Renz sicher: Auch nächstes Jahr gibt's Sixdays

Sixdays-Rennleiter: "Der Patient überlebt"

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Erik Zabel wird 2009 auf keinen Fall mehr dabei sein - er beendet seine Karriere.

Die Stimme war schon ziemlich angegriffen. Mit ordentlicher Sechstage-Heiserkeit zog Rennleiter Sigi Renz gestern Sixdays-Bilanz.

Macht aber nix, Renz ist den rauen Hals gewohnt – und die eigentliche Erkrankung dieser Tage ist sowieso eine andere. Zuschauerschwund. Sixdays-Veranstalter Klaus Cyron stellte mit Blick auf die vielen leeren Ränge in der Olympiahalle fest: „Wir haben das Ziel der Ticketverkäufe nicht erreicht. Wir werden zwar über 60 000 liegen, aber wir werden nicht annähernd an die erhofften 64 000 herankommen.“

Sechs-Tage-Rennen vor dem Aus?

65.000 Zuschauer war das Ziel - das haben die Veranstalter des Münchner 6-Tage-Rennens verpasst. Und der erneute Zuschauermangel - wie schon 2007 - könnte das Ende der traditionsreichen Veranstaltung bedeuten.

Klingt nach trockener Mathematik – ist aber in Wirklichkeit pures Herzblut. Diese Zahl, 60 000, könnte das Ende des Münchner Sechstage-Rennens bedeuten – weil es sich so ganz einfach nicht rentiert. Olympiapark-Chef Wilfrid Spronk sagt ganz klar: „Natürlich sind wir nicht zufrieden.“ Deswegen ist die Zukunft des Rennens weiterhin offen. Spronk: „Wir werden weder heute noch morgen noch in einer Woche den Daumen nach oben oder nach unten halten. Und ich bin auch nicht geneigt, jetzt zu sagen, es könnte möglicherweise einen Schritt A, B, C oder D geben. Wir werden in aller Ruhe abwarten, bis alle Zahlen analysiert sind. Die Entscheidung wird dann in der ersten Jahreshälfte 2009 getroffen.“ Die Entscheidung, ob es weitergeht…

Wobei Rennleiter Renz guter Dinge ist. Er sagt über die Sixdays: „Der Patient kränkelt. Er liegt sogar auf der Intensivstation und wird beatmet. Aber er ist noch lang nicht gestorben. Er wird wieder gesund werden.“

Und das mit bekanntem Chef… Denn Renz hat seine traditionellen Rücktrittsdrohungen heuer mal sein lassen. Er verspricht fürs nächste Jahr: „Wenn ich gebraucht werde, dann stehe ich zur Verfügung.“ Also wenn es ein Sechstage-Rennen 2009 gibt…

Mithelfen wollen viele – auch die Politik. Jedenfalls indirekt. Am Montag war der stellvertretende Ministerpräsident Martin Zeil (FDP) zu Gast beim Sechstage-Rennen. Er erklärte, wie sich die geplante Änderung des Rauchverbots auf die Sixdays auswirken wird: „Es wird so sein, dass die Veranstalter das selber entscheiden. Wir wollen absoluten Nichtraucherschutz dort, wo jemand hingehen muss. Aber es wird ja niemand gezwungen, zum Sechstage-Rennen zu gehen.“

Das bedeutet: In Zukunft darf beim Sechstage-Rennen wieder geraucht werden – wenn die Veranstalter es wollen. Und vermutlich wollen sie… Zürichs Sixdays-Chef Urs Freuler schätzt: „Das Rauchverbot hat euch heuer in München 20 oder 25 Prozent Zuschauer gekostet. Ein starker Raucher kommt doch nicht für fünf oder sechs Stunden in die Halle, wenn er sich hier keine Zigarette anzünden darf.“

Gut, das kann sich ja ändern, Koalitionsvertrag sei Dank. Die Sixdays-Bosse glauben aber, dass es auch andere Gründe dafür gibt, dass zu wenig Zuschauer da waren. Thema Doping. Knapp vorm Sechstage-Rennen gab’s die Schlagzeilen in Sachen Stefan Schumacher und Bernhard Kohl. Spronk sagt: „Man könnte fast meinen, die Herren, die sich da im negativen Sinne produziert haben, hätten das absichtlich getan, um München zu schaden. Nein, das haben sie natürlich nicht getan.“ Aber stinksauer ist Spronk trotzdem – weil wieder mal Straßen-Doping dem Bahnsport geschadet hat.

Trotzdem ist die Stimmung der Sixdays-Chefs besser als im Katastrophenjahr 2007. Veranstalter Cyron schwärmt vom „faszinierenden Sport“ und sagt: „Ich bin mit dem Produkt Sechstage-Rennen sehr zufrieden. Nur mit der Auslastung des Produkts kann ich nicht zufrieden sein.“ Immerhin: „Es ist keine klare Tendenz zu erkennen – weder nach oben noch nach unten. In der Börsensprache würde man da sagen, die Bodenbildung ist erreicht.“

Vielleicht auch dank des neu gestalteten Innenraums und des umgebauten Rahmenprogramms. Cyron: „Dinge wie die Riesenleinwand und die Live-Musik sind nicht mehr wegzudenken.“

Rein sportlich gesehen war das Rennen 2008 sowieso ein Erfolg. Hochklassig und spannend bis zum letzten Tag. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe standen die Sieger noch nicht fest – gleich fünf Teams hatten noch gute Chancen. Und: Wir haben schon die Stars der Zukunft gesehen. Renz: „Besonders gefallen hat mir Roger Kluge. Der beweist, dass das stimmt, was ich immer schon gesagt habe. Auch, wenn ein Erik Zabel oder ein Bruno Risi aufhört: Es werden immer wieder Fahrer nachkommen. Es kommt immer wieder einer wie Phönix aus der Asche.“ Ja. Phönix. Asche. Schöne Worte in diesen Tagen…

Uli Heichele, Cornelia Landes

Quelle: tz

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