Deutscher Surfer

Sebastian Steudtner im tz-Interview: "30 Meter sind drin!"

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Sebastian Steudtner in ­Nazaré – in die Wellen lässt er sich mit dem Jetski ziehen.

München - Mit neun Jahren lag Sebastian Steudtner (30) erstmals auf einem Boogieboard, mit 16 Jahren wanderte er alleine zum Surfen nach Hawaii aus, heute bezwingt er die größten Wellen der Welt. 2010 und 2015 gewann er den „Big Wave Award“ mit 22 Metern Wellenhöhe.

Herr Steudtner, Ihre Wellen sind bis zu 80 km/h schnell und 500 000 Tonnen schwer. Haben Sie auch Spaß in kleinen Wellen?

Steudtner: Klar. Außerdem habe ich angefangen wie jeder: mit sehr kleinen Wellen. Und ich bin genauso oft hingefallen, wie alle anderen. Warten Sie, ich zeige Ihnen ein Bild von gestern aus Portugal. (Steudtner zeigt das kleine Bild rechts auf dem Handy).

Die ist riesig!

Big-Wave-Surfer Sebastian Steudtner.

Steudtner: Gut, aber ich versichere Ihnen, ich habe auch Spaß mit einem Longboard in einer 50-Zentimeter-Welle. Ich fand Surfen immer wahnsinnig faszinierend und habe stets Wege gefunden, diesen Sport zu betreiben. Auswandern ohne die Familie, Geld verdienen, sich zurechtfinden in der Welt, diese Dinge, die sehr schwer sind, sind mir leichter gefallen, weil ich immer ein Ziel vor Augen hatte. Es läuft immer nach dem gleichen Prinzip: Leidenschaft generiert Motivation und Fokussierung, und das wiederum verhindert Angst und Widerstände. Das Selbstbewusstsein aufzubauen und seine Ziele durchzusetzen, das ist wichtig, das will ich weitergeben.

Sie sind Botschafter für die Sportstiftung Laureus.

Steudtner: Wir ermöglichen es Kindern, nach Portugal zum Surfen zu fliegen, genauer gesagt geht es erst mal um Kids der Martin-Luther-King-Schule in Trabentrabach. Dort sind Kinder, die schlimme Dinge erlebt haben oder die sozial benachteiligt sind. Ihr Sportlehrer hat das Projekt eingeführt. Ein autistischer Schüler hat durch das Surfen komplett seinen Autismus verloren. Bisher ist das nur ein Referenzprojekt, später sollen sich andere Schulen dafür bewerben können.

Was lernt ein Surfer?

Steudtner: Sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, zudem erfährt man viel über seine Stärken und Schwächen. Und man lernt gewisse Werte kennen. Man braucht Geduld, wenn man auf eine Welle wartet. Und es ist viel Disziplin nötig, wenn man beim Rauspaddeln zum zehnten Mal ans Land gespült wird. Werte, die ich am liebsten auch in einem Hawaii-Projekt vermitteln will. Während meiner Zeit dort war ich sehr nahe am kriminellen Milieu. Und ich kenne Menschen, die irgendwann gesagt haben: O.k., dann mache ich eben den Raubüberfall. Das will ich verhindern, denen will ich helfen.

Was sind Ihre sportlichen Ziele?

Steudtner: Der Weltrekord ist ein etwas leidiges Thema. Ich freue mich darüber, aber es steht für mich nicht so im Vordergrund, wie für die Medien. Nach meiner Schulterverletzung bin ich erstmals in der Lage, mich voll und ganz aufs Surfen zu konzentrieren. Ich muss mich mittlerweile nicht mehr um Sponsoren oder Finanzierungen kümmern. Der Weltrekord ist ein Beiprodukt, das ich schaffe, wenn ich so surfen kann.

Welche Höhe ist drin?

Steudtner: Es kann sein, dass wir zehn Jahre warten müssen, bis die Wind-Wetter-Konstellation passt, aber in Nazaré wird der Tag kommen, an dem eine Welle 30 Meter hoch ist. Ich habe ein Topteam und ein Topequipment, ich bin vorbereitet. Außerdem habe ich genug Erfahrung, ich denke, dass ich eine 30-Meter-Welle surfen kann. Wir haben Fotos von noch größeren Wellen, um die 35 Meter, allerdings sind die sehr weit draußen auf dem Meer gebrochen und nicht in der Nähe des Strandes. Ich habe noch Luft nach oben, was mein Surfen angeht, ich würde schätzen, dass noch eine Steigerung um 40 Prozent möglich ist.

Klingt vielversprechend.

Steudtner (grinst): Wenn ich mich nicht verletzte, können Sie sich auf etwas gefasst machen.

Sie sind in Deutschland geboren, sind Sie noch oft hier?

Steudtner: Nein, eine Homebase habe ich nicht, wir ziehen alle paar Monate weiter. Bis Dezember bin ich noch in Portugal, dann geht es für zwei Monate weiter nach Hawaii und danach wieder nach Nazaré oder Südamerika.

Interview: Mathias Müller

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