Sechstage-Rennen: Geschichte, Geschichten und das große Zittern

Servus Sixdays?

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Bei den Sixdays geht es dieses Jahr noch einmal rund - vielleicht zum letzten Mal.

Für mich hat alles mit dem Schorsch angefangen. Der Schorsch – offiziell Georg von Bentheim – war jahrzehntelang Sixdays-Reporter der tz.

Als ich den Job übernahm, gab er mir ein paar wohlmeinende Ratschläge. „Junger Kollege“, sagte also der Schorsch durch sein graues Bärtchen und sein wissendes Lächeln, „an Ihrer Stelle würde ich mich mit dem großen Ganzen befassen. Man müsste eine Geschichte darüber schreiben, ob das Sechstage-Rennen überhaupt noch eine Zukunft hat. Ich habe da im Moment kein gutes Gefühl.“ Das ist jetzt schon ein paar Jahre her – aber der Schorsch lag mit seinem Gefühl nicht so verkehrt… Heute Abend um acht beginnen die Münchner Sixdays. Es ist die 45. Auflage – und vielleicht gleichzeitig die letzte. Wenn nicht genug Zuschauer kommen, dann war’s das. Dann müssten wir sagen: Servus, Sixdays! Es wäre ein Abschied von Sport und Party, von Drama und Gaudi. Ein Abschied von Geschichte und Geschichten. Zum Beispiel von diesen hier:

Hallo, aufwachen: Früher schliefen die Fahrer noch direkt in der Halle. „Drei Stunden pro Nacht, das musste reichen“, erinnert sich Sigi Renz, der früher selber fuhr und jetzt Rennleiter ist. „Wir waren dermaßen k.o., dass wir oft in den zehnminütigen Massage-Pausen der Rennen eingeschlafen sind. Ich bin aber immer schnell wieder aufgewacht. Spätestens dann, wenn der Masseur meinen Oberschenkel berührt hat. Dann hab ich geschrien vor Schmerz.“ Immerhin: München war immer schon vergleichsweise luxuriös. Renz: „In Antwerpen mussten wir in kleinen Kammern schlafen. Da haben sie Militär-Stockbetten aufgestellt. Wenn sich der Obere umgedreht hat, ist der Untere gesprungen. Die Fenster waren wie im Knast: klein und vergittert.“

Hallo, nochmal aufwachen: Es war um drei oder vier in der Früh. Die Fahrer waren grad in ihren Kabinen eingeschlafen – da machte sich ein Journalist einen Spaß draus, mit großen Kuhglocken durch die Halle zu bimmeln. Der Journalist hat überlebt.

Glücksgefühle: Renz: „Eines der besten Rennen, die ich je gesehen habe, war das große Finale mit Urs ­Freuler. Ich hatte Gänsehaut, die Haare standen. Als der Urs aufgehört hat, hab ich mit mir gekämpft, damit ich nicht anfange zu weinen.“

Der Horror: Es geht beim Sechstage-Rennen nicht nur um Sieg oder Niederlage, sondern manchmal um Leben oder Tod. Im Jahr 1989 zum Beispiel. Da stürzt der britische Fahrer Tony Doyle und kracht Kopf voraus auf den Boden. Mehrere Knochenbrüche – im Krankenhaus erkennt man Tony vor lauter Schläuchen fast nicht mehr. Der Brite überlebt – und ist seither einer der Vorkämpfer fürs Helmtragen beim Radeln.

Der große Krach: Robert Bartko kam als Olympiasieger nach München. Dachte, er gewinnt ganz locker – wurde zusammen mit Erik Zabel aber nur Dritter. Er war so sauer, dass er nicht mal zur Siegerehrung wollte – die Abschlussparty danach war versaut.

Quelle: tz

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