden.

Wie viel Risiko gehen Sie beim Fliegen?

Huber: Ich werde meine Flugentscheidungen völlig unabhängig vom Wettkampf treffen. Da man beim Fliegen deutlich schneller ist als zu Fuß, werden alle Athleten an ihr Limit gehen. Aber meine Grenzen werde ich nicht verschieben. Ich gehe kein überhöhtes Risiko ein.

Starker Gleitschirmflieger oder ausdauernder Bergsteiger, wer ist im Vorteil?

Huber: Eine gute Kombination aus beiden Disziplinen ist unabdingbar. Man muss konditionell schon sehr gut drauf sein, um vorne mithalten zu können. Es versteht sich von selbst, dass alle Starter top Gleitschirmflieger sind.

Stichwort: Toilette. Während eines langen Fluges?

Huber: Wir tragen Urinalkondome, die in einen Schlauch münden (lacht). Heißt: Bein während des Fluges ausstrecken und einfach laufen lassen.

Wo verbringt man die Nächte?

Huber: Endet die tägliche Race-Time, dürfen wir uns von dem Standort, an dem wir uns gerade befinden, nur noch in einem Radius von 200 Metern entfernen. Heißt: Da schläft man dann auch. Im Idealfall ist der jeweilige Supporter mit dem entsprechenden Campervan in der Nähe.

Ohne deinen Supporter, Martin Walleitner, geht also nichts. 

Huber: Man tritt im Zweierteam an. Martin ist mein Verbindungsmann, mein Koch, technischer Leiter, Logistikpartner, mein Bett auf Rädern. Er versorgt mich mit Wetterdaten, Wechselklamotten, Essen, er kümmert sich um die technischen Geräte, sorgt dafür, dass diese immer wieder aufgeladen werden. Er unterstützt mich in allem, damit ich mich in den Ruhephasen möglichst effektiv erholen kann. Aber auch taktische Entscheidungen treffen wir im Team, planen also die Route für den Folgetag gemeinsam. Wenn ein Tag mal richtig schlecht läuft, ist es der Supporter, der einen wieder aufbaut.

Wie lang war Ihr längster Flug bisher?

Huber: 265 Kilometer.

Am Stück?

Huber: Ja. Ich bin gegen 9.30 Uhr in Südtirol, im Antholzer Tal gestartet, zum Großglockner geflogen, über Sterzing in die Stubaier Alpen, weiter südlich bis zur Heiligkreuzkofelgruppe und wieder retour. Um 21 Uhr war ich wieder in Antholz.

Welche Strategie werden Sie bei den X-Alps verfolgen?

Huber: Im Vordergrund steht das Abenteuer. Mein Ziel ist klar definiert. (lacht) Möglichst schnell nach Monaco zu kommen. Gesund und unverletzt.

Ab wann gilt das Rennen als beendet? 

Huber: 48 Stunden nachdem der Erste in Monaco gelandet ist bzw. spätestens am 17. Juli 2015. Außerdem wird ab dem ersten Tag das Teilnehmerfeld von hinten gestrichen. Heißt, alle 48 Stunden scheidet der Tagesletzte jeweils aus.

Wie bereitet man sich auf so einen extremen Wettkampf vor?

Huber: Eben war ich wieder vier Tage am Stück völlig autark unterwegs. Mit Gleitschirm, Schlafsack, Isomatte und so. Zudem habe ich versucht, phasenweise mit wenig Schlaf auszukommen und trotzdem starke Leistungen zu bringen.

Interview: Johanna Stöckl

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