Klitschko-Gegner Thompson vermöbelte schon Krasniqi schwer

So gefährlich ist der Tiger

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Tony Thomspon verhehlt nicht, welche politische Meinung er hat.

Der Mann ist ein Witz auf zwei Beinen. Ein „Running Gag“, könnte man sagen.

Wo Tony Thompson, am Samstag (22.10 Uhr, RTL live) in Hamburg Gegner von Weltmeister Wladimir Klitschko (32), ist, lachen die Leute – nicht über ihn, sondern mit ihm. Der 36-jährige Amerikaner ist ein Entertainer. Ob es ihm nichts ausmache, dass 14 000 Zuschauer gegen ihn sein werden? „Warum? Die 14 000 werden ja nicht in den Ring steigen, um Klitschko zu helfen“, so seine Antwort. Und ob der Kampf über die Runden gehe, wollte jemand wissen. „Muss er nicht – ich werde ja nicht nach Stunden bezahlt…“

Thompson landet Volltreffer – aufs Zwerchfell. Doch Wladimir Klitschko sollte gewarnt sein, denn im Ring macht der 1,96-m-Hüne Ernst. Das musste Luan Krasniqi am eigenen Leib erfahren. Vor einem Jahr wurde der Deutsche beim WM-Ausscheidungskampf in Hamburg schwer vermöbelt. Mit dem Sieg in Runde fünf (technischer K.o.), dem bislang größten seiner 31 Siege (eine Niederlage), erkämpfte sich Thompson das Recht, den WBO-Weltmeister herauszufordern – Klitschko, dem er 2003 als Sparringspartner diente.

Krasniqi stand damals völlig neben sich, kassierte Runde um Runde schwere Treffer. „Ich war völlig hilflos. Ich habe nicht gewusst, wo ich bin“, sagt der „Löwe von Rottweil“. Krasniqi bestritt seitdem keinen Kampf mehr. Seine Prognose: „Ich will den Thompson nicht schlechtreden, aber ich kann mir nicht vorstellen, wie der den Wladimir weghauen will. Aber je länger der Kampf dauert, desto größer könnten die Vorteile für Thompson sein. Wenn er Wladimir besiegen möchte, muss er ihn in den Rückwärtsgang bringen.“

Weltmeister Thompson – es wäre die Krönung einer ungewöhnlichen Karriere. Das fängt mit dem Kampfnamen an: „Tony, the Tiger“. Den haben ihm seine sieben (!) Kinder verpasst, inspiriert von der gleichnamigen Comicfigur, die Werbeträger von Frühstücksflocken ist (Frosties – „die wecken den Tiger in dir“). Und weil ihr Papa diese Großkatzen mag (seinen rechten Oberarm ziert ein großes Tiger-Tattoo).

Der „Tiger“ ist ein Gegenentwurf zu Klitschko, der eine Bilderbuch-Karriere erlebt. Als der heutige Doppel-Weltmeister 1996 Olympiasieger wurde, hatte Thompson mit Boxen überhaupt nichts zu tun. Er jobbte in einer PR-Agentur in seiner Heimatstadt Washington und war nur mäßig sportlich. Als Klitschko 2000 erstmals Profi-Weltmeister wurde, hatte der vier Jahre ältere „Tiger“ gerade mit dem Profi-Boxen begonnen – im zarten Alter von 27 Jahren. Er hatte es spaßeshalber in einem „Gym“ ausprobiert und wurde von seinem alten Trainer Tom Browner entdeckt. „Es liegt mir einfach, Leute zu verprügeln“, grinst Thompson, der in der seltenen Rechtsauslage boxt (Schlaghand ist die Linke), obwohl er Rechtshänder ist.

Viele hungrige Münder hat der begeisterte Hobby-Golfer zu füllen. „Ich kämpfe für meine Frau Sydnee und meine sieben Kids“, erzählt der Amerikaner. Während seine Frau am Samstag am Ring die Daumen drücken wird, bleiben die Kinder Donelle (19), Darryl (17), Danielle (16), Tori (12), Tony (10), Anthony (8) und Charles (7) zu Hause. Alle einzufliegen wäre teuer: „Die schauen sich den Kampf im TV an.“In 100 Ländern wird der Kampf gezeigt, Klitschko ist ein globaler Sportstar, soll durch den Kampf einschließlich aller Nebengeräusche acht Millionen Euro verdienen. Thompson muss sich mit 500 000 Euro zufrieden geben. „Der Champ kommt heim“, so lautet das Motto des Kampfes. Schließlich bestritt der gebürtige Ukrainer in Hamburg sein Profidebüt – im November 1996 schlug er den Mexikaner Fabian Meza nach 1:35 Minuten der ersten Runde K.o. – vor 600 Zuschauern.

„Ich fühle mich als Hamburger, die Stadt ist meine zweite Heimat“, sagt Klitschko, und das meint er wirklich ernst. Schließlich hat er sich erst vor Kurzem dort ein Haus gekauft: „Hamburg ist mein Wohnsitz und wird es bleiben.“ Seine Erwartung für Samstag: „Ich werde eine große Show und einen großen Sieg zeigen.“ Damit dem Tiger das Lachen vergeht…

nw

Quelle: tz

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