Überraschendes Ticket für Schwimm-WM

Selina Hocke: Ist sie unsere neue Franzi?

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Selina Hocke konnte ihren Triumph kaum fassen

Berlin - Britta Steffen bereitet den Beobachtern bei der Schwimm-DM Sorgen. Dafür überraschte eine 16-jährige Newcomerin, die mit dem WM-Ticket gar nicht gerechnet hatte.

DM-Bilanz: Talente machen Hoffnung, Steffen bereitet Sorgen Von Jörg Soldwisch +++ Zusammenfassung +++

Berlin, 28. April (SID) -

Der neue Schwimm-Bundestrainer Henning Lambertz erlebte eine Premiere mit Höhen und Tiefen. Insgesamt machte ihm die DM aber Hoffnungen für die Weltmeisterschaften im Sommer in Barcelona.

Berlin (SID) Die motivierten Talente machen Hoffnung, die kranke Britta Steffen bereitet Sorgen: Henning Lambertz erlebte bei seinem Einstand als Schwimm-Bundestrainer ein Wechselbad der Gefühle. Eigentlich liefen die 125. deutschen Meisterschaften in Berlin ganz nach seinem Wunsch - wenn da nicht der spektakuläre Startverzicht der Weltrekordlerin gewesen wäre. Der Steffen-Schock trübte die ansonsten gute Bilanz mit einer wahren Flut an Normerfüllern für die WM in Barcelona (19. Juli bis 4. August). Vor den abschließenden Finals am Sonntagnachmittag waren bereits 20 DSV-Athleten auf den WM-Zug gesprungen.

„Insgesamt bin ich zufrieden, aber leider gab es den kleinen Wermutstropfen durch Britta Steffens Erkrankung“, sagte Lambertz. Um nach Paul Biedermann, der wegen seines Trainingsrückstandes erst gar nicht bei der DM angetreten war, nicht auch noch dessen Lebensgefährtin für die WM zu verlieren, müssen Lambertz und DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow die Hintertür öffnen. Beide signalisierten bereits eine Sonderbehandlung für den an einem viralen Infekt erkrankten Star.

„Eine Britta Steffen ist eine extrem wichtige Person im Schwimmen, hat in der Vergangenheit so viel für Deutschland geleistet, dass wir ihr alle erdenklichen Optionen offen halten wollen“, sagte der Essener, der Steffen mit Blick auf eine Staffel-Nominierung zu einem Start im Vorlauf über 100 m Freistil überredet hatte. Die geschwächte Schwimmerin blieb in 55,68 Sekunden über der WM-Vorlaufnorm und sagte danach alle weiteren Starts ab.

Bei der WM dürfte es dennoch mindestens einen Einzel-Startplatz für die Doppel-Olympiasiegerin von 2008 geben, da im 100-m-Finale nur Steffens Teamkollegin Daniela Schreiber die Norm knackte. Steffen selbst wollte sich zu ihren WM-Chancen nicht äußern. „Ich muss erstmal selber runterkommen“, sagte die Weltrekordlerin und machte sich dann sichtlich mitgenommen auf den Heimweg nach Halle/Saale in die gemeinsame Wohnung mit Biedermann. Der sah sich und seine Freundin vom Pech verfolgt: „Für uns beide kommt es richtig dicke.“

Während die Stars im deutschen Schwimmsport schwächeln, setzten einige junge Athleten das ein oder andere Ausrufezeichen. Lambertz' Maßnahme, die WM-Normen aus Motivationsgründen deutlich zu entschärfen, ging auf. „So habe ich mir das vorgestellt: Die zweite Reihe sieht ihre Chance und greift zu“, sagte der 42-Jährige.

So wie Selina Hocke, die große Überraschung der DM. Die erst 16-Jährige sicherte sich in ihrer Heimatstadt die Titel über 50 und 200 m Rücken jeweils unter der WM-Normzeit, Titel Nummer drei war zum Abschluss am Sonntag über 100 m auch noch möglich. Statt sich wie geplant „nur“ für die Junioren-WM zu qualifizieren, fährt der Teenager nun mit nach Barcelona. „Ich bin total überwältigt“, sagte Hocke und vergoss Tränen der Freude. Lambertz bescheinigte der Newcomerin eine „irre Leistung“ und meinte: „Sie ist ein Sonnenscheinchen, mit ihr muss man einfach immer mitlachen.“

Die Stimmung im deutschen Team ist nach dem Null-Medaillen-Debakel von Olympia deutlich gestiegen. Auch zwischen Bundestrainer Lambertz und Sportdirektor Buschkow herrscht Harmonie. Mit Lambertz' Vorgänger Dirk Lange war Buschkow in Kompetenzfragen immer wieder aneinander geraten. „Henning bringt gute Stimmung und neuen Schwung ins Team“, lobte Buschkow, stellte aber auch klar: „Der Maßstab ist die WM.“

sid

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