Radler Lang: Warum wohl bald Schluss ist

Servus Tour! Ich werde Kinderpfleger…

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Sebastian Lang hat genug.

Paris - Am Sonntag hat er's noch mal gespürt, wie sich ein Held fühlt – vielleicht zum allerletzten Mal.

Der deutsche Radprofi Sebastian Lang (28) führte eine Tour-de-France-Etappe an. Allein, gejagt vom rasenden Feld, 90 Kilometer lang. Dafür hat er sich die rote Nummer des kämpferischsten Fahrers verdient. Aber seine Zukunftsaussichten verbessert das nicht… Wahrscheinlich ist am Ende des Jahres Schluss mit Langs Profi-Karriere. Motto: Servus Tour! Ich werde jetzt Kinderpfleger…

Hintergrund: Lang fährt für das Team Gerolsteiner – und da steigt nach dieser Saison der Hauptsponsor aus. Nachfolger ist bisher noch keiner gefunden. Lang will zwar Vollgas geben, Erfolge holen und so mögliche neue Sponsoren überzeugen. Aber ob das reicht? Unsicher, höchst unsicher. Nach den Dopingskandalen der jüngeren Vergangenheit will kaum noch ein Unternehmen Geld in den Radsport stecken. Das bedeutet: Möglicherweise existiert das Team, das jetzt Gerolsteiner heißt, in ein paar Monaten überhaupt nicht mehr.

Lang könnte sich dann nach einem neuen Arbeitgeber umschauen. Könnte. Wird er aber nicht. Falls die Gerolsteiner-Mannschaft dichtmacht, hört Lang auf, wird sich stattdessen zum Pfleger für kranke und behinderte Kinder ausbilden lassen. Er sagt: „Ich will etwas Wichtiges machen.“ Diese Worte: Sie sind typisch für Lang. Er hat noch nie ein Blatt vor den Mund genommen, schon gar nicht nach den Dopingskandalen. Im vergangenen Jahr sagte er mal: „Ich habe keinen Bock mehr auf einen Zirkus von unverantwortlichen Leuten.“ Gemeint waren Leute wie Erik Zabel. Lang verstand nicht, warum Ete nach seiner Dopingbeichte weiterfahren durfte. Denn: „Ich glaube nicht, dass er nur eine Woche gedopt hat…“

Zirkus von unverantwortlichen Leuten… Wer gehört noch dazu? Lang: „Ich möchte auf keinen Fall, dass Jörg Jaksche wieder fährt. Vor vier Jahren hat er mir erzählt, dass er mich am Berg auch mit Fieber abhängt. Jetzt wissen wir, woran das lag.“ Auch Patrik Sinkewitz will er nicht mehr im Sattel sehen: „Solche Leute riskieren, dass Fahrer ihren Arbeitsplatz verlieren.“

Arbeitsplätze so wie den von Lang. Seppl, wie ihn seine Freunde nennen, weiß im Moment noch nicht, ob sein Job in einem halben Jahr auf einem Rennrad oder vor einem Kinderbett stattfindet. Auf der anderen Seite: In letzterem Fall könnte Lang – wenn auch ganz unbemerkt – dann doch wieder echte Heldentaten vollbringen.

Quelle: tz

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